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Unternehmen

Deutsche Post kauft Myflexbox

Die Deutsche Post übernimmt das Salzburger Paketautomaten-Unternehmen Myflexbox vollständig und schraubt ihr Ausbauziel für Deutschland massiv auf 50.000 Stationen bis 2030 nach oben. Der Bonner Logistikriese bündelt das Geschäft über seine Tochter AZL GmbH mit der eigenen Marke DeinFach, um das größte anbieteroffene Netzwerk im DACH-Raum zu formen.

Wer in den kommenden Jahren ein Paket abholen oder verschicken möchte, kann in seiner Nachbarschaft mit deutlich mehr Automaten rechnen. Marktführer DHL erhöht das Ausbautempo erheblich. Bislang hatte der Bonner Logistikkonzern angepeilt, bis Ende 2030 mehr als 30.000 Automaten in Deutschland zu betreiben. Diese Zielmarke hob das Unternehmen nun auf rund 50.000 Einheiten an.

Die Übernahme von Myflexbox durch die Deutsche Post

Den Grundstein für diesen Sprung bildet ein Zukauf in Österreich. Die Post-Tochtergesellschaft AZL GmbH, die hierzulande unter der Marke DeinFach rund 1.700 anbieterunabhängige Paketboxen betreibt, übernimmt den Konkurrenten Myflexbox vollständig. Verkäufer des Salzburger Startups sind die britischen Investoren von Star Capital, die das Unternehmen Anfang 2023 im Zuge einer Finanzierung von 75 Millionen Euro und mit dem Einstieg ihres Fonds Star IV als Mehrheit übernommen hatten. Über den Kaufpreis vereinbarten die beteiligten Parteien Stillschweigen.

Die erste Station ging 2019 bei der Obus-Remise in der Alpenstraße in Betrieb. Von Salzburg aus wuchs das Unternehmen zunächst in Österreich und dehnte sich später über die Grenze nach Deutschland aus. Mittlerweile betreibt die Firma rund 2.000 Automaten in Deutschland und etwa 1.000 in Österreich, wo auch die Österreichische Post seit 2024 Fächer anmietet. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Myflexbox-Automat an einem Düsseldorfer Mietshaus im Juni 2026
Foto: PZ-news

Verschmelzung von DeinFach und Myflexbox unter neuer Marke

Nach dem Vollzug der Transaktion werden die bisher getrennten Netze zusammengeführt. Die DeinFach-Automaten und die hellgrauen Myflexbox-Stationen verschmelzen zu einem gemeinsamen Angebot. Dabei wird der Markenname DeinFach schrittweise verschwinden, während das gesamte gemeinsame Netz künftig unter dem Namen Myflexbox auftritt und sukzessive umetikettiert wird.

Durch den Zusammenschluss wächst die Präsenz spürbar. Rechnet man die bisherigen DeinFach-Standorte und Myflexbox-Boxen zusammen, verfügt die DHL-Gruppe nun über mehr als 21.000 Automatenstandorte. Hinzu kommt das klassische, rein gelbe Netz des Konzerns mit rund 19.000 DHL-Packstationen, Poststationen und proprietären Stationen, das weiterhin separat betrieben wird, weil der Mutterkonzern diese Standorte selbst benötigt, um das prognostizierte Paketwachstum bewältigen zu können.

Deutsche Post kauft Myflexbox
Foto: trendingtopics.eu

Wir freuen uns, mit DeinFach einen Partner gefunden zu haben, der unsere Vision teilt. Gemeinsam bringen wir den Ausbau des größten offenen Paketstation-Netzwerks auf eine neue Ebene. Durch den Zusammenschluss bieten wir die vielseitigste Infrastruktur mit den meisten integrierten Services für Nutzerinnen und Nutzer.

Jonathan Grothaus, CEO & Founder von Myflexbox

Anbieterunabhängigkeit als zentrales Marktmodell

Der wesentliche Unterschied zu den traditionellen gelben Packstationen der Post liegt in der Konzeption als offene Infrastruktur. Neben DHL beziehungsweise DeinFach nutzen auch andere große Paketdienstleister wie GLS, DPD, UPS, FedEx und Amazon die hellgrauen Myflexbox-Standorte zum Abholen und Verschicken von Sendungen.

Diese „Anbieterunabhängigkeit“ galt von Beginn an als das wesentliche Alleinstellungsmerkmal des Salzburger Unternehmens, da keine direkten Eigeninteressen einzelner Paketdienste die Belegung der Fächer beeinflussten. Trotz der Eingliederung in den DHL-Konzern soll dieses Konzept fortbestehen, und alle Paketkunden sollen weiterhin gleich behandelt werden.”

Dank DHL haben wir nun mehr Power, um das Ausbautempo zu erhöhen und damit noch besser positioniert zu sein am Markt.

Jonathan Grothaus, Logistiker

Effiziente Raumnutzung und strategische Ziele bis 2030

Hinter der forcierten Expansion steht ein handfester logistischer Engpass. Der Platz für Automaten im öffentlichen Raum ist knapp bemessen. Baugenehmigungen und die Standortsuche an Tankstellen, Bahnhöfen, Einkaufszentren oder in Fußgängerzonen erfordern einen hohen bürokratischen Aufwand.

Deutsche Post kauft Myflexbox
Foto: DHL Group

Das Zustellen an der Haustür für Paketdienstleister ist besonders zeitintensiv, da sie sich dort mühsam durch enge Straßen zwängen oder in zweiter Reihe parken müssen. Automaten ermöglichen es hingegen, Pakete in einem Schwung abzulegen oder mitzunehmen und dadurch wertvolle Zeit einzusparen.

Standorte sind ein rares Gut – wenn jeder parallel nebeneinander Automaten baut und sein eigenes Süppchen kocht, wird dieses rare Gut ineffizient genutzt.

Lukas Beckedorff, Geschäftsführer von DeinFach

Mit der gebündelten Infrastruktur will die Deutsche Post bis zum Jahr 2030 insgesamt rund 50.000 Paketautomaten in Deutschland betreiben, wobei mehr als die Hälfte auf anbieteroffene Myflexbox-Lösungen entfallen soll. Langfristig peilen die Verantwortlichen an, dass die große Mehrheit der Menschen in Deutschland eine Paketstation innerhalb von fünf bis zehn Gehminuten erreichen kann.

Es ist noch unklar, ob und wie die verbliebenen Mitbewerber auf diesen Marktschritt reagieren werden, nachdem GLS und DPD im Frühjahr eine eigene Kooperation für bis zu 6.000 gemeinsame Automaten bis Ende 2027 angekündigt hatten, während Hermes im Großraum Hamburg lediglich rund 30 Automaten betreibt und primär auf klassische Paketshops setzt.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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