Eine Expedition zum abgelegenen Nikumaroro-Atoll im Pazifik hat keinen Beleg für das verschollene Flugzeug von Amelia Earhart erbracht. Forscher fanden anstelle des vermuteten Wracks nur angespülte Baumstämme und Korallensand. Die Pilotin war am 2. Juli 1937 bei ihrem Weltumflugungsversuch spurlos verschwunden.
Das Taraia-Objekt auf Nikumaroro entpuppt sich als Baumstamm
Das Rätsel um das Verschwinden der Flugpionierin bleibt vorerst ungelöst. Eine Expedition zum winzigen Nikumaroro-Atoll im Inselstaat Kiribati hat am Montag, den 19. Oktober 2026, bekannt gegeben, dass keine Beweise für das Lockheed Electra 10-E Flugzeug in der Lagune gefunden wurden.
Im Jahr 2020 hatten Satellitenbilder eine auffällige Struktur in der Lagune gezeigt, die als Taraia-Objekt bekannt wurde. Maße und Form hatten Spekulationen genährt, es könne sich um das Wrack handeln. Vor Ort stellte das Team fest, dass ein Großteil des Materials bereits verwittert und weggespült war. Übrig blieb ein einzelner Y-förmiger Segmentrest. Die vermeintlich metallische Oberfläche beruhte auf einer Schicht aus verfestigtem Korallensand, während die visuelle Anomalie selbst wahrscheinlich eine Ansammlung großer Bäume war, die sich an der Sandbank abgelagert hatten.
Die Suche von Purdue University und Archaeological Legacy Institute
Die Mission wurde von der Purdue University und dem Archaeological Legacy Institute (ALI) getragen. Ein 17-köpfiges Team aus Meeresarchäologen und Technikspezialisten war Anfang Oktober von der Hauptstadt Tarawa aus gestartet. Nach einer fünftägigen Bootsfahrt verbrachte die Gruppe sieben Tage in der Nähe des Atolls, davon vier Tage mit Untersuchungen an Land und im Wasser.

Zwar entdeckte das Team verschiedene Artefakte, doch ein direkter Nachweis für Earharts Flugzeug blieb aus. Dennoch bewerteten die Forscher die Reise als Erfolg für das Verständnis der Inselgeografie. Die Funde sollen weiter analysiert werden.
Wir wollten eine Hypothese überprüfen und kein bestimmtes Ergebnis garantieren, und wir sind den Beweisen bis zum Ende nachgegangen. Auch wenn sich das Taraia-Objekt nicht als das erwiesen hat, was wir uns erhofft hatten, hat die Reise neue Entdeckungen hervorgebracht, das weltweite Wissen über Nikumaroro erweitert und ein weiteres außergewöhnliches Kapitel in einer Geschichte voller Entdeckungen und Erkundungen geschrieben.
Steve Schultz, Rechtsberater von Purdue und Expeditionsteilnehmer
Stimmen zur Schiffbrüchigen-Hypothese und anhaltende Skepsis
Die Expedition stärkte nach Ansicht der Initiatoren die sogenannte Schiffbrüchigen-Hypothese. Diese Theorie, die seit den 1980er-Jahren insbesondere von The International Group for Historic Aircraft Recovery (TIGHAR) vertreten wird, besagt, dass Earhart und ihr Navigator Fred Noonan nicht direkt ins Meer stürzten, sondern auf dem Riff des Atolls landeten und dort als Schiffbrüchige überlebten.
Für dieses Szenario werden historische Funksprüche, alte Fotos wie das Bevington-Objekt sowie auf der Insel gefundene Gegenstände aus den 1930er-Jahren angeführt – darunter ein Damenschuh, ein Etui, ein Gefäß für Sommersprossencreme und eine Arzneiflasche. Auch menschliche Knochen, die im Jahr 1940 auf der Insel entdeckt und in einer Analyse von 2018 als möglicherweise von einer Frau von Earharts Statur stammend eingeordnet wurden, dienen als Verweis.
Gegenstimmen bewerten solche Expeditionen hingegen kritisch. Mary Lovell bezeichnete die Unternehmungen als jährliche Phänomene, während TIGHAR-Mitgründer Ric Gillespie bereits im Vorfeld erklärte, dass das Objekt auf den Satellitenbildern lediglich ein umgestürzter Pandanus-Baum sei.
Die historische Einordnung des Verschwindens
Amelia Earhart und Fred Noonan starteten am 2. Juli 1937 von Papua-Neuguinea zu einer Etappen-Weltumgebung. Ihr Ziel war das winzige Howland Island, rund 2.500 Meilen östlich. Nach letzten Funksprüchen über sinkende Treibstoffreserven blieb die Maschine verschollen. Die offizielle US-Regierungsposition geht nach wie vor davon aus, dass das Flugzeug in der Nähe von Howland Island in den Ozean stürzte.

Die Purdue University, an der Earhart einst als Beraterin und Dozentin wirkte, will die Untersuchungen trotz des ausbleibenden Fundes weiterführen. Die Expedition schloss damit ab, dass die Spurensuche im Pazifik anhält.
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