Am Montag beginnt in Antalya die 31. Weltklimakonferenz. Während sich das Land dort mit einer Kampagne zum Ausbau erneuerbarer Energien präsentieren möchte, regt sich im Westen der Türkei heftiger Widerstand gegen einen Braunkohletagebau, der ganze Dörfer zu verschlingen droht. Kohle macht in dem Staat weiterhin den größten Anteil an der Stromerzeugung aus.
Der Streit um die Grube in der Provinz Mugla
Im Zentrum der Proteste steht die Region um das Dorf Ikizköy in der Provinz Mugla. Dort treibt der Energiekonzern YK Enerji den Braunkohleabbau voran, um zwei Kraftwerke mit Brennstoff zu versorgen. Bürgermeisterin Nejla Isik beschreibt die Auskohlung drastisch als Grube der Hölle
, wie n-tv.de berichtet. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte im Januar die Enteignung von 679 Grundstücken angeordnet, um den Weg für den Bergbau freizumachen. Dagegen haben Anwohner juristische Schritte eingeleitet und Klagen eingereicht.
Der Widerstand hat für die Beteiligten spürbare Konsequenzen. Ende März nahmen Behörden Esra Isik fest, die Tochter der Bürgermeisterin, während einer Protestaktion gegen die Enteignungen. Die Vorwürfe lauteten, sie habe Beamte an der Ausübung ihrer Pflichten
gehindert, so meldet es Lomazoma. Die 56-jährige Aytac Yakar, die bereits einmal umgesiedelt wurde und nun erneut ihr Zuhause räumen soll, kündigte an, ihr Haus nicht freiwillig zu verlassen.
Wenn es sein muss, übergieße ich mich in meinem eigenen Haus mit Benzin und zünde mich an. Aber ich werde es nicht verlassen!
Aytac Yakar, Anwohnerin
Energiepläne ohne festen Kohleausstieg
Auf internationaler Bühne präsentiert sich die Türkei derweil mit anderen Schwerpunkten. Kurz vor Beginn der COP31 stellte Energieminister Alparslan Bayraktar den Nationalen Energieplan vor. Dieser sieht bis 2040 eine Elektrifizierungsrate von 36 Prozent vor und setzt neben dem Ausbau erneuerbarer Energien auch auf neue Investitionen in Öl und Gas. Einen konkreten Zeitplan für den Kohleausstieg enthält das Konzept nicht. Nach Angaben der Denkfabrik Ember stammt ein Drittel des türkischen Stroms aus Kohle, womit das Land im europäischen Vergleich an der Spitze dieser fossilen Stromerzeugung liegt.
Die Regierung verteidigt das Vorgehen. Energieminister Bayraktar erklärte im Zusammenhang mit den Enteignungen, der Staat müsse die Investitionen der Energiekonzerne schützen, da diese über eine 49-jährige Lizenz verfügen. Bei einem Bruch drohten Schadensersatzforderungen der Unternehmen. YK-Enerji-Geschäftsführer Ahmet Eyidogan betonte, das Unternehmen müsse den Zugang zu neuen Vorkommen sichern, um die Produktion aufrechtzuerhalten. Bei den Erweiterungen würden Moscheen, Schulen und Friedhöfe verschont, während Privatpersonen Ausweichflächen erhielten. Beide Holding-Gesellschaften hinter dem Betreiberkonzern treten zudem als offizielle Klimapartner der COP31 auf.
Europäische Positionen zur Elektrifizierung
Die Europäische Union unterstützt unterdessen die Initiative des türkischen COP-Vorsitzes zur weltweiten Elektrifizierung. Demnach soll der Stromanteil am Endenergieverbrauch global bis 2035 auf 35 Prozent steigen, verglichen mit rund 20 Prozent derzeit. Brüssel plädiert in diesem Rahmen für eine direkte Verknüpfung von Elektrifizierung und sauberem Strom aus erneuerbaren Quellen oder der Kernkraft. Gleichzeitig räumen europäische Stellen ein, dass der Widerstand von Produzenten fossiler Brennstoffe die Verankerung des Begriffs in der finalen Erklärung der Klimakonferenz erschweren wird.