Amber Guyger, die ehemalige Polizistin aus Dallas, die ihren Nachbarn Botham Jean 2018 in dessen Wohnung erschoss, wurde am Freitag nach sieben Jahrenhaft aus der Haft entlassen. Das teilte das Justizministerium des Bundesstaates Texas mit, nachdem die Bewährungskommission den Antrag Anfang Oktober genehmigt hatte.
Die Freilassung der heute 38-jährigen Guyger aus der Haftanstalt Christina Melton Crain Unit in Gatesville markiert das Ende einer siebenjährigen Inhaftierung nach ihrer Verurteilung wegen Mordes. Am 1. Oktober 2019 war die Polizistin zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden, nachdem sie am 6. September 2018 den 26-jährigen Buchhalter Botham Jean in seiner eigenen Wohnung getötet hatte.
Die Hintergründe der Tat in den South Side Flats
Der Fall hatte im September 2018 bundesweit für Aufsehen gesorgt und heftige Debatten über Polizeigewalt und rassistische Vorurteile ausgelöst. Drei Tage nach dem tödlichen Schuss wurde Guyger festgenommen und in der Folge vom Dallas Police Department entlassen.
Guyger befand sich nach einer mehr als 13-stündigen Schicht auf dem Heimweg und wohnte im selben Gebäudekomplex, den South Side Flats nahe der Innenstadt von Dallas. Sie lebte im dritten Stock, während Jean direkt darüber im vierten Stock wohnte. Sie sagte in ihrem Prozess aus, dass sie geglaubt habe, ein Eindringling bewege sich auf sie zu, woraufhin sie ihre Dienstwaffe zog und zweimal feuerte. Erste Rettungskräfte brachten den schwer verletzten Jean in ein nahegelegenes Krankenhaus, wo er verstarb.
Entscheidung der Bewährungskommission und Reuebekundungen
Die Bewährungskommission von Texas (ernannt von Gouverneur Greg Abbott) billigte die vorzeitige Entlassung am 1. Oktober, nachdem ein früherer Antrag im September 2024 noch abgelehnt worden war. Damals hatten sich Jean’s Familie, die Staatsanwaltschaft von Dallas County sowie mehr als 6.000 Menschen in einer Online-Petition gegen die Bewährung ausgesprochen. Als Gründe für die spätere Zustimmung nannte die Behörde Guygers tadelloses Verhalten im Gefängnis, das Fehlen einer dokumentierten Gewaltvergangenheit oder von Vorstrafen wegen Körperverletzung sowie den erfolgreichen Abschluss ihres Behandlungsplans im Strafvollzug, der ihre Chancen auf eine dauerhafte Beschäftigung verbessern soll.

Sie zeigt nach wie vor große Reue, aber sie hat diese Zeit genutzt, um an Programmen teilzunehmen, sich zu resozialisieren und sicherzustellen, dass sie … ein produktives Mitglied der Gesellschaft sein kann.
Robert Rodgers, Verteidiger
Nach Angaben ihres Verteidigers Robert Rodgers, der sie während des Prozesses vertrat, hat Guyger für die Zeit nach ihrer Haft eine private Wohnsituation sowie eine Beschäftigung gefunden, die sie aus dem öffentlichen Leben heraushalten soll.
Reaktionen der Familie Jean und Kritik von Bürgerrechtsanwälten
Die Familie von Botham Jean lehnte die Bewährung entschieden ab und hatte gefordert, dass Guyger die vollständige zehnjährige Haftstrafe verbüßt. Lee Merritt, ein Anwalt, der die Familie in früheren Verfahren vertreten hatte, kritisierte die Entscheidung scharf und erklärte, das Strafmaß sei ohnehin ein Bruchteil dessen gewesen, was verloren ging.
Gerechtigkeit darf nicht wählerisch sein, wenn ein Leben grundlos genommen wird. Rechenschaft muss für jeden eine Bedeutung haben. Die heutige Entscheidung signalisiert trauernden Familien, dass sie verkürzt werden kann.
Lee Merritt, Bürgerrechtsanwalt
Das Dallas Police Department erklärte, es habe keinerlei Rolle bei dem Bewährungsantrag oder der Entscheidung der Behörde gespielt. Gleichzeitig betonte das Polizeidepartement, man sei sich bewusst, dass die Entscheidung erneute Aufmerksamkeit und Emotionen rund um den tragischen Tod von Botham Jean hervorrufen könne, und die Gedanken der Dienststelle blieben bei der Familie Jean sowie allen Betroffenen. Auch die Dallas Police Association äußerte sich und erklärte, die Entscheidung ändere nichts an dem tiefen Verlust der Familie.
Strenger Auflagenkatalog bis zum Ablauf der Strafe im Jahr 2029
Die Entlassung bedeutet für Guyger keine bedingungslose Freiheit.

- Regelmäßige Meldepflichten und Kontrolltermine sowie Hausbesuche und Beschäftigungsauflagen bei der Bewährungshilfe
- Wohnsitzauflagen, die ihr das Leben im Dallas County untersagen
- Ausreisebeschränkungen, die das Verlassen des Bundesstaates Texas ohne Genehmigung verbieten
- Kontaktverbote zur Familie Jean sowie zu Angehörigen der Polizei von Dallas
Bei Verstößen gegen diese Auflagen drohen ihr disziplinarische Sanktionen oder die Rückkehr ins Gefängnis.