Zum Inhalt springen
Technik und Wissenschaft

Bayern plant mehr Unterrichtszeit an Grundschulen nach PISA-Ergebnissen

Nach den schwachen Ergebnissen der PISA-Studie plant die bayerische Staatsregierung eine deutliche Ausweitung der Unterrichtszeit an Grundschulen. Insgesamt sechs zusätzliche Wochenstunden sollen in den kommenden Jahren schrittweise eingeführt werden, um die Kernfächer und musisch-sportlichen Angebote zu stärken und auf den Lehrkräftemangel zu reagieren.

Sechs zusätzliche Wochenstunden für Grundschüler in Bayern

Die bayerische Bildungspolitik zieht spürbare Konsequenzen aus dem jüngsten PISA-Bildungsmonitoring. Wie das Kultusministerium auf Anfrage mitteilte, ist an den Grundschulen des Freistaats eine Aufstockung der Stundentafel um insgesamt sechs Stunden in den kommenden Jahren vorgesehen (die Ausweitung des Unterrichts an Bayerns Grundschulen). Der genaue Zeitplan und die konkrete Ausgestaltung werden derzeit gemeinsam mit der Schulfamilie erarbeitet. Ein Sprecher ließ zunächst auch offen, ab wann die Ausweitung der Stundentafel greifen werde.

Einzelheiten zur exakten Verteilung dieser Extra-Stunden – konkret eine Stunde mehr pro Woche für die ersten beiden Klassen und jeweils zwei Stunden zusätzlich wöchentlich in den Klassen drei und vier – hatte zuvor die Augsburger Allgemeine unter Berufung auf Peter Tomaschko (CSU), den Leiter des Landtags-Bildungsausschusses, öffentlich gemacht. Das Ministerium ließ diese konkrete Aufteilung zunächst offen, bestätigte jedoch den Gesamtrahmen der Reform. Das betroffene PISA-Bildungsmonitoring hatte erhebliche Defizite von Schülerinnen und Schülern in Deutschland in zentralen Fächern wie Mathematik und Deutsch offengelegt (das jüngste Pisa-Bildungsmonitoring hatte erhebliche Defizite zutage gefördert). So erfüllten große Teile der 15-Jährigen nicht die Mindeststandards in Fächern wie Mathematik, Deutsch und Naturwissenschaften. Um auf vorangegangene unzureichende Resultate bei Leistungstests zu reagieren, hatte der Freistaat in Grundschulen bereits das Stundenkontingent für Mathematik und Deutsch erhöht – allerdings zu Lasten von Fächern wie Kunst, Musik oder Englisch.

Bayern plant mehr Unterrichtszeit an Grundschulen nach PISA-Ergebnissen
Foto: sueddeutsche.de

Welche Fächer gestärkt werden und wie Sport und Musik einfließen

Die zusätzlichen Stunden sollen gezielt in mehreren Bereichen Abhilfe schaffen. Gestärkt werden nach Angaben des Kultusministeriums die Fächer Mathematik, Deutsch, Sport und Musik (Gestärkt werden sollen die Fächer Mathematik, Deutsch, Sport und Musik). Zahlreiche Grundschulen in Bayern bieten inzwischen im Ganztag Unterricht bis 16 Uhr an, und das häufig aus Überzeugung, da die Schüler davon profitierten und mehr Zeit zum Lernen haben sowie Sozialkompetenzen entwickeln. Dabei greift die Reform auch bereits länger angestrebte Neuerungen auf: Die zum kommenden Schuljahr 2027/28 angekündigte zusätzliche Sportstunde für die ersten Klassen zählt fest zu den insgesamt sechs neuen Stunden hinzu (die bereits seit längerem zum kommenden Schuljahr 2027/28 angekündigte Zusatzstunde in Sport).

Vor zwei Jahren war der Musikunterricht an den Grundschulen im Freistaat gekürzt worden (vor zwei Jahren wurde der Musikunterricht an Bayerns Grundschulen gekürzt). Nun sorgt die angekündigte Rolle rückwärts für positive Reaktionen bei Interessenverbänden. Der Bayerische Musikrat äußerte sich erfreut über die Aussicht auf mehr Musikstunden und dankte Ministerpräsident Markus Söder ausdrücklich für diesen Schritt (Herzlichen Dank an Ministerpräsident Markus Söder). Man mache gerne mehr Unterricht, hört man auch von Grundschulrektoren.

Bayern plant mehr Unterrichtszeit an Grundschulen nach PISA-Ergebnissen
Foto: news4teachers.de

Personalbedarf, offene Fragen und die Reaktionen von Lehrerverbänden

Ein derart massiver Ausbau des Unterrichts wirft unweigerlich Personal- und Finanzierungsfragen auf. Nach einer ersten groben Schätzung des Ausschussvorsitzenden Tomaschko erfordert die Reform rund 1.300 zusätzliche Lehrkräfte, deren Planstellen innerhalb von zwei Jahren geschaffen werden müssen (erfordert laut Tomaschko nach einer ersten groben Schätzung 1300 zusätzliche Lehrkräfte). Das Kultusministerium bestätigte, dass für die erforderlichen neuen Stellen im kommenden Doppelhaushalt auf jeden Fall weitere Planstellen benötigt werden, ließ die genaue Zahl vorerst jedoch offen (für die dann nötigen neuen Stellen für Lehrkräfte würden auf jeden Fall weitere Planstellen benötigt). Wie viele Stellen letztlich geschaffen werden, ließ der Sprecher jedoch offen.

Auch Lehrer- und Pädagogenverbände blicken kritisch auf die praktische Umsetzung, insbesondere im Hinblick auf die Fachqualifikation. Die BLLV-Präsidentin stellte im Interview auf BR Klassik in Sendung "Allegro" am 1. Oktober 2026 ab 6:05 Uhr grundlegende Fragen zur tatsächlichen Bildungszeit und zur erneuten Bestätigung sozialer Ungleichheit nach der PISA-Studie.

Wenn wir aber keine Profis haben, gibt es nur zwei Alternativen: kein Musikunterricht oder Musikunterricht durch eine Kollegin, die es zwar gerne macht, aber vielleicht nicht so qualifiziert ist.

Simone Fleischmann, BLLV-Präsidentin

Ob und ab wann die einzelnen Schritte der Stundentafelreform greifen werden, soll in den kommenden Wochen im Austausch mit den Beteiligten vor Ort geklärt werden (die genaue Ausgestaltung werde derzeit gemeinsam mit der Schulfamilie besprochen und erarbeitet).

Der Aufschrei nach der jüngsten PISA-Studie war im Freistaat abermals groß gewesen, woraufhin die Politik unmittelbar mit den angekündigten Zusatzstunden reagierte.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.