Wien rüstet seine Fußgänger- und Radfahranlagen schrittweise mit künstlicher Intelligenz aus. Rund 30 intelligente Verkehrsregler sind bereits im Stadtgebiet in Betrieb, während die zuständige Magistratsabteilung 33 in den kommenden Jahren alle rund 200 Druckknopfampeln umrüsten will, um den Verkehrsfluss und die Barrierefreiheit zu verbessern.
In Wien läuft die Modernisierung des städtischen Straßenverkehrs auf Hochtouren. Von den insgesamt 200 Druckknopfampeln für Fußgängerinnen, Fußgänger und Radfahrende im Stadtgebiet sind bereits rund 30 mit Systemen künstlicher Intelligenz ausgestattet, wie die zuständige Magistratsabteilung 33 (Wien leuchtet) gegenüber dem ORF mitteilte. In den kommenden Jahren sollen sämtliche Druckknopfampeln der Bundeshauptstadt entsprechend umgerüstet werden, um Umwelt, Sicherheit und Verkehrsfluss gleichermaßen zu optimieren.
Intelligente Erkennung von Rollstühlen und Kinderwagen
Das von der TU Graz entwickelte System arbeitet mit Kameras und Sensoren, die einen Bereich von etwa 30 Quadratmetern erfassen. Die Technik erkennt präzise, wie viele Personen an einer Kreuzung warten und wer tatsächlich die Fahrbahn queren möchte. Dabei wertet die KI aus, wie viel Zeit für den Überweg benötigt wird.
Ein zentraler Aspekt der Modernisierung ist die Inklusion. Wenn das System beispielsweise Personen mit Gehhilfen, Rollstühle oder Kinderwagen registriert, schaltet die Ampelanlage automatisch eine längere Grünphase. Eine „denkende Ampel befindet sich unter anderem im zweiten Bezirk an der Kreuzung Am Tabor beziehungsweise Trunnerstraße. Anfang des Monats September 2026 ging zudem in Floridsdorf an der Kreuzung Donaufelder Straße, Theodor-Körner-Gasse und Plankenbüchlergasse die erste KI-Ampel des Bezirks in Betrieb.
Datenschutz und lokale Bildverarbeitung ohne Speicherung
Nach Angaben der Stadt werden keinerlei Bilder von den im Echtbetrieb laufenden Systemen gespeichert. Die gesamte Datenverarbeitung erfolgt direkt lokal vor Ort. Es existiert keine Datenanbindung, über die extern auf die Kameras zugegriffen werden könnte.
Bereits bei der Einführung der zweiten Generation des Ampelsystems hatten die Entwickler betont, dass die Kamerabilder innerhalb von 50 Millisekunden gelöscht werden. Lediglich die Anzahl der erkannten Personen und Personenkategorien kann bei Bedarf kurzzeitig dokumentiert werden, um Schaltpläne und Ampelabstimmungen zu optimieren.
Erweiterte Rechenleistung und kommende Öffi-Priorisierung
Die zweite Generation der Ampeln ist seit Dezember 2024 im Einsatz. Dank höherer Rechenleistung und moderner Deep-Learning-Modelle kann das System nun nicht nur Menschen mit Mobilitätseinschränkungen identifizieren, sondern auch mehrere Übergänge gleichzeitig beobachten.
Die Forschungsarbeit an der TU Graz läuft indessen weiter. Aktuell wird untersucht, wie öffentliche Verkehrsmittel künftig noch besser in das intelligente Ampelsystem integriert werden können, um den Vorrang für den städtischen Bus- und Bahnverkehr auszubauen.
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