Der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hat am 27. September 2026 gefordert, im besetzten Westjordanland einen vollständigen Krieg nach dem Vorbild des Gazastreifens zu führen. In einem Podcast-Interview verlangte er zudem die Zerstörung der Palästinensischen Autonomiebehörde und kündigte an, Gebiete annektieren zu wollen.



Der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hat am Sonntag in einem Interview mit dem Sender Ynet scharfe Forderungen für das besetzte Westjordanland erhoben.
Forderung nach militärischem Großeinsatz und Zerschlagung der Autonomiebehörde
In dem Gespräch im Rahmen des politischen Podcasts 120 und One äußerte sich Smotrich unzufrieden über bisherige militärische Warnungen aus dem Sicherheitsapparat.
Ich habe gewiss Lösungen. Ich denke, wir müssen in Judäa und Samaria in den Krieg ziehen. Dort tun, was wir in Gaza getan haben. Die Palästinensische Autonomiebehörde zerschlagen, die eine Terrorbehörde ist.
Smotrich erklärte weiter, die israelischen Streitkräfte müssten nach dem Vorbild der Operationen gegen die Hamas im Gazastreifen vorgehen. Ziel müsse es sein, jegliche Infrastruktur, Tunnel und Waffen zu beseitigen. Er verwies dabei laut Turkiyetoday auf bereits evakuierte Flüchtlingslager im Westjordanland und forderte drastische Einschränkungen im Straßenverkehr.
Weitreichende Annexionspläne und politische Reaktionen
Neben dem militärischen Vorgehen im Westjordanland brachte Smotrich auch die Annexion weiterer Gebiete ins Gespräch.

Die Palästinensische Autonomiebehörde und das Außenministerium in Ramallah warnten umgehend vor den Äußerungen. In einer offiziellen Erklärung hieß es laut Wafa, die Aussagen offenbarten gezielte israelische Pläne, die Aussichten auf einen unabhängigen palästinensischen Staat zu untergraben und das Westjordanland gewaltsam zu annektieren.
Verschärfte Abriegelung und humanitäre Lage vor Ort
Die politischen Forderungen fallen mit drastischen Bewegungseinschränkungen für die palästinensische Bevölkerung zusammen. Israelische Behörden verhängten am Wochenende eine einwöchige umfassende Abriegelung über das gesamte Westjordanland, offiziell begründet mit dem jüdischen Feiertag Sukkot. Kontrollpunkte und Straßensperren schränken den Zugang zu Arbeitsplätzen und medizinischer Versorgung massiv ein.

Seit Beginn des Gaza-Krieges im Oktober 2023 hat sich die Gewalt im Westjordanland nach palästinensischen Angaben drastisch verschärft. Über 1.206 Palästinenser wurden demnach im Gebiet getötet und Tausende festgenommen, während internationale Beobachter wie das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) einen historischen Höchststand an Siedler-Übergriffen verzeichnen.