Die für August 2027 geplante Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf gefährdet rund 190 Arbeitsplätze und stellt die regionale Landwirtschaft im Marchfeld vor existenzielle Herausforderungen. Während die Produktion Ende Dezember 2026 auslaufen soll, laufen derzeit intensive Verhandlungen zwischen dem Unternehmen, dem Betriebsrat und politischen Vertretern über die Zukunft des Standorts.
Verhandlungen über Sozialplan und Arbeitsstiftung
Ein Sprecher von Ardo Austria Frost teilte mit, dass das Unternehmen den konstruktiven Dialog mit den Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften begrüße. Die nächste Verhandlungsrunde zwischen der Unternehmensführung und dem Betriebsrat war für den 30. Oktober angesetzt. Neben den 190 festen Mitarbeitern sind auch 50 Leiharbeitskräfte von den Schließungsplänen betroffen.
Die Vorsitzenden Reinhold Binder und Barbara Teiber kritisieren das Vorgehen des Konzerns bei der angekündigten Werksschließung. Sie fordern das Unternehmen dazu auf, Gespräche über Alternativen zur Schließung des Standorts zu führen. Auch der NÖAAB hat sich für eine gesicherte Finanzierung eines solchen Modells ausgesprochen.
Auswirkungen auf die Marchfelder Landwirtschaft
Die Schließungspläne treffen rund 500 bäuerliche Familienbetriebe, die bisher als Zulieferer für Ardo fungierten. Laut Angaben der FPÖ wurden im Vorjahr rund 40.000 Tonnen Gemüse an das Werk geliefert, während der VPNÖ-Landtagsabgeordnete René Lobner von jährlich rund 50.000 Tonnen spricht. Da das Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf die einzige Anlage für Blattgemüse in Österreich betreibt, fürchten Landwirte und Politiker den Verlust einer wichtigen regionalen Verarbeitungsinfrastruktur.

Politische Lösungsansätze und Standortdebatte
Im Niederösterreichischen Landtag herrscht parteiübergreifend Einigkeit über die Bedeutung des Standorts, auch wenn die Einschätzungen zur Rettungsperspektive divergieren. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) äußerte sich skeptisch über einen Erhalt des Werks und bezeichnete die Lage als „aussichtslos. Dennoch setzen sich ÖVP, SPÖ, FPÖ und Grüne für eine Lösung ein, um Arbeitsplätze und die heimische Lebensmittelversorgung zu sichern.
Landessprecherin Helga Krismer kritisiert dabei das Krisenmanagement der Landesregierung. Sie fordert eine zentrale Koordination zwischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf. Als Koordinator schlägt sie ecoplus-Geschäftsführer Helmut Miernicki vor. Für einen möglichen Neubau einer Verarbeitungsanlage bringt Krismer Flächen im Wirtschaftspark Marchegg sowie in Leopoldsdorf ins Spiel, wo sich ein früherer Agrana-Standort befindet. Zudem wurden in der politischen Debatte Partnerschaften mit Unternehmen wie efko oder Schneider’s Gemüseland genannt, wobei für letzteres Interesse seitens SPAR bestehen soll.
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