Die britische Regierung holt die umstrittene Bahngesellschaft Avanti West Coast im März des kommenden Jahres vorzeitig in die öffentliche Hand. Verkehrsministerin Heidi Alexander begründete den Schritt mit jahrelanger Unterleistung und massiven Problemen bei Pünktlichkeit und Verbindungen auf einer der wichtigsten Strecken des Landes.
Die Privatisierung der West Coast Main Line endet damit früher als ursprünglich geplant. Eigentlich lief der Vertrag des Betreibers am 7. März aus, und das Verkehrsministerium macht nun von der frühestmöglichen Übernahmemöglichkeit Gebrauch. Avanti West Coast ist ein Gemeinschaftsunternehmen, an dem die FirstGroup zu 70 Prozent und der italienische Staatskonzern Trenitalia zu 30 Prozent beteiligt sind. Ab dem kommenden Frühjahr gehört die Strecke vollständig dem Staat.
Chronische Verspätungen und scharfe Kritik der Politik
Hintergrund der Verstaatlichung sind erhebliche Qualitätsmängel, über die Fahrgäste und Politiker seit Jahren klagen.
„For years, we’ve heard stories of Avanti underperforming, with passengers left paying the price. Enough is enough.“
Heidi Alexander, Verkehrsministerin
Die Ministerin kündigte an, dass mit der Übernahme ein umfassendes Verbesserungsprogramm starten soll, das sich konsequent an den Interessen der Passagiere und nicht an Renditen für Aktionäre orientiere. Auch Premierminister Andy Burnham schloss sich der Kritik an und betonte, dass Reisende über Jahre hinweg mit Verspätungen und Überfüllung allegelassen worden seien.
Millioneninvestitionen in Infrastruktur und Bahnhof Euston
Neben dem Eigentümerwechsel kündigte die Regierung finanzielle Mittel für die Modernisierung an. Für die Instandhaltung von Signal- und Stromanlagen stellt der Staat zusätzlich zehn Millionen Pfund bereit, die auf ein bereits bestehendes Infrastrukturpaket von 840 Millionen Pfund für die West Coast Main Line aufrechnen.

Zugleich sind weitreichende Verbesserungen an den Stationen und dem Fahrplan geplant. Der Londoner Bahnhof Euston erhält eine Investition von 50 Millionen Pfund, wovon elf Millionen Pfund direkt in neue Sitzgelegenheiten, verbesserte Wartebereiche und Sanitäranlagen fließen. Weitere Bahnhöfe entlang der Strecke sollen bis Ende 2027 mit insgesamt zehn Millionen Pfund modernisiert werden.
Übergang im Rahmen der Reform der britischen Eisenbahnen
Der Betreiber selbst verwies auf die Anstrengungen der vergangenen Jahre. Man sei stolz auf Errungenschaften wie die Modernisierung der Pendolino-Flotte, den Einsatz neuer Evero-Züge und gestiegene Fahrplankapazitäten, erklärte der Geschäftsführer von Avanti West Coast, Andy Mellors. Das Unternehmen werde in den kommenden Monaten eng mit der Regierung zusammenarbeiten, um einen reibungslosen Übergang in das öffentliche Eigentum zu gewährleisten.

Die Maßnahme reiht sich in eine breitere Strategie der britischen Regierung ein, das Schienennetz schrittweise wieder unter staatliche Kontrolle zu bringen. Bis Ende 2027 sollen alle verbliebenen privaten Franchise-Verträge auslaufen, um den Weg für die neu zu gründende Dachorganisation Great British Railways zu bereiten. Nach Übernahmen wie der von Chiltern Railways und der für Dezember geplanten Integration der Great Western Railway ist der Schritt bei Avanti die achte große Rückführung in die öffentliche Hand im Rahmen dieses Programms.
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