Nach der Schließung des traditionsreichen Academy of Natural Sciences Museum in Philadelphia fordert eine Graswurzelbewegung die Loslösung von der Drexel University. Während Demonstrierende auf ein Förderangebot verweisen, plant der Stadtrat strengere Bebauungsvorschriften, um das Gebäude am Benjamin Franklin Parkway vor einer kommerziellen Neuentwicklung zu bewahren.
Das Ende der Ära am Benjamin Franklin Parkway
Nach fast zweihundert Jahren Betrieb schloss das Museum an der Academy of Natural Sciences am Sonntag endgültig seine Pforten für die Öffentlichkeit. Die von der Drexel University und der Akademie im September bekannt gegebene Schließung wurde mit sinkenden Besucherzahlen nach der COVID-19-Pandemie und finanziellen Schwierigkeiten der Universität begründet. Gegründet wurde die Institution im Jahr 1812, während das Museum selbst seit 1828 Gäste empfing und damit als ältestes naturhistorisches Forschungsmuseum der Vereinigten Staaten gilt.
Die Entscheidung traf Studierende, Forschende und die Stadtbevölkerung unvorbereitet. Am letzten Öffnungstag begleiteten emotionale Szenen die Schließung: Besucher waren erstaunt und glücklich, wie Berichte über die Schließung belegen.
Während das Areal und seine Bestände ein bedeutendes Wahrzeichen der Stadt darstellen, verfügte das fast 150 Jahre alte Gebäude über keinen historischen Schutzstatus. Um diesen Mangel zu beheben, wurde ein Antrag eingereicht, um das Gebäude in das historische Verzeichnis von Philadelphia aufzunehmen.
Die Akademie, die als Non-Profit-Organisation mit einem eigenen Vorstand operiert, war im Jahr 2011 nach einer Übernahme durch die Drexel University zu einer Tochtergesellschaft geworden. Dies führte damals unter anderem zur Gründung des Fachbereichs für Biodiversität, Erde sowie Umweltwissenschaften. Dr. Andrew Smith, der Leiter dieses Fachbereichs, betonte gegenüber The Triangle, dass die Akademie als Forschungseinrichtung weiterbestehen werde und lediglich das vom Museum unterstützte Angebot schließe. Wie und in welchem Zeitrahmen diese Bestandteile letztlich fortgeführt werden, blieb zunächst unklar.
Proteste und das strittige Millionenangebot der William Penn Foundation
Trotz des geschlossenen Museums geht der Widerstand gegen die Abwicklung weiter. Aktivisten der Graswurzelgruppe Save the Academy protestierten vor dem National Constitution Center und forderten die Leitung von Drexel auf, die Akademie formal abzuspalten. Die Demonstrierenden verlangten zudem einen unabhängigen, öffentlichen Prozess zur Klärung der Zukunft.
Hunderte Menschen trotzten Regenstürmen, um vor dem Gebäude am Parkway und auf ihrem Marsch zum Rathaus gegen die Schließung zu demonstrieren. Sarah McAnulty, Mitorganisatorin der Freiwilligeninitiative Save the Academy, rief dazu auf, die Akademie aus der Kontrolle der Universität zu entlassen, damit die Einrichtung in vollem Umfang selbst verhandeln könne. Die Akademie selbst wies auf ihren Steuerunterlagen für das Jahr 2025 Einnahmen in Höhe von 25,8 Millionen US-Dollar bei Ausgaben von 23,8 Millionen US-Dollar aus.

Zusätzliche Brisanz erhielt der Streit durch ein finanzielles Angebot der William Penn Foundation. Die Stiftung bot an, die Betriebskosten des Museums für mindestens ein weiteres Jahr zu übernehmen, um die Überlebensfähigkeit der Einrichtung zu prüfen. Shawn McCaney, der Geschäftsführer der Stiftung, betonte die Bedeutung der Akademie für die Region. Die Vorstandsvorsitzende der Akademie, Suzanne Biemiller, erklärte, dass die Bemühungen darauf konzentriert seien, eine dauerhafte, finanziell nachhaltige Zukunft für die Akademie zu sichern. Drexel-Vertreter erklärten jedoch gegenüber NBC10 Philadelphia, dass bislang kein formaler Vorschlag mit einem definierten finanziellen Rahmen eingegangen sei.
Parallel dazu unternahmen politische Akteure weitere Schritte zur Vermittlung. Gouverneur Josh Shapiro und Bürgermeisterin Cherelle Parker bestimmten Botschafter David Cohen als unabhängigen Vermittler zwischen Drexel und dem Akademievorstand. Zudem wurde die stellvertretende Bürgermeisterin Patricia Wellenbach als leitende Beraterin eingesetzt, um an einer überarbeiteten Vereinbarung für die Zukunft der Akademie zu arbeiten. Scott Cooper trat unterdessen am Tag der Ankündigung zurück, woraufhin Patricia Wellenbach ihre neue Rolle übernahm; Wellenbach bringt durch ihre neunjährige Tätigkeit als Präsidentin und Geschäftsführerin des Please Touch Museum entsprechende Erfahrung mit.
Sarah McAnulty erklärte laut CBS News: „Drexel betrachtet die Akademie meines Erachtens als finanzielle Belastung.
Stadtrat drängt auf Zonierungsänderungen und Schutz der Bestände
Auf politischer Ebene reagieren Stadtverordnete mit neuen Gesetzesinitiativen. Der Stadtrat Jeffery Young Jr. brachte im Bezirk einen Bebauungsantrag ein, der Wohnungsbau und gewerbliche Nutzung auf dem Gelände untersagen soll. Um ein alternatives Projekt umzusetzen, müssten künftige Eigentümer künftig einen aufwendigen und teuren Prozess bei der städtischen Kommission durchlaufen.
Gemeinsam mit der Stadträtin Nina Ahmad kritisierte Young, dass Stadtverantwortliche und Bewohner nicht konsultiert wurden. Ahmad betonte, dass in den Beständen rund neunzehn Millionen wissenschaftliche Objekte lagern, darunter historische Exponate von Thomas Jefferson, die weltweite Bedeutung besitzen. Während das Museum schließt, betonen Hochschulvertreter, dass die wissenschaftlichen Sammlungen, das Forschungszentrum und Bildungsprogramme erhalten bleiben sollen. Wie und wo diese Komponenten langfristig untergebracht werden, bleibt nach Angaben von Institutsleitung und Universität jedoch noch ungeklärt.
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