Zum Inhalt springen
Unternehmen

Fusionsgerüchte um O2 und 1&1: Telefonica-Deutschland-Chef hält vier Mobilfunknetze für überflüssig

Telefonica-Deutschland-Chef Santiago Argelich Hesse hat die Existenz von vier eigenständigen Mobilfunknetzen in Deutschland als innovations- und investitionsfeindlich kritisiert. Der Manager plädiert für eine Marktbereinigung auf drei Anbieter, äußerte sich jedoch nicht zu anhängenden Fusionsspekulationen zwischen O2 und 1&1.

Die Struktur des deutschen Telekommunikationsmarktes steht im Fokus scharfer Kritik des Spaniers Santiago Argelich Hesse, der seit Jahresbeginn die Leitung von Telefonica Deutschland als Nachfolger von Markus Haas übernommen hat. In keinem anderen großen europäischen Staat existieren nach Angaben des Managers vier konkurrierende Netzbetreiber. Während die von der politischen Landschaft gewollte Infrastruktur zwar niedrige Tarife für Verbraucher begünstige, bremse sie zugleich den Fortschritt.

Kritik an vier Netzbetreibern und dem deutschen Sonderweg

Neben der Telekom und Vodafone betreiben in Deutschland auch 1&1 sowie Telefonica eigene Netze. Argelich Hesse bewertet diesen Umstand als innovations- und investitionsfeindlich, wie unter anderem von der Nachrichtenagentur n-tv berichtet wurde. Auch das hierzulande überlebende Modell reiner Service-Provider, die Tarife ohne eigene Netzinfrastruktur vertreiben, sei ein deutscher Sonderweg.

Eine Konsolidierung des Marktes gilt aus Sicht des Telefonica-Chefs als Ausweg aus diesen strukturellen Hürden. Es wäre eine Lösung für das Problem, wenn sich der Markt auf drei Anbieter konsolidiert, erklärte der Manager. Um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern, müsse geprüft werden, wie regulatorische Vorschriften und anfallende Kosten begrenzt werden können.

Umsatzrückgang durch den Wandel bei 1&1

Die Wettbewerbssituation hat sich für Telefonica in den vergangenen Jahren spürbar verschärft. Früherer Partner 1&1 hat sich als vierter Netzbetreiber etabliert und greift für noch nicht ausgebaute Regionen auf das Netz von Vodafone anstelle von Telefonica zurück. Dieser Verlust von Wholesale-Umsätzen hinterlässt tiefe Spuren in den Geschäftszahlen des Unternehmens, wie der Manager einräumte.

Zu anhängenden Marktspekulationen über eine mögliche Fusion zwischen Telefonicas Marke O2 und dem Konkurrenten 1&1 wollte sich Argelich Hesse nicht positionieren. Der zuständige 1&1-Mutterkonzern United Internet hatte derartige Gedankenspiele in der Vergangenheit wiederholt verworfen.

Umstrukturierung, Künstliche Intelligenz und neue Strategien

Um dem anhaltenden Bedeutungsverlust entgegenzuwirken, setzt das Unternehmen auf ein umfassendes Maßnahmenpaket in einem stagnierenden Marktumfeld. Das wird kein Sprint, sondern ein Marathon. Wir werden nicht die Größten sein, skizzierte Argelich Hesse die langfristige Ausrichtung des Konzerns, die im kommenden Jahr die ersehnte Trendwende einläuten soll.

Der freiwillige Stellenabbau, der im Rahmen der angekündigten Streichung von 1.100 Arbeitsplätzen bis Ende 2026 vorgesehen war, ist abgeschlossen. Gleichzeitig räumte das Unternehmen ein, dass der intensivierte Einsatz von Künstlicher Intelligenz spürbare Auswirkungen auf das Personal haben wird. Die Discountmarke Blau soll künftig stark auf automatisierte KI-Lösungen setzen, während O2 als reiner Premiumanbieter platziert werden soll.

Wachstumspotenziale identifiziert die Konzernführung vor allem im Geschäftskundenbereich, den bislang die Telekom dominiert. Zudem sollen Partnerschaften – darunter die Kooperation mit Alditalk, die rund zehn Millionen Kunden einbindet – durch neue digitale Produktmodelle weiterentwickelt werden, anstatt sich auf klassische Prepaid-Angebote an der Ladenkasse zu beschränken.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.