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Welt

Paul Gewirtz übergibt Leitung des Paul Tsai China Center an Odd Arne Westad

Nach 50 Jahren an der Juristischen Fakultät der Yale University hat Professor Paul Gewirtz seine aktive Lehrtätigkeit beendet und das von ihm gegründete Paul Tsai China Center übergeben. Gleichzeitig zeigt die Diskussion um den Anthropologen Biao Xiang in Singapur, wie Akademiker die Zerrissenheit der modernen chinesischen Jugend analysieren.

Paul Gewirtz übergibt Leitung des Paul Tsai China Center in Yale

Nach fünf Jahrzehnten Lehre an der Yale Law School zog sich Professor Paul Gewirtz am 1. Juli von seiner regulären Professur zurück. Er ist seither als Potter Stewart Professor Emeritus of Constitutional Law tätig. Während seiner langen Laufbahn widmete er sich Bereichen wie dem Verfassungsrecht, dem Antidiskriminierungsrecht sowie den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und China. Im Zuge dieses Übergangs gab er auch die Leitung des Paul Tsai China Center ab, einer der beiden großen akademischen Einrichtungen, die er während seiner Zeit in Yale ins Leben rief (die andere ist das Global Constitutionalism Seminar).

Gewirtz bleibt der Universität jedoch in Teilzeit verbunden. Am Zentrum übernimmt er künftig die Rolle des Founding Director und Senior Fellow. Seine Nachfolge an der Spitze der Institution trat Professor Odd Arne Westad an, der als Elihu Professor of History and Global Affairs ebenfalls an der Yale University lehrt.

Ursprünge im Weißen Haus und institutionelle Entwicklung

Die Geschichte des heutigen Zentrums reicht in das Jahr 1999 zurück, als es unter dem Namen The China Law Center gegründet wurde. Der Ursprung geht auf die Jahre 1997 und 1998 zurück, als Gewirtz während eines Beurlaubungsjahres aus Yale als Sonderbeauftragter für die Initiative zur Rechtsstaatlichkeit im Stab von US-Präsident Bill Clinton arbeitete. In dieser Funktion gestaltete er jene US-chinesischen Rechtskooperationen, die Präsident Clinton und Chinas Staatschef Jiang Zemin auf ihren Gipfeltreffen vereinbarten.

Nach seiner Rückkehr nach New Haven begründete er das Zentrum, weil er überzeugt war, dass Regierungsbehörden nicht die idealen Träger für die Umsetzung solcher Gipfelvereinbarungen waren. Unter seiner Führung konzentrierte sich das Institut auf juristische Entwicklungen in China und etablierte kooperative Projekte mit chinesischen Partnern. Das Zentrum unterstützte Reformen in Bereichen wie dem Verwaltungs-, Justiz- und Strafrecht. Heute umfassen die Forschungen und juristischen Austauschprogramme auch Themen wie KI-Regulierung, das Seerecht, Antidiskriminierung und den Jugendschutz.

Außenpolitischer Dialog und die Analyse gesellschaftlicher Spannungen

Im Laufe der Jahre erweiterte das Zentrum seinen Fokus stark auf die übergeordneten geopolitischen Fragen des Verhältnisses zwischen Washington und Peking. Dabei wurden Studierende und Mitarbeiter zunehmend in außenpolitische Debatten einbezogen. Gewirtz sieht diese Vermischung von Recht und Außenpolitik in einer langen amerikanischen Tradition verwurzelt.

A young woman stands beside a life-sized Ultraman statue outside a shop
Foto: bbc.co.uk

Paul Gewirtz erklärte laut Yale, dass Juristen als Regierungsbeamte traditionell zentrale Rollen in der US-außenpolitischen Führung eingenommen hätten, angefangen bei Thomas Jefferson als Außenminister und Alexander Hamilton als Finanzminister.

Das Institut veranstaltet regelmäßig sogenannte Track II Dialogues mit Experten von Institutionen wie der Tsinghua University, bei denen ehemalige Regierungsvertreter und Forscher über Technologie, Handelsfragen, Taiwan und regionale Sicherheit beraten.

Ambition: Migration, Desire and Fatigue in China by Professor Biao Xiang

Parallel zu den institutionellen Entwicklungen in den USA rücken auch soziologische Perspektiven auf die Stimmung in China stärker in den Fokus der akademischen Debatte. Der Anthropologe Biao Xiang, Direktor am Max-Planck-Institut für Sozialanthropologie in Deutschland, beschrieb bei einem Auftritt in Singapur die emotionale Verfassung der jungen Generation in China. Er sprach über den enormen Druck, den Systeme von wettbewerbsorientierten Prüfungen bis hin zu sicheren Arbeitsplätzen auf junge Menschen ausüben.

Biao Xiang erklärte laut der BBC, jeder wisse, wo das Problem liege, aber man zögere, es sich anzusehen; manchmal sei es zu schmerzhaft, hinzusehen, oder es fehle der Weg dazu.

Xiang merkte an, dass die Gesellschaft an einem Wendepunkt stehe, an dem Menschen trotz rasanter wirtschaftlicher Fortschritte nach Sinn suchen und Widersprüche erleben. Auch Chinas Staatsführung hat diese Dynamiken thematisiert; so verwies Xi Jinping auf den zentralen Widerspruch zwischen den wachsenden Bedürfnissen der Bevölkerung nach einem besseren Leben und einer unausgewogenen Entwicklung.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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