Nach mehr als zehn Jahren Pause kehrt der bekannte Fernsehjurist Alexander Hold ins deutsche Fernsehen zurück. Sat.1 strahlt ab dem 26. Oktober 2026 neue Folgen seiner pseudo-dokumentarischen Gerichtsshow aus, angeführt von einem spielfilmlangen Primetime-Special. Der 64-Jährige bleibt seinem bewährten Konzept treu und pocht am Set auf richterliche Unabhängigkeit.
Mehr als ein Jahrzehnt nach dem Ende seiner täglichen Gerichtsshow auf Sat.1 schlüpft Alexander Hold wieder in die Rolle des Fernsehrichters. Nach dem Comeback von Barbara Salesch im Jahr 2022 holt der Sender nun auch das Urgestein des Genres zurück auf die Bildschirme. Los geht es mit einem spektakulären Fall in Spielfilmlänge unter dem Titel Richter Alexander Hold – Der Prozess seines Lebens
, der am Montagabend zur besten Sendezeit läuft.
Ein Fitnessstudio-Inhaber muss sich im ersten Serienteil wegen des Verdachts auf Vergewaltigung verantworten, während im zweiten Fall eine junge Frau den Kiosk ihres Stiefvaters überfallen und auf diesen geschossen haben soll. Die Ermittlungen in den neuen Fällen führen oft zurück zu Begebenheiten, die lange ungelöst geblieben sind. Für den Richter beginnt dabei immer wieder ein Wettlauf gegen die Zeit. Dass der Sendeplatz zur besten Sendezeit für die Gerichtssendung keine absolute Premiere ist, zeigen prominente Vorbilder: Zuletzt strahlte auch RTL den Spielfilmbeitrag Barbara Salesch – Freier Fall in den Tod
um 20.15 Uhr aus. Den neuen Salesch-Fall wollten damals 1,37 Millionen Zuschauer sehen, was einem Marktanteil von 6,8 Prozent beim Gesamtpublikum entsprach.

Bevor Hold im Jahr 2001 mit seiner Gerichtsshow bundesweit bekannt wurde, war er als Richter in Kempten im Allgäu tätig. Bis 2013 drehte er mehr als 2.000 Folgen der Sendung, ehe nun 50 weitere Episoden dazukommen. Ab dem 27. Oktober zeigt Sat.1 auf dem gewohnten 18.00-Uhr-Sendeplatz wieder neue Fälle. Parallel sind die Sendungen beim Streamingdienst Joyn abrufbar. Für den Hauptdarsteller bedeutete das Comeback einen arbeitsreichen Sommer. Ich hab jetzt diesen Sommer kaum Urlaub gemacht
, erklärte der 64-Jährige.
Ein dramatischer Mordanschlag und Schatten der Vergangenheit
In dem zum Auftakt gezeigten Film in der Primetime widmet sich Alexander Hold einem Komplex aus zwei verschiedenen Taten, die 16 Jahre auseinanderliegen. Verhandelt wird der Mordanschlag auf einen Geschäftsmann, doch die lang zurückliegende Entführung von dessen Tochter scheint ebenfalls eine Rolle zu spielen. Die Ermittlungen führen den Richter zurück in die Vergangenheit, während sich die Ereignisse zu überschlagen drohen.
Für Hold selbst steht bei der Arbeit am Set neben der Wahrheitsfindung stets der übergeordnete Sinn im Vordergrund. Und hier kommt zur Frage nach der Wahrheit der noch wichtigere Aspekt: die Frage nach der Gerechtigkeit
, betont er. Es geht also nicht nur darum, mitzuraten, sondern auch sein eigenes Wertesystem abzugleichen. Dieses Justieren des Wertesystems ist, glaube ich, ein entscheidender Punkt.
Zwar handele es sich klar um eine Unterhaltungssendung und keineswegs um Bildungsfernsehen, doch biete sie die einmalige Möglichkeit, das schwierige Streben nach Gerechtigkeit und die Abwägungen in der Entscheidungsfindung transparent zu machen.
Zwischen richterlicher Unabhängigkeit und Improvisation
Im echten Leben ist Alexander Hold neben seiner juristischen Laufbahn auch als Politiker aktiv und wollte 2017 Bundespräsident werden. Die Arbeit vor der Fernsehkamera beschreibt er derweil mit eigenen Worten: Ich spiele ja keinen fiktionalen Richter, sondern nur mich selbst. Ich sehe mich eher als Zirkusdirektor
, erklärt er zu seiner Rolle, die ihm viel Freiheit und reichlich Raum für Improvisation lässt. Er greift ein, stellt Zeugen Fragen und hakt nach, wenn Details unklar bleiben.

Am bewährten Ablauf der Sendung hat sich unterdessen nichts Wesentliches geändert. Ein Strafprozess, der bleibt ein Strafprozess, auch wenn ich zehn Jahre älter bin. Ich kann da nicht plötzlich eine Quizshow draus machen
, stellt der Jurist klar. Die größte äußerliche Veränderung sei ohnehin sein Haaransatz: Den Typen, der da vorne die Verhandlung leitet, erkennt man vielleicht nur noch an der Stimme – weil er inzwischen eine Brille trägt und kaum noch Haare hat
, verrät er schmunzelnd. Ansonsten pocht er unerbittlich auf seine Autonomie: Nicht geändert hat sich, dass ich mir weder bei der Sitzungsleitung, der Zeugenbefragung noch bei der rechtlichen Einordnung und bei meinem Urteil dreinreden lasse. Da poche ich auf meine richterliche Unabhängigkeit genauso wie in der Justiz
, bekräftigt er.
Nach der Beweisaufnahme ziehe ich mich auch beim Dreh zurück und nehme mir die Zeit für ein sorgfältiges Urteil samt Begründung – dass bei jeder Produktion Zeit Geld kostet, darf da keine Rolle spielen.

Rückblick auf prominente Anfänge und veränderte Sehgewohnheiten
In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten wirkten neben professionellen Komparsen auch zahlreiche spätere Berühmtheiten in den Sendungen mit, ehe sie große Karrieren im Fernsehen einschlugen. Zu den bekannten Gesichtern, die einst als Zeugen oder Angeklagte vor Alexander Hold Platz nahmen, gehören TV total
-Moderator Sebastian Pufpaff, Realitystar Matthias Mangiapane, Streamer Jens Knossi
Knossalla sowie Sängerin Lena Meyer-Landrut. Die spätere ESC-Siegerin spielte im Jahr 2009 die Rolle der schwangeren Teenagerin Carola Tietke, die mit einem arbeitslosen Freund liiert war. Damals erlebte der Richter sie als sympathisch, aber im Rückblick eher unauffällig. Am Ende ihrer Verhandlung sorgte die Figur damals für Aufsehen, als sie den Gerichtssaal mit den Worten verließ: Entschuldigung, aber das halte ich nicht mehr aus hier, das ist mir zu viel!
Ob der 64-Jährige nach den aktuellen 50 Episoden weitere Folgen produzieren wird, lässt er vorerst offen. Angesichts des strapaziösen Sommers stellt er fest: Ob mir das meine Familie nochmal so durchgehen lässt, müsste ich aber erst mal mit dem Familienrat klären.
Ausgeschlossen sei eine Verlängerung jedoch keineswegs: Es gibt ja noch einige Ferien.
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