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Technik und Wissenschaft

Britische Absolventen nutzen KI wegen extremem Druck bei Bewerbungen

Im Oktober 2026 diskutieren Absolventen und Personalverantwortliche in Großbritannien intensiv über den Einsatz von künstlicher Intelligenz bei Bewerbungen. Während Arbeitssuchende angesichts von bis zu 141 Bewerbungen pro Stelle auf KI setzen, kämpfen Unternehmen mit massiver Flut und steigenden Betrugsversuchen bei Online-Auswahlverfahren.

Warum nutzen Absolventen in Großbritannien massenhaft künstliche Intelligenz bei Bewerbungen?

Der britische Arbeitsmarkt verlangt Absolventen enorm viel ab. Laut Daten des Institute of Student Employers (ISE) kommen auf eine einzige Graduate-Stelle im Durchschnitt 141 Bewerbungen. Angesichts dieses Drucks greifen viele junge Menschen zu technischen Hilfsmitteln. Tom, ein 22-jähriger Geografie-Absolvent aus Maidstone, reichte im vergangenen Jahr über 200 Bewerbungen ein, bevor er schließlich eine Stelle als Restaurantmanager fand. Die Suche beschreibt er als exhausting und demoralising.

Ohne Automatisierung sei der Prozess kaum zu bewältigen. Employers want you to put your absolute best into the application, but if I’m applying for 10 to 20 jobs in a day, the reality is you can’t do that, erklärte Tom gegenüber Medien.

„Ich kenne Leute, die sich auf 100 Stellen beworben haben und nach einer Weile verzweifelt sind. Wenn sie sehen, dass alle anderen KI nutzen, fragen sie sich, wie sie da noch mithalten können.“

Anonymer Trainee-Buchhalter, Berichterstattung im Oktober 2026

Viele Arbeitssuchende nutzen KI gezielt für Anschreiben, Lebensläufe oder um geeignete Schlüsselwörter für automatisierte HR-Filter zu finden. In der Branche hat sich dafür der Begriff spray and pray etabliert, wenn Bewerber gleichzeitig Dutzende identische Dokumente verschicken.

Wie stehen britische Arbeitgeber zu dem Trend und wo ziehen sie die Grenze?

Eine im Sommer durchgeführte ISE-Umfrage unter 155 großen britischen Arbeitgebern zeigt, dass Unternehmen zunehmend offener gegenüber Technologie im Bewerbungsprozess werden. Laut dem Verband akzeptieren viele Firmen den Einsatz von KI bei der Erstellung von Anschreiben, Lebensläufen oder bei Online-Fragen.

Gleichzeitig steigt jedoch das Risiko von Fehlverhalten. Die ISE-Erhebung zeigt, dass 92 Prozent der befragten Arbeitgeber im Auswahlprozess bereits auf Verdachtsfälle von KI-Meldungen gestoßen sind – im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 85 Prozent. Dabei geht es meist um Echtzeit-Assistenz bei Videointerviews oder das automatisierte Ausfüllen von Online-Tests.

Welche moralischen Dilemmata schildert das Energieunternehmen EDF?

Beim Energiekonzern EDF zeigt sich die Zerrissenheit der Personalverantwortlichen deutlich. Hollie Moody, Leiterin der Nachwuchsrekrutierung bei EDF, verurteilt die Absolventen nicht für den Griff zur Technologie angesichts des harten Marktes. Dennoch sorgt die Entwicklung für spürbare Probleme.

Moody führt dies direkt auf den breiteren Einsatz von Software zurück. What we don’t have is a level playing field, because what you’ll find is that some candidates will absolutely use AI throughout the whole process, and other candidates won’t, sagte Moody gegenüber der BBC.

Um dem entgegenzuwirken, versucht EDF den Prozess so immun wie möglich gegen unzulässige Hilfen zu machen. Lebensläufe werden erst in späteren Phasen geprüft, stattdessen setzt das Unternehmen auf verhaltensbasierte Online-Tests und Videointerviews. Dennoch fallen im Gespräch Automatisierungen auf, wenn Bewerber während der Beantwortung erkennbar auf Antworten von Software warten.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.