Der frühere Chef des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, sitzt in Untersuchungshaft, nachdem er und sein ehemaliger Büroleiter Manfred D. am 6. Oktober 2026 festgenommen worden waren. Die Bundesanwaltschaft wirft dem 80-Jährigen versuchten Landesverrat und geheimdienstliche Agententätigkeit vor, weil er über Jahre hinweg tausende geheime Unterlagen beschafft und wirtschaftlich verwertet haben soll.
Festnahme von August Hanning und Manfred D. im Oktober 2026
Am frühen Morgen des 6. Oktober 2026 schlugen Ermittler in einem spektakulären Fall von mutmaßlichem Geheimnisverrat zu. Neben dem ehemaligen BND-Präsidenten August Hanning nahmen die Behörden auch seinen langjährigen Mitarbeiter Manfred D. fest. Ein Bundesrichter schickte den 80-jährigen Hanning tags darauf in Untersuchungshaft.
Der Generalbundesanwalt verdächtigt die beiden Männer, zwischen 2010 und Juni 2022 eng zusammengearbeitet zu haben. In diesem Zeitraum soll Manfred D., der bis März 2026 auch für spätere BND-Präsidenten als Büroleiter tätig war, rund 2000 geheim eingestufte Dokumente an seinen ehemaligen Vorgesetzten übergeben haben. Die Unterlagen waren ausschließlich für den internen Dienstgebrauch bestimmt und dienten unter anderem als Grundlage für die wöchentliche Berichterstattung an die Bundesregierung.
Nach Berichten öffentlich-rechtlicher Sender und weiterer Medien betrafen die abgeflossenen Papiere höchst sensible Themen wie das iranische Atomprogramm oder die russische Armee. Entdeckt wurden die Dokumente bei einer Durchsuchung im September 2025, die eigentlich im Zuge eines prominenten Entführungsfalls stattgefunden hatte.

Das geschäftliche Netzwerk und Spuren in die Schweiz
Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundesnachrichtendienst im Jahr 2005 und einer anschließenden Tätigkeit als Staatssekretär im Bundesinnenministerium bis 2009 baute Hanning ein weitreichendes Beraternetzwerk auf, das ihn mehrfach ins Ausland und insbesondere in die Schweiz führte. Laut Handelsregistereinträgen und Recherchen von Medien wie NZZ und Blick übernahm er Verwaltungsratsmandate bei Firmen wie der Pluteos AG und der System 360 AG in Luzern. In dieser Schweizer Firmenstruktur war zeitweise auch Hans Wegmüller, der ehemalige Direktor des Strategischen Nachrichtendienstes der Schweiz, im Verwaltungsrat vertreten.
Die Schweizer Sicherheitsfirma System 360 AG, eine Tochtergesellschaft von Pluteos, erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 einen Gewinn von gut 2,1 Millionen Euro und schüttete Dividenden in gleicher Höhe aus. Wer von diesen Zahlungen profitierte, ist unklar, da in der Schweiz keine Pflicht zur Offenlegung von Aktionären besteht. Bereits am 16. September 2025 hatten Kantonspolizisten im Auftrag deutscher Ermittler die Büros von Pluteos und System 360 in Luzern durchsucht.
Zudem gerieten Hannings geschäftliche Verflechtungen in Lettland und Russland in den Blickpunkt. Zwischen 2015 und 2019 unternahm er mindestens sieben Reisen nach Moskau.
Reaktionen aus dem Parlamentarischen Kontrollgremium
Die Enthüllungen haben in der Berliner Politik eine intensive Debatte über die Sicherheitsstandards und Kontrollmechanismen für ehemalige Spitzenbeamte ausgelöst. Vertreter des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) forderten umgehende und lückenlose Konsequenzen. Das Parlamentarische Kontrollgremium hatte bereits im Jahr 2023 die wesentliche Forderung erhoben, dass sich Spitzenbeamte aus dem nachrichtendienstlichen Umfeld Tätigkeiten in der Beratung genehmigen lassen müssen, was damals jedoch ohne entsprechende Reaktion blieb.
Jetzt holt uns das mit voller Wucht ein.
Marc Henrichmann, Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums, via n-tv
Der CDU-Politiker Henrichmann sprach im Interview mit ntv von schweren Versäumnissen in den vergangenen Jahrzehnten. Auch der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter kritisierte, dass ehemalige Spitzenbeamte aus dem Sicherheitsbereich allzu oft ihre früheren Kontakte und Telefonbücher kommerziell verwerten.

Herausforderungen für BND-Präsident Martin Jäger
Für den amtierenden BND-Präsidenten Martin Jäger bedeutet die Affäre eine schwere Belastungsprobe. Neben externen Bedrohungen wie hybriden Angriffen Russlands und Cyberattacken aus China muss der Behördenchef nun intern das durch den Fall zerstörte Vertrauen wiederherstellen. Das Bundesinnenministerium prüft derweil mögliche Verstöße gegen Geheimhaltungsvorschriften während Hannings früherer Amtszeit als Staatssekretär.
Beobachter betonen, dass der Auslandsgeheimdienst stark auf die Kooperation mit internationalen Partnerdiensten angewiesen ist. Für August Hanning gilt die Unschuldsvermutung.
Zusätzlich befassen sich die Ermittler mit weiteren Spuren, die neben China und Russland auch in Richtung Aserbaidschan führen, während das autokratisch regierte Land am Kaukasus mediale Berichte über eine Verknüpfung mit dem Fall zurückgewiesen und diplomatischen Protest übermittelt hat.
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