Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, wird ihr Amt am 7. Februar 2027 vorzeitig niederlegen. Die Französin, die seit dem 1. November 2019 an der Spitze der Notenbank steht, beendet damit ihr Mandat rund neun Monate vor dem regulären Ablauf ihrer achtjährigen Amtszeit. Lagarde informierte den EZB-Rat sowie den Präsidenten des Europäischen Rates, Antonio Costa, über diesen Schritt, der in den europäischen Hauptstädten eine intensive Suche nach einer Nachfolge ausgelöst hat.
Ein Rückzug in rauer See
Lagardes Entscheidung erfolgt in einer wirtschaftlich angespannten Lage. Die Inflation in der Eurozone ist laut EZB-Einschätzungen weiterhin aufwärtsgerichtet. Zudem belasten hohe Energiepreise, insbesondere bei Rohöl, Diesel und Kerosin, die Stabilität. Lagarde selbst kommentierte ihren Abgang bei einer Pressekonferenz in Frankfurt mit den Worten: „Es gibt nie einen guten Zeitpunkt zum Gehen.
Als Gründe für den vorzeitigen Rücktritt nannte Lagarde den Wunsch nach mehr gesellschaftlichem Engagement und persönlicher Freiheit in der Meinungsäußerung. Spekulationen über einen Wechsel zum Weltwirtschaftsforum (WEF) in die Schweiz wurden von der Organisation bislang nicht bestätigt. Beobachter vermuten zudem ein politisches Kalkül: Durch den Rückzug soll sichergestellt werden, dass die Neubesetzung des EZB-Präsidenten noch vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich im April 2027 erfolgt, um eine mögliche Einflussnahme durch eurokritische Kräfte wie Marine Le Pen zu verhindern.
Zwei Kandidaten im Rennen
Bis zum Ablauf der Nominierungsfrist am 6. November 2026 wurden zwei offizielle Kandidaturen eingereicht. Die Niederlande nominierten Klaas Knot, der von 2011 bis 2025 die niederländische Zentralbank leitete und zudem bis Mitte 2025 Vorsitzender des Financial Stability Board (FSB) war. Spanien schlug Pablo Hernández de Cos vor, der von 2018 bis 2024 die Banco de España führte und seit dem 1. Juli 2025 als Generaldirektor an der Spitze der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel steht. Die Finanzminister des Euroraums werden diese Vorschläge am 9. November prüfen.
Während Knot als pragmatischer „Falke“ gilt, der eine restriktive Geldpolitik befürwortet, wird Hernández de Cos eher als gemäßigte „Taube“ eingestuft. Beide Kandidaten verfügen über tiefgreifende Erfahrung in der internationalen Zusammenarbeit und der Finanzstabilität. Die endgültige Entscheidung über die Nachfolge obliegt den Staats- und Regierungschefs der Euro-Staaten, die nach einer Empfehlung der Mitgliedstaaten der Eurozone sowie obligatorischen Konsultationen mit dem Europäischen Parlament und dem EZB-Rat entscheiden werden.””
Ein umfassendes Personalpaket
Die Nachfolge von Lagarde ist Teil einer größeren personellen Neuordnung. Im Laufe des Jahres 2027 werden weitere Positionen im sechsköpfigen EZB-Direktorium frei, darunter die der deutschen Direktorin Isabel Schnabel, die im Januar zum Internationalen Währungsfonds (IWF) wechselt, sowie die des Chefökonomen Philip R. Lane. Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, vermutet, dass die EU-Staatschefs versuchen werden, die vakanten Stellen als Gesamtpaket zu verhandeln, möglicherweise bereits auf einem Sondergipfel Ende November oder dem EU-Gipfel im Dezember.

Deutschland, das in der Geschichte der Notenbank noch nie die EZB-Spitze stellte, hält sich bei den Nominierungen zurück. Der Bundesbank-Präsident Joachim Nagel, der seit 2022 im Amt ist, gilt als Verfechter einer straffen Geldpolitik, doch seine Chancen werden als gering eingeschätzt, da mit Ursula von der Leyen bereits eine Deutsche die EU-Kommission leitet. Finanzminister Lars Klingbeil betonte, Deutschland wolle sein Gewicht einbringen, um eine verantwortungsvolle Führungsspitze zu bilden. Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte bereits im Oktober die Erwartung, dass man „sehr schnell zu einer Lösung für das Direktorium“ kommen werde.”
Für die Ernennung ist die Unterstützung von mindestens 16 der 21 Staaten erforderlich, die mindestens 65 % der Bevölkerung des Euroraums vertreten. Bis zum Amtsantritt des Nachfolgers bleibt Lagarde im Dienst und wird unter anderem die geldpolitischen Sitzungen im Dezember und Februar leiten, wobei Nagel bereits eine mögliche Zinserhöhung im Dezember als „aus heutiger Sicht sehr wahrscheinlich notwendig“ bezeichnete.”
Die Stock Market Media Ltd. weist in diesem Kontext auf bestehende Interessenkonflikte hin, da das Unternehmen Aktien der in Berichten thematisierten Gesellschaften hält. Die Aufsicht über solche Publikationen obliegt der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), bei der das Unternehmen gemäß § 86 WpHG registriert ist.
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