Zum Inhalt springen
Nachrichten

Bayer-Aktie: Geschworenengericht weist drei Roundup-Klagen ab

Ein einstimmiges Geschworenengericht in Missouri hat am Donnerstag drei Schadenersatzklagen gegen die Bayer-Tochter Monsanto abgewiesen und damit den ersten Roundup-Prozess nach dem wegweisenden Supreme-Court-Urteil im Juni 2026 für den Konzern entschieden. Die Bayer-Aktie reagierte mit deutlichen Kursgewinnen von zeitweise über fünf Prozent.

Einstimmiges Urteil in St. Louis stärkt Monsanto im US-Rechtsstreit

Im US-Bundesstaat Missouri hat eine Jury am Donnerstag sämtliche Ansprüche von drei Klägerinnen einstimmig zurückgewiesen. Theresa Aretino, Cynthia Fernandez und Betty Larkin hatten Monsanto im Jahr 2020 in St. Louis verklagt und geltend gemacht, dass das glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel Roundup ihre Krebserkrankungen verursacht habe. Die Klägerinnen warfen dem Konzern vor, das Herbizid fehlerhaft konstruiert, unzureichend getestet und die Risiken vorsätzlich verschleiert zu haben. Die Geschworenen folgten diesen Vorwürfen jedoch nicht.

Das Verfahren in St. Louis galt als wichtiger juristischer Test. Damals stellte der Supreme Court klar, dass Bundesgesetze Herbizidhersteller verpflichten, exakt die von der US-Umweltschutzbehörde EPA genehmigte Kennzeichnung zu verwenden, und blockierte Klagen wegen angeblich fehlender Krebswarnhinweise.

Bayer-Aktie: Geschworenengericht weist drei Roundup-Klagen ab
Foto: XTB.com

Nach Angaben des Konzerns handelte es sich bei dem Ausgang um ein starkes Signal an andere Klägerinnen und Kläger, dass erhebliche Hürden für ihre Argumente bestehen. Die Klägerinnen hatten im Verfahren angegeben, das Produkt sei fehlerhaft, und warfen der Bayer-Tochter vorsätzliche Täuschung und Nachlässigkeit vor. Die Geschworenen sahen dies anders, woraufhin Bayer erklärte, man begrüsse die Entscheidung. Die Verfahren waren gegen den Leverkusener Konzern angestrengt worden, der sich durch den Kauf des US-Unternehmens Monsanto im Jahr 2018 eine enorme Klagewelle in den Vereinigten Staaten eingehandelt hatte.

Das Urteil zeige, wie schwierig es für andere Kläger sein würde, nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs Prozesse zu gewinnen.

Auswirkungen auf den geplanten 7,25-Milliarden-Dollar-Vergleich

Der Prozesserfolg fällt in eine Phase, in der Bayer auf eine umfassende gerichtliche Entscheidung zu seinem Versuch wartet, andere Roundup-Fälle über einen vorgeschlagenen Sammelvergleich beizulegen. Das Vorhaben sieht vor, im Laufe von bis zu 21 Jahren schrittweise sinkende und gedeckelte Jahresausschüttungen in einer Gesamthöhe von maximal 7,25 Milliarden US-Dollar bereitzustellen. Nach einer vorläufigen Genehmigung durch ein Gericht in Missouri steht nun die endgültige richterliche Zustimmung bei einem bevorstehenden Anhörungstermin im Fokus. Im September wurde darüber mündlich verhandelt, während ein Datum für eine endgültige Entscheidung zunächst noch ausblieb. Gleichzeitig läuft in Europa ein anderes Verfahren, bei dem die Aurelia Stiftung die EU-Kommission wegen Untätigkeit in Sachen Glyphosat verklagt hatte und im November 2025 Recht bekam.

Bayer Aktie: 4,2 Prozent Plus nach Urteil in Missouri

Marktbeobachter und Analysten werten das Missouri-Urteil als Entlastung für den Konzern. Da nach der Supreme-Court-Entscheidung die Erfolgsaussichten für Klagen gesunken sind, müssen Kläger und ihre Anwälte ihre Strategie anpassen. Zur Absicherung bildete das Management für künftige Rechtsrisiken über einen Zeithorisornt von 15 Jahren Rückstellungen von 4,5 Milliarden US-Dollar, während im vergangenen Geschäftsjahr infolge der Belastungen ein Konzernverlust von 3,6 Milliarden Euro verbucht wurde.

Kursreaktion der Bayer-Aktie und anstehende Quartalszahlen

An den Kapitalmärkten sorgte der Richterspruch für spürbare Erleichterung. Im Xetra-Handel legte die Bayer-Aktie als Tagesgewinner im Leitindex DAX um 5,07 Prozent zu und kletterte über die Marke von 50 Euro. Bayer schloss den Handelstag am Freitag, den 30.10.2026, mit diesem kräftigen Plus ab und führte die Gewinnerliste im DAX 40 vor Scout24 (+2,98 Prozent) und Hannover Rück (+2,33 Prozent) an. Nach einer zähen Bodenbildung im Bereich der 200-Tage-Linie bei 43,56 Euro brach das Papier dynamisch nach oben aus, überwand gleitende Durchschnitte problemlos und bestätigte mit einem Gap-up das bullische Momentum.

Bayer-Aktie: Geschworenengericht weist drei Roundup-Klagen ab
Foto: aktien.news

Viel Zeit zum Durchatmen bleibt Anlegern jedoch nicht. Bereits am Dienstag, den 3. November, legt Bayer die Zahlen für das abgelaufene dritte Quartal vor. Analystenhäuser wie JPMorgan bestätigten am 30.

Häufig gestellte Fragen zum Glyphosat-Urteil und zur Bayer-Aktie

Warum war das Urteil in Missouri für Bayer von so großer Bedeutung?
Es handelte sich um den ersten Roundup-Prozess, seit der US Supreme Court im Juni 2026 Klagen wegen fehlender Krebswarnhinweise weitgehend untersagt hatte. Da die Klägerinnen in St. Louis stattdessen auf Konstruktionsfehler und angebliche Täuschung auswichen, lieferte das einstimmige Votum der Jury einen Test dafür, ob diese alternativen Klagewege unter dem neuen Recht erfolgreich sein können.

Bayer siegt im Glyphosat-Prozess: Aktie springt an

Wie hoch ist der geplante Sammelvergleich zur Beilegung der Streitigkeiten?
Bayer strebt einen Vergleich im Volumen von bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar an. Dieser sieht vor, über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren gedeckelte, abnehmende jährliche Zahlungen zu leisten, wofür die endgültige richterliche Zustimmung in Missouri noch aussteht.

Welchen Termin müssen Anleger als Nächstes beachten?
Am Dienstag, dem 3. November 2026, veröffentlicht Bayer die Finanzzahlen für das dritte Quartal 2026 und hält ein Investoren- und Medien-Update ab, bei dem die operative Entwicklung im Fokus steht.

Bayer-Aktie: Geschworenengericht weist drei Roundup-Klagen ab
Foto: 4investors.de
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.