New Jersey-Gouverneurin Mikie Sherrill hat Vizegouverneur Dale Caldwell am Donnerstagabend zum Rücktritt aufgefordert. Grund dafür ist ein 61-seitiger Untersuchungsbericht, der ihm schwerwiegende Ethikverstöße, den Missbrauch seines Amtes für eine persönliche Beförderung und sexuelle Belästigung nachweist.
Ein anonymer Brief löst die Untersuchung aus
Die Vorwürfe gegen den Vizegouverneur haben ihren Ursprung in einem anonymen Schreiben vom 6. Mai. Der Chief Ethics Officer des Gouverneursbüros erhielt den Brief in der darauffolgenden Woche. Darin wurde dem Politiker vorgeworfen, ungeladene Gäste zu offiziellen Reisen mitzubringen und Visitenkarten an Frauen zu verteilen, um Dates anzubahnen.
Gouverneurin Mikie Sherrill beauftragte daraufhin im Mai die Anwaltskanzlei Lowenstein Sandler mit einer unabhängigen Untersuchung. Geleitet wurde die Aufklärung von dem ehemaligen Generalstaatsanwalt Christopher Porrino sowie der früheren Bundes- und Staatsanwältin Shontae Gray. Der fertige Untersuchungsbericht umfasst 61 Seiten und wurde am Donnerstagabend von der Verwaltung öffentlich gemacht.
Vorwürfe der sexuellen Belästigung und unangemessene Kommentare
Der Bericht stuft das Verhalten des Vizegouverneurs als schwerwiegend ein. Unter anderem wird ein Vorfall aus dem April geschildert, bei dem Caldwell eine Bekannte einer weiblichen Mitarbeiterin romantisch umwarb. Nach einer Abweisung äußerte sich Caldwell in deutlicher und abfälliger Weise gegenüber der Angestellten.
Die Ermittler stuften diesen Kommentar als sexuelle Belästigung ein. Die betroffene Mitarbeiterin gab an, ihr Verhalten im Umgang mit dem Vizegouverneur grundlegend geändert zu haben, sich von ihm zu distanzieren und Reisen mit ihm nach Möglichkeit zu vermeiden. Caldwell bestritt die Äußerung, doch die Untersuchungskommission stufte seine Schutzbehauptung als nicht glaubwürdig ein.
Ethikverstöße und versuchte Beförderung einer Partnerin
Neben den Belästigungsvorwürfen dokumentiert der Bericht auch den Missbrauch staatlicher Ressourcen und interne Begünstigungsversuche. So nutzte Caldwell seine offizielle E-Mail-Adresse Ende Mai, um sich für eine staatliche Mitarbeiterin einzusetzen, mit der er eine romantische Beziehung führte. Dies geschah nur wenige Wochen nach einer offiziellen Schulung zu Ethikrichtlinien und kurz nachdem die Untersuchung gegen ihn angelaufen war.

Caldwell leitete den Lebenslauf der Frau an eine andere Behörde weiter, ohne die persönliche Beziehung offenzulegen. Die angestrebte Führungsposition erhielt die Mitarbeiterin letztlich nicht; sie ist mittlerweile nicht mehr im Staatsdienst tätig. Zudem ergab die Untersuchung, dass Caldwell bei sieben kostenpflichtigen Veranstaltungen – darunter ein Luncheon der Rowan University sowie ein Termin bei der State Opera of New Jersey mit Eintrittspreisen zwischen 65 und 300 US-Dollar – private Begleitpersonen ohne die vorgeschriebene Bezahlung oder Freigabe mitgebracht hatte.
Politische Reaktionen und unklare Rechtslage
Gouverneurin Sherrill zog nach Bekanntwerden der Ergebnisse eine harte Grenze und betonte, dass solche Verhaltensweisen in ihrer Administration keinen Platz haben.

Sein Rechtsanwalt Thomas Calcagni kritisierte das Verfahren als einseitig und mangelhaft in Bezug auf die Fairness.
Da Caldwell als Teil des Wahltickets direkt gewählt wurde, kann die Gouverneurin ihn nicht einfach entlassen.
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