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Gesundheit

Gripping Infektionen hinterlassen monatelange Symptome

Langanhaltende gesundheitliche Beschwerden nach Infektionen beschränken sich keineswegs nur auf Covid-19.

Die Coronavirus-Pandemie lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf ein medizinisches Phänomen, das Fachleute seit Jahrzehnten kennen. Schwere Virusinfektionen hinterlassen bei einem Teil der Betroffenen chronische Beschwerden, die erst auftreten, wenn die eigentliche Akutinfektion längst überstanden ist. Bereits im Jahr 1894 beschrieb der englische Arzt Thomas Dowse nach einer weltweiten Atemwegsepidemie einen solchen Symptomkomplex als post-influenza exhaustion.

Ein Forschungsteam der Universitätsmedizin Halle hat nun im Rahmen der DigiHero-Studie umfassende Daten aus der deutschen Allgemeinbevölkerung ausgewertet. Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild davon, wie häufig diese Nachwirkungen bei alltäglichen Atemwegsinfektionen tatsächlich sind.

Universitätsmedizin Halle wertet Daten von über 50.000 Befragten aus

Die Untersuchung, die zwischen September 2024 und August 2025 lief, erfasste die Angaben von mehr als 50.000 Teilnehmern in ganz Deutschland. Rund ein Drittel der Befragten — exakt 37 Prozent beziehungsweise 18.700 Personen — gab an, in diesem Zeitraum mindestens einmal von einer Erkältung oder einem fieberhaften Infekt betroffen gewesen zu sein.

Gripping Infektionen hinterlassen monatelange Symptome
Foto: smart up news

Unter diesen Betroffenen berichteten rund 4.300 Personen über Symptome, die auch mehr als zwölf Wochen nach dem initialen Infekt anhielten. Geleitet wurde die Auswertung von dem Epidemiologen Rafael Mikolajczyk. Die halleschen Forschenden fassen diese langanhaltenden Krankheitsbilder unter dem Begriff Postakutes Infektionssyndrom, kurz PAIS, zusammen. Der genaue Erreger ließ sich in den meisten Fällen nicht mehr eindeutig bestimmen. Bei rund 17,2 Prozent der Betroffenen mit anhaltenden Beschwerden ging die Erkrankung auf Sars-CoV-2 zurück, während Influenza in 3,7 Prozent der Fälle und RSV in 1,3 Prozent als Auslöser identifiziert wurden. Bei der großen Mehrheit von 75,5 Prozent blieb der ursächliche Erreger unbekannt.

Ähnlichkeit der Beschwerden nach Grippe und Corona

Dort, wo sich der Erreger eindeutig nachvollziehen ließ, zeigte sich ein bemerkenswertes Muster. Nach einer Corona-Infektion und nach einer echten Grippe ähnelten sich Symptomatik und Krankheitsdauer stark. Die Betroffenen litten unter ausgeprägter Erschöpfung, anhaltender Energielosigkeit, Atemnot bei körperlicher Anstrengung und einer spürbar verlangsamten Erholung nach alltäglichen Belastungen.

„Von ausgeprägter Erschöpfung und geringer körperlicher Belastbarkeit bis hin zu Atemnot gibt es eine Vielzahl von Symptomen, die bei PAIS auftreten können. Die Beschwerden sind medizinisch oft schwer einzuordnen und entsprechend schwierig zu behandeln“,

Prof. Rafael Mikolajczyk, Direktor des Instituts für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik in Halle

Die Langzeitfolgen erweisen sich dabei als äußerst hartnäckig. Innerhalb eines Jahres kam es bei lediglich 17 Prozent der Betroffenen zu einer vollständigen Ausheilung der Beschwerden. Bei der großen Mehrheit hielten die Einschränkungen auch nach zwölf Monaten noch an.

Frauen und ältere Menschen besonders stark betroffen

Die Auswertung der Halleschen Kohorte offenbart deutliche demografische Unterschiede beim Erkrankungsrisiko. Frauen erkranken nach den Daten doppelt so häufig an PAIS wie Männer. Auch das Alter spielt eine entscheidende Rolle: Personen über 50 Jahre tragen ein doppelt so hohes Risiko wie jüngere Bevölkerungsgruppen.

Zusätzlich ergab sich, dass Menschen, die bereits in der Vergangenheit unter Post-Covid gelitten hatten, nach einer erneuten Infektion häufig eine spürbare Verschlechterung ihrer Symptome erfuhren. Dennoch bleibt die medizinische Versorgung vieler Betroffener unzureichend. Zwar gaben rund 87 Prozent der Studienteilnehmer an, sich durch die anhaltenden Beschwerden mäßig bis sehr stark belastet zu fühlen, aber nur 58 Prozent suchten deswegen ärztliche Hilfe auf.

„Unsere Analyse zeigt, dass PAIS ein relativ häufiges und klinisch relevantes Phänomen nach Atemwegsinfektionen ist und dabei nicht auf einen bestimmten Erreger beschränkt ist“,”

Friederike Peter, Erstautorin der Studie

Das schwere Vollbild einer myalgischen Enzephalomyelitis beziehungsweise eines chronischen Erschöpfungssyndroms, kurz ME/CFS, trat im Rahmen der Untersuchung eher selten auf. Dennoch verdeutlichen die im Deutschen Ärzteblatt und im Fachjournal Scientific Reports unter dem Titel „Comparison of new and recurring post-acute infection syndrome – results from a German population-based cohortveröffentlichten Ergebnisse, dass postinfektiöse Syndrome nach ganz unterschiedlichen Atemwegsinfektionen weit verbreitet sind und in der klinischen Praxis künftig stärker berücksichtigt werden müssen.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

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