Chinesische Forscher haben laut einem Bericht der Zeitung South China Morning Post erstmals einen Satelliten des Navigationssystems BeiDou in hoher Umlaufbahn mit Treibstoff versorgt. Die Betankung im All wurde in einer noch nicht begutachteten wissenschaftlichen Arbeit beschrieben, stößt jedoch bei Satelliten-Tracking-Experten auf astronomische Zweifel.
Die Raumfahrtnation China treibt ihre technologischen Fähigkeiten im Erdorbit weiter voran. Ein Forscherteam des staatlich finanzierten Deep Space Exploration Laboratory hat in einer wissenschaftlichen Arbeit für das Fachblatt Journal of Deep Space Exploration erklärt, dass eine raumtemperierte Treibstoffbetankung für einen Satelliten des BeiDou-Netzwerks erfolgreich durchgeführt wurde. Das Vorhaben, das sich derzeit im Peer-Review-Verfahren befindet, nennt keine konkreten operativen Details zu dem Manöver, verleiht dem Land nach Angaben der Wissenschaftler jedoch wertvolle praktische Erfahrung.
Shijian-25 und der angebliche Einsatz im Februar 2025
Während die primäre Veröffentlichung des Deep Space Exploration Laboratory wenige Einzelheiten preisgibt, liefert eine andere Studie weitergehende Angaben. In einem im April im International Journal of Aerospace Engineering veröffentlichten Papier nannten Wissenschaftler der Chinesischen Akademie der Wissenschaften konkrete Satelliten und Zeitpunkte. Demnach soll der Wartungssatellit Shijian-25 im Februar 2025 insgesamt 142 Kilogramm Treibstoff an den Satelliten BeiDou-2 G7 übergeben haben. Dieses Manöver sollte die Lebensdauer des Navigationssatelliten um acht Jahre verlängern.
Der genannte Servicedasatellit Shijian-25 wurde am 7. Januar 2025 ins All gestartet, um die Reparatur und Instandhaltung anderer Raumfahrzeuge zu unterstützen sowie Weltraummüll zu beseitigen. Das gesamte BeiDou-System fungiert als Chinas globales Netz für Satellitennavigation, Positionsbestimmung und Zeitmessung. Die Modernisierung und Verlängerung der Missionsdauer von Bestandssatelliten ist ein zentraler Baustein, um die Verlässlichkeit und Langlebigkeit der Infrastruktur zu sichern.
Widersprüche durch US-Tracking-Daten und Expertenanalyse
Obwohl chinesische Wissenschaftler das Betankungsmanöver als Meilenstein für die Raumfahrt feiern, stehen die Angaben im Widerspruch zu orbitalen Beobachtungsdaten. Weder die im Peer-Review befindliche Arbeit noch die Studie der Akademie der Wissenschaften nennen eine konkrete Primärquelle für die Behauptung. US-Weltraumstreitkräfte und unabhängige Beobachter verweisen auf Daten, die den beschriebenen Ablauf in Frage stellen.
Tracking-Daten der US Space Force zeigen laut Berichten, dass sich Shijian-25 und BeiDou-2 G7 im ersten Halbjahr 2025 nicht nahe genug kamen, um ein Andockmanöver durchzuführen. Der Satelliten-Tracking-Experte und ehemalige Harvard-Astrophysiker Jonathan McDowell stellte fest, dass BeiDou-2 G7 von Januar bis Juli 2025 stationär im geostationären Orbit nahe 110,5 Grad östlicher Länge positioniert war. Shijian-25 befand sich nach dem Start zunächst in der Nähe von 120 Grad Ost, verblieb dort bis Juni und wechselte danach auf 127 Grad Ost. Nach Einschätzung von McDowell konnte die beanspruchte Annäherung im Frühjahr 2025 demnach nicht in dieser Form stattgefunden haben, es sei denn, das US-Militär hätte andere, nicht offene Objekte verfolgt.
Ausblick auf Tieftemperatur-Technologien
Die beteiligten chinesischen Forscher betonten ungeachtet der offenen Fragen die Notwendigkeit weiterer technologischer Entwicklungsschritte. Um die Leistungsfähigkeit für große Raumfahrzeuge und ambitionierte Missionen in den tiefen Weltraum zu maximieren, sei es unerlässlich, Techniken zur Betankung mit extrem niedrig temperiertem Treibstoff zu perfektionieren.

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