Der deutsche Außenminister Johann Wadephul und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow trafen sich am Samstag, den 27. September 2026, für etwa 20 Minuten in New York. Es war das erste bilaterale Treffen auf dieser Ebene seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022, blieb jedoch ohne erkennbare Annäherung.
Die Begegnung am Rande der UN-Generalversammlung markiert einen Bruch mit der bisherigen Berliner Linie, wonach Gespräche mit Moskau an die Bedingung einer Waffenruhe geknüpft sein müssten. Dennoch bewertete Wadephul den Austausch gegenüber dem ZDF als intensiv
, räumte jedoch ein, dass man sich über wesentliche Punkte nicht einig geworden sei.
Lawrows Ablehnung: Ein Telefonat hätte genügt
Sergej Lawrow stellte den Nutzen des physischen Treffens demonstrativ infrage. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte er, er habe in dem Gespräch nichts gehört, was nicht bereits den täglichen öffentlichen Äußerungen Berlins entspreche.
Sie hätten mich einfach anrufen und mir sagen können „Lesen Sie meine Erklärung“.”
Sergej Lawrow, russischer Außenminister
Laut Lawrow entstand bei ihm der Eindruck einer herablassenden Haltung der deutschen Seite, bei der die unterschwellige Botschaft mitschwang, man habe sich zu Russland herabgelassen. Während Lawrow behauptet, Deutschland habe das Treffen in letzter Minute angefragt, gibt es Berichte, wonach Lawrow über Drittstaaten eine Gesprächsbereitschaft signalisiert habe, woraufhin Wadephul zustimmte.
Die deutsche Agenda: Deeskalation und Getreideexporte
Wadephul nutzte die kurze Zeit, um Russland aufzufordern, den gefährlichen Weg der Eskalation gegenüber Deutschland, Europa und der NATO zu verlassen. Ein zentraler Punkt waren die hybriden Angriffe gegen Deutschland, insbesondere ein versuchter Drohnenangriff am Flughafen Leipzig/Halle, den Berlin Russland zuschreibt. Wadephul betonte, dass solche Vorfälle die Unterstützung für die Ukraine nicht schwächen würden.
- Die Bekräftigung der deutschen Unterstützung für die Ukraine.
Wadephul rechtfertigte das Gespräch gegenüber dem ZDF mit der Ansicht, dass man mit Gegnern verhandeln muss
, auch wenn kein positives Ergebnis erzielt wurde.
Diplomatische Inszenierung im russischen Delegationsraum
Das Treffen fand in einem Raum der russischen Seite im UN-Gebäude statt, was laut dem ehemaligen österreichischen Diplomaten Klemens Fischer eine bewusste Inszenierung war. Fischer bezeichnete die Begegnung gegenüber FOCUS online als Audienz statt Augenhöhe
. Durch den Ort des Treffens habe Russland die volle technische und symbolische Kontrolle behalten, inklusive der Sitzordnung und des Wandschmucks – darunter ein Bild von Wladimir Putin.
Bewertungen: Zwischen strategischer Notwendigkeit und Schwäche
Die Reaktionen auf das Treffen fallen gegensätzlich aus. Während die Bundesregierung vor einer propagandistischen Instrumentalisierung durch Moskau warnt, sieht der ehemalige Botschafter Wolfgang Ischinger den Kontakt als wichtigen Schritt. Er bezeichnete das Treffen als eine Art diplomatisches Speed-Dating, das besser sei als gar kein Gespräch.
Im Gegensatz dazu sieht die Neue Zürcher Zeitung den strategischen Nutzen darin, dass Kontaktkanäle auf hoher Ebene offen bleiben, unabhängig von der persönlichen Art Lawrows.
Derzeit sind laut Bundesregierung keine weiteren Gespräche mit Vertretern der russischen Regierung geplant.
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