Unter dem Codenamen Red Storm Charlie
proben Bundeswehr, zivile Behörden und Unternehmen vom 24. bis 26. Rund 500 Soldatinnen und Soldaten trainieren gemeinsam mit etwa 60 Organisationen die zivil-militärische Zusammenarbeit und Abläufe entlang der Drehscheibe Deutschland.
Hamburg steht erneut im Fokus einer großangelegten Verteidigungsübung. Nach den Vorläufern Red Storm Bravo
und der ursprünglichen Alpha-Übung in den Vorjahren hat das Landeskommando Hamburg das Szenario für die Tage vom 24. bis zum 26. Neben rund 500 Soldatinnen und Soldaten beteiligen sich nach Angaben der beteiligten Stellen etwa 60 verschiedene Organisationen, darunter Berufsfeuerwehr, Werksfeuerwehr, das Technische Hilfswerk, die Bundespolizei sowie private Betriebe wie Hamburg Airport und die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA).
Das Krisenszenario und die Rolle des Operationsplans
Grundlage der Übung ist der Operationsplan Deutschland, der die Koordination militärischer Maßnahmen der Landes- und Bündnisverteidigung mit zivilen Unterstützungsleistungen regelt.
Diese Übung basiert auf einem Szenario, in dem Entwicklungen im östlichen Nato-Bündnisgebiet eine vorsorgliche Verlegung militärischer Kräfte erforderlich machen, um eben zur Abschreckung beizutragen.
Kapitän zur See Kurt Leonards, Kommandeur des Landeskommandos Hamburg, via Zeit
Angesichts des anhaltenden Krieges gegen die Ukraine verwies Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) auf eine gestiegene Bedrohungslage. Grote nannte dabei auch den gescheiterten Drohnen-Sprengstoffanschlag am Leipziger Flughafen als ein Beispiel dafür, dass Angriffe auf das eigene Territorium durch fremde Staaten in die Überlegungen einbezogen werden müssen. Für die Hansestadt ergibt sich aus ihrer geografischen Lage eine zentrale Funktion innerhalb der sogenannten Drehscheibe Deutschland, über die im Bedarfsfall Material und Personal in Richtung Osten transportiert werden.
Tagesablauf der Übung und Einsatz im Hamburger Hafen
Das dreitägige Programm konfrontiert die Einsatzkräfte mit diversen Gefahrenlagen im urbanen Raum. Am Auftakt, dem 24. September 2026, standen ein simulierter Drohnenangriff auf einen Konvoi sowie der Umgang mit einer Gruppe Demonstranten im Mittelpunkt. Das Operative Führungskommando der Bundeswehr betonte, dass die Übung neben dem Hafen auch Anlagen von Airbus und den Flughafen einbezieht.

Wir müssen jetzt gemeinsam zur glaubwürdigen Abschreckung Truppe der NATO an die Ostflanke bringen können. Wir sind dieses Jahr mit 60 Institutionen, Behörden, aber auch zivilen Unternehmen in dieser Übung. Und wir werden ein Szenario beispielsweise haben, wo dann eine Drohne kommt. Wir werden mit Masse im Hafen, aber halt auch bei Airbus und am Flughafen üben. Und wenn dann die Hubschrauber sich von hier nach da, nach dort bewegen, wird also ganz Hamburg das im Zweifel mitkriegen.
Oberstleutnant Jürgen Bredtmann, Bundeswehr Hamburg, via Presseportal
September auf dem Plan. Zum Abschluss am 26. September folgen Rettungs- und Bergungsarbeiten sowie der Verwundetentransport per Hubschrauber. Erstmals aufgebaut wird zudem eine alternative Behandlungseinrichtung in unterirdischen Räumlichkeiten, die vom Bundeswehrkrankenhaus Hamburg beigesteuert wird.
Verkehrsbehinderungen und zivile Vorsorge
Nachtfahrten im Verband unter Polizeibegleitung sowie Hubschrauberflüge führen nach Angaben von Behörden zu temporären Sperrungen und Fluglärm.

Um Bürgerfragen zu beantworten, richteten Jugendoffiziere in der Europapassage am 24. und 25. September einen Informationsstand ein.
Sprecher der Bundeswehr wiesen darauf hin, dass auch die Bevölkerung im Krisenfall durch eigene Vorratshaltung Zeit gewinnen kann. Oberstleutnant Bredtmann riet dazu, Trinkwasser und Lebensmittel für mehrere Tage vorrätig zu halten, um den Behörden die Bewältigung von Notlagen zu erleichtern.
Proteste gegen die Militärübung in der Innenstadt
Die Manöveraktivitäten stoßen im zivilen Raum auf Kritik. Verschiedene Initiativen, Friedensbewegungen und Gewerkschaften werfen den Verantwortlichen eine schleichende Militarisierung vor. Das Bündnis Kein NATO-Hafen
kündigte für den 26. September unter dem Motto Nein zum Kriegsmanöver Red Storm Charlie! Ja zu sozialem Fortschritt!
einen Protestmarsch an, der vom Jungfernstieg zu den Landungsbrücken führen soll. Begleitet wurden die Proteste im Vorfeld von kleineren Aktionen, darunter ein Friedenskonzert sowie Graffiti-Schmierereien an Hausfassaden in der Stadt.