Ein Täter hat auf dem Hauptmarktplatz im südpolnischen Krakau das Feuer eröffnet und sechs Menschen getötet, bevor ihn Polizisten stoppten.
Bluttat im Stadtzentrum
Der mutmaßliche Täter, identifiziert als der 24-jährige Michał O. aus Ostrowiec Świętokrzyski, fuhr am Samstag gegen 15:00 Uhr mit einem Auto auf den historischen Marktplatz der Unesco-Welterbestadt mit ihren mehr als 800.000 Einwohnern und begann wahllos auf Passanten und zufällige Personen zu schießen.
In Krakau hat ein Mann sechs Menschen getötet und Dutzende (darunter einen österreichischen Staatsbürger) zum Teil schwer verletzt. Der Mann war ein Rechtsextremer. Rechtsextremismus entsteht nicht über Nacht. Extremismus wächst überall dort, wo menschenfeindliche Rhetorik…
Zeugen berichteten von umgestürzten Tischen und hektisch flüchtenden Menschen. Die Polizei identifizierte den Angreifer als polnischen Staatsbürger, der militärähnliche Tarnkleidung trug. Unter den sechs Todesopfern befinden sich vier Frauen und zwei Männer im Alter zwischen 32 und 61 Jahren, darunter ein britischer Staatsbürger sowie eine 51-jährige österreichische Staatsangehörige.
Mindestens 16 weitere Menschen erlitten bei dem Angriff Verletzungen, von denen sich zwölf nach Angaben von Krzysztof Jan Klęczar, dem obersten Verwaltungsbeamten der Woiwodschaft Kleinpolen, in einem kritischen oder lebensgefährlichen Zustand befanden. Mehrere Droschkenkutscher, die mit ihren Pferden auf Fahrgäste warteten, wurden ebenfalls schwer verletzt.
Die Ereignisse in Krakau machen mich tief betroffen. Meine Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien. Deutschland steht als Freund und Partner in diesen schweren Zeiten an der Seite Polens. Allen Verletzten wünsche ich eine rasche Genesung.
Dorota Litwicka, die Vorsitzende des Vereins Krakauer Kutscher, teilte mit, dass viele Kolleginnen und Kollegen zu Schaden kamen und zwei um ihr Leben kämpfen. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, dass eine Person mit deutscher Staatsangehörigkeit verletzt wurde. Der Gouverneur von Małopolska bestätigte zudem, dass der Ehemann der getöteten Österreicherin ebenfalls verletzt wurde.
Terrorermittlungen und Festnahme
Die polnische Staatsanwaltschaft stufte die Bluttat als terroristische Straftat ein. Es werde wegen der Tötung von sechs Personen sowie des versuchten Mordes an zahlreichen weiteren Personen ermittelt, wobei diese Tat einen terroristischen Charakter aufwies
, teilte die Behörde über die Plattform X mit.
Medienberichten zufolge stieß der Wagen des Verdächtigen auf seiner Flucht an einer Kreuzung mit einem anderen Auto zusammen, wodurch seine Fahrt gestoppt wurde. Polizisten erwiderten das Feuer und überwältigten den Angreifer, der angeschossen und in ein Krakauer Krankenhaus gebracht wurde, wo er mehrfach operiert werden musste. Der Angreifer verwendete eine halbautomatische Langwaffe, die nach Berichten der Nachrichtenagentur PAP mit einer Vorrichtung zur präziseren Schussabgabe ausgestattet und ähnlich einem Sturmgewehr vom amerikanischen Typ AR-15 war; zudem führte er eine Pistole bei sich.
Innenminister Marcin Kierwiński lobte die blitzschnelle Reaktion
der Beamten, die innerhalb von drei Minuten nach der ersten Alarmierung Schüsse auf den Angreifer abgaben und so ein noch größeres Massaker verhinderten. Unter den Verletzten sind auch zwei Polizisten, Jakub Kulik und Artur Morański.
Zwei Ärzte der Uniklinik Krakau, Professor Michał Pędziwiatr und Dr. Mateusz Wierdak, die sich in einem nahegelegenen Restaurant befanden, leisteten dem schwerverletzten Polizisten Kulik, der drei Treffer unter anderem in der Lunge erlitten hatte, lebensrettende Erste Hilfe. Die beiden verletzten Polizisten sind mittlerweile aus dem Koma erwacht.
Weitere Tote in Heimatort
Im Zuge der Ermittlungen durchsuchte die Polizei das Wohnhaus des Verdächtigen in der etwa 200 Kilometer entfernten Stadt Ostrowiec Świętokrzyski. Wegen des Verdachts auf Sprengsätze wurden mit Hilfe einer Drohne Aufnahmen gemacht, auf denen die drei Toten zu sehen waren.
Innenminister Kierwiński erklärte am Samstagabend, der 24-jährige Handwerker habe sehr radikale Ansichten
vertreten und sei von rechtsextremen Ideologien fasziniert
gewesen.
Staatstrauer in Polen
Premierminister Donald Tusk und Innenminister Marcin Kierwiński machten sich noch am Samstag auf den Weg nach Krakau und betonten, dass Polen einen so drastischen Fall von Terrorismus noch nie erlebt habe. Eine Sprecherin der Polizei in der Woiwodschaft Kleinpolen, Katarzyna Cislo, teilte mit, dass Polizeibeamte an allen Zugängen des Marktplatzes postiert wurden, um bei Tageslicht sämtliche Spuren zu sichern.
Als Zeichen der Trauer verstummte in Krakau zudem das traditionelle Trompetensignal Hejnal
vom Turm der Marienkirche, was Medienberichten zufolge die erste Unterbrechung seit 1939 darstellte. In anderen Städten wie Breslau wurden Zufahrtskontrollen zum Marktplatz angekündigt und in Warschau Betonsperren aufgestellt.
Unser früherer Bericht: Amoklauf in Krakau: Schütze tötet sechs Menschen auf dem Hauptmarkt
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