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Britische Immobilienkrise: Drei von vier Häusern unverkauft bei Rekord-Hypothekenzinsen

Der britische Wohnimmobilienmarkt steht vor einer historischen Zäsur: Seit Januar hängen drei von vier angebotenen Häusern unverkauft in der Schlinge – und die Lage verschärft sich weiter.

Seit dem Spitzenwert der Hypothekenzinsen im April, ausgelöst durch die globale Finanzverwerfungen nach dem US-israelisch-iranischen Konflikt, sind die monatlichen Belastungen für Erstkäufer im Schnitt um 125 Pfund gestiegen. In London lag der Anstieg sogar bei 232 Pfund. Gleichzeitig ziehen Verkäufer ihre Objekte in Rekordtempo vom Markt zurück – ein Phänomen, das nach Angaben von Realtor.com seit 2022 in keinem Mai so ausgeprägt war wie in diesem Jahr. Die Konsequenz: Ein Markt im Stillstand, in dem sich Käufer und Verkäufer in einer Pattsituation gegenüberstehen.

Warum Verkäufer jetzt zurückhaltend sind – und was das für Käufer bedeutet

Die Ursache für die aktuelle Marktlähmung ist klar: Seit dem Ausbruch des Konflikts zwischen den USA, Israel und Iran im Februar sind die Hypothekenzinsen von 5,99 % auf über 6,6 % geklettert. Jeder Prozentpunkt mehr bedeutet für Käufer zusätzliche Tausende Pfund pro Jahr – ein Betrag, den viele nicht mehr stemmen können oder wollen. „Die Zinsen sind in den letzten Monaten so stark gestiegen, dass Käufer einfach die Hände in den Schoß legen“, erklärt Ken Johnson, Immobilienökonom an der University of Mississippi.

Warum Verkäufer jetzt zurückhaltend sind – und was das für Käufer bedeutet

Diese Entwicklung hat nach Angaben von Zoopla dazu geführt, dass nur noch 7 % weniger Häuser verkauft werden als im Vorjahr – in Wales und den East Midlands sogar 12 bzw. 11 %. Besonders betroffen sind Erstkäufer, die ohnehin mit den höchsten Zinsen rechnen müssen. Gleichzeitig zeigen sich erste Anzeichen einer Trendwende: Seit dem Höhepunkt der Zinswelle im April sind die Konditionen für Kredite wieder leicht gesunken, und die Auswahl an Objekten hat sich im Vergleich zum Vorjahr verbessert. „Für Käufer, die bereit sind, zuzugreifen, sind die Bedingungen jetzt günstiger als vor drei Monaten“, betont Richard Donnell, Executive Director bei Zoopla.

Doch die Lage bleibt angespannt. Laut Susan Wachter, Professorin für Immobilienwirtschaft an der Wharton School der University of Pennsylvania, hat sich der Markt „eingefroren“. „Es ist ein Patt zwischen Käufern und Verkäufern“, so Wachter.

Die „Lock-in“-Falle: Warum viele Verkäufer nicht verkaufen wollen

Ein zentrales Problem ist der sogenannte „Lock-in“-Effekt: Viele Hausbesitzer haben ihre Immobilien zu deutlich niedrigeren Zinsen finanziert als heute auf dem Markt sind. Ein Verkauf würde sie zwingen, ein neues Darlehen zu deutlich schlechteren Konditionen aufzunehmen – ein Risiko, das viele nicht eingehen wollen. „Die Zinsen bleiben hoch, und das hält viele Verkäufer davon ab, ihr Haus überhaupt anzubieten“, sagt Wachter.

Die „Lock-in“-Falle: Warum viele Verkäufer nicht verkaufen wollen

Diese Entwicklung ist nicht nur regional unterschiedlich, sondern auch zeitlich begrenzt. Während in London die zusätzlichen Kosten für Erstkäufer bei 232 Pfund pro Monat liegen, sind sie im Nordosten Englands mit 66 Pfund deutlich geringer. Doch selbst dort zeigt sich: Wer sein Haus zu hoch anpreist, bleibt oft monatelang ohne Angebot. „Korrekt bewertete Objekte gehen weg, überteuerte bleiben hängen“, sagt Donnell von Zoopla.

Was kommt als Nächstes? Drei Szenarien für den britischen Wohnungsmarkt

Die Frage ist, wie lange dieser Stillstand anhält. Analysten wie Wachter gehen davon aus, dass die Marktlähmung mindestens ein weiteres Jahr anhalten könnte – vorausgesetzt, die Zinsen bleiben auf dem aktuellen Niveau. Doch es gibt auch Lichtblicke: Die Federal Reserve signalisiert, die Leitzinsen vorerst nicht weiter zu erhöhen. Falls die Zinsen tatsächlich sinken, könnte das den Markt wieder in Bewegung bringen. „Wenn die Kreditkosten nachgeben, werden mehr Käufer zurückkehren – und Verkäufer, die bisher gewartet haben, könnten ihre Objekte wieder anbieten“, so Donnell.

Was kommt als Nächstes? Drei Szenarien für den britischen Wohnungsmarkt
Photo: abcnews.com

Doch bis dahin bleibt die Lage für viele unberechenbar. Die aktuelle Entwicklung zeigt: Der britische Wohnimmobilienmarkt ist nicht nur von globalen Finanzverwerfungen abhängig, sondern auch von der psychologischen Bereitschaft der Marktteilnehmer, Risiken einzugehen. Wer jetzt kauft oder verkauft, muss mit längeren Verhandlungen und höheren Kosten rechnen – oder auf bessere Zeiten warten.

Die Daten und Analysen basieren auf aktuellen Berichten von BBC und ABC News.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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