Angesichts einer angespannten Treibstoffversorgung prüft das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung eine vorübergehende Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf Schweizer Autobahnen auf 80 km/h. Der Bund hat bereits Kerosin-Pflichtlager freigegeben und Diesel-Notreserven bewilligt, während über weitere Sparmassnahmen wie Fahrgemeinschaften beraten wird.
Die Energie- und Treibstofflage in der Schweiz steht unter erheblichem Druck. Um im Ernstfall den Mineralölverbrauch zu senken und die nationalen Reserven zu entlasten, hat das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) eine entsprechende Vorlage verwaltungsintern in die Konsultation geschickt. Konkret sieht der Plan vor, die Höchstgeschwindigkeit auf Schweizer Autobahnen zeitweise auf 80 Kilometer pro Stunde zu beschränken, wie Recherchen der Schweiz am Wochenende zeigen.
Vorbereitungen für eine schwere Mangellage in Bern
Noch ist die Massnahme nicht beschlossen. Das BWL bestätigte jedoch, dass die Vorlage im Herbst an andere Verwaltungseinheiten und die Bundeskanzlei zur Stellungnahme weitergereicht wurde. Die Temporeduktion soll im Falle einer schwereren Mangellage als zusätzlicher Spareffekt die bereits laufenden Bezüge aus Pflichtlagern begleiten.

Wie viel Treibstoff durch ein generelles Tempolimit von 80 km/h im Ernstfall konkret eingespart werden könnte, lässt die Behörde derzeit offen. Die Vorbereitungen zeigen jedoch, dass die Bundesbehörden für eine Verschärfung der Lage gerüstet sein wollen.
Freigabe von Diesel-Notreserven und Kerosin
Der administrative Schritt folgt auf konkrete Eingriffe in die nationalen Bestände. Der Bund hatte am Freitag angekündigt, bis zu 45 Millionen Liter Diesel aus den Pflichtlagern freizugeben. Diese Menge entspricht knapp vier Prozent der aktuell vorhandenen Dieselreserven im Land. Rechnerisch deckt dies etwa 900.000 Tankfüllungen für ein typisches Dieselfahrzeug mit einem 50-Liter-Tank ab. Zusätzlich wurden bereits Pflichtlager für Kerosin am Flughafen freigegeben.
Auslöser für die Engpässe sind verkettete Lieferprobleme. Neben verzögerten Pipelinelieferungen infolge starker Regenfälle in Südfrankreich belasten niedrige Wasserstände auf dem Rhein die Schifffahrt. Hinzu kommen Störungen im Bahnverkehr sowie die angespannte geopolitische Lage an der Strasse von Hormus.
Mögliche Sparappelle und Einschränkungen für Autofahrer
Sollte sich die Versorgungslage weiter zuspitzen, dürften vor einer behördlich verordneten Temporeduktion zunächst andere Instrumente greifen. Das Bundesamt plant im Vorfeld gezielte Sparappelle an die Bevölkerung. Dazu gehört der Aufruf zu Fahrgemeinschaften, der Verzicht auf nicht zwingende Freizeitfahrten sowie der Umstieg auf den öffentlichen Verkehr.
Ob und wann das Tempolimit von 80 km/h tatsächlich in Kraft tritt, hängt vom weiteren Verlauf der Versorgungskrise ab. Ein entsprechender Beschluss könnte bei Bedarf vom Bundesrat gefasst werden.
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