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Welt

Wall Street sinkt durch hohe Ölpreise und Rekordrenditen bei Anleihen

Die Aktienmärkte an der Wall Street verzeichnen Kursrückgänge, während steigende Renditen am Anleihemarkt und Ölpreise über 100 US-Dollar pro Barrel den Druck auf Zentralbanken und Investoren erhöhen. Gleichzeitig ringen Regierungen weltweit mit geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und anstehenden diplomatischen Gipfeltreffen.

Der S&P 500 sank um 0,7 Prozent, und der Nasdaq Composite gab um 0,9 Prozent nach, da steigende Notierungen beim Rohöl die Inflationsängste erneut anfachten. Verträge für Brent-Rohöl kletterten am Morgen zeitweise über 100 US-Dollar je Barrel, bevor sie sich im Tagesverlauf wieder etwas abkühlten. Zuvor hatten Berichte über mögliche diplomatische Vermittlungsversuche und Beratungen der USA mit dem Iran den extremen Preisdruck an den Rohstoffmärkten leicht gedämpft.

Rekordrenditen am Anleihemarkt und steigende Zinsen belasten Technologieaktien

Besonders die Verwerfungen an den Rentenmärkten bereiten Marktbeobachtern Sorge. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf bis zu 5,27 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Mitte Juni 2007. Gestern schlossen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen bei 5,241%, was einem Rekordwert seit 19 Jahren entspricht, und kletterten heute früh auf über 5,26%, ehe sie wieder leicht nachgaben. Auch längerlaufende Papiere gerieten unter massiven Abwärtsdruck; die Rendite der 30-jährigen Anleihe stieg auf den höchsten Stand seit 2004. Die zweijährige US-Anleihe, die traditionell als Indikator für die künftige Zinspolitik der Notenbank gilt, notierte auf dem höchsten Niveau seit 2024.

Wall Street sinkt durch hohe Ölpreise und Rekordrenditen bei Anleihen
Foto: finance.yahoo.com

Diese Entwicklung schlägt direkt auf hoch bewertete Wachstumsbranchen durch. Vor allem Chip- und KI-Infrastrukturwerte gerieten in den vergangenen Handelstagen stark unter Druck. Die Dezember-Futures des Nasdaq 100 büßten im morgendlichen Handel 1,04 Prozent ein, da steigende Renditen den Barwert künftiger Gewinne schmälern. Werte wie Arm Holdings, Marvell Technology und Intel verzeichneten im vorbörslichen Handel merkliche Verluste.

Geldpolitische Signale der Federal Reserve im Fokus

Angesichts robuster Wirtschaftsdaten und hartnäckiger Inflation wachsen die Zweifel an raschen Zinssenkungen. Der Präsident der New York Fed, John Williams, bezeichnete es als vernünftig, dass die US-Notenbank die Zinsen vor Jahresende womöglich erneut anheben muss. Williams fügte hinzu: „Aber wir müssen abwarten. Wir werden die Daten erfassen und das tun, was wir zwischen Juli und September getan haben.Ähnlich äußerte sich Fed-Gouverneur Michael Barr, der betonte, dass weitere geldpolitische Anpassungen wahrscheinlich notwendig seien, um die Teuerung zeitnah auf das Zwei-Prozent-Ziel zurückzuführen.

Am Terminmarkt preisen Anleger derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 70,9 Prozent für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf der kommenden Fed-Sitzung im Oktober ein. Analysten wie Vail Hartman von BMO Capital Markets verweisen darauf, dass die jüngsten Konjunkturdaten das Risiko einer beschleunigten, nachfragegetriebenen Inflation untermauern, selbst wenn angebotsseitige Effekte nachlassen.

Geopolitische Spannungen und anstehende US-China-Gipfelgespräche

Neben der Geldpolitik prägen geopolitische Krisenherde die Stimmung an den Börsen. Die Sorge vor einer Eskalation im Nahen Osten hält die Energiepreise volatil. Am Wochenende äußerte Trump, er habe einen jüngsten Vorschlag des Iran zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus, über die vor dem Krieg wichtige Energielieferungen flossen, abgelehnt. In Washington richtet sich der Blick parallel auf das bevorstehende Treffen zwischen Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping. US-Finanzminister Scott Bessent bestätigte gegenüber Medien, dass sich beide Seiten auf eine Verlängerung des bestehenden Handelswaffenstillstands um zwei Monate geeinigt haben, während Märkte nun auf mögliche Vereinbarungen zu Zöllen, Energie und Künstlicher Intelligenz warten.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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