Zum Inhalt springen
Nachrichten

Wie viel Tourismus verträgt Dürnstein

Dürnstein zieht jährlich hunderttausende Gäste an, sorgt an stark frequentierten Tagen jedoch für Gedränge in der Altstadt. Während Betriebe den Tourismus als wichtigen Wirtschaftsfaktor schätzen, fordern Anrainer eine bessere Besucherlenkung. Gemeinde, Land und Tourismusregion versuchen seit Jahren, die Massen zu verteilen, während neue Zählsysteme geplant sind.

Wirtschaftlicher Faktor und Gedränge in der Altstadt

Dürnstein gehört zu den bekanntesten Ausflugszielen der Wachau und zieht nach Angaben von ORF.at jährlich hunderttausende Besucherinnen und Besucher an. Besonders an Tagen mit hohem Andrang treffen Gäste von Donaukreuzfahrtschiffen, Reisebusse, Radfahrende und Individualtouristen gleichzeitig in der kleinen Altstadt ein.

Für die lokale Gastronomie, Hotellerie und den Handel ist dieser Besucherstrom unverzichtbar. Adi Aigner von Donau Niederösterreich Tourismus betonte im Rahmen der Diskussion Ein Ort am Wort, dass es in der Wachau zwar kein flächendeckendes Problem mit Massentourismus gebe, man aber örtlich und zeitlich begrenzt sicherlich Probleme habe, die man sich anschauen müsse.

Wir haben örtlich und zeitlich begrenzt sicherlich Probleme, die muss man sich auch anschauen.

Adi Aigner, Donau Niederösterreich Tourismus

Gleichzeitig beklagen Anrainer immer wieder Gedränge, Verkehrsbelastung und Einschränkungen ihrer Wohnqualität. Aus dem Publikum wurde während der Veranstaltung auf Radio Niederösterreich und ORF ON angemerkt, dass der Andrang schubweise auftrete und nicht alle Menschen gleichermaßen von den Einnahmen profitieren.

Bessere Lenkung der Besucherströme als Lösungsansatz

Um die Situation zu entspannen, wurden in den vergangenen Jahren bereits einzelne Schiffsanlegungen verlagert, neue Wege abseits der Hauptstraße angelegt und eine Alternative für den Donauradweg ausgebaut, wie ORF berichtet. Direkte Eintrittsgelder oder fixe Zeitfenster für Gäste gibt es in Dürnstein bisher nicht.

Johannes Christian Thiery, ein Hotelier aus Dürnstein, betonte die Notwendigkeit, die Verweildauer und die Wertschöpfung der Gäste im Blick zu behalten. Wenn mir langweilig ist, gehe ich noch auf einen Kaffee und kaufe noch Marmelade. Und wenn ich auf die Uhr schauen muss, weil der Bus in zehn Minuten fährt, dann wird das nicht passieren, erklärte Thiery.

Nicolas Hofbauer von der DDSG Blue Danube Schifffahrt wies darauf hin, dass Schiffe nicht nur durchfahren, sondern die Passagiere aussteigen und das regionale Angebot nutzen. Nach der Übernahme neuer Schiffe im Jahr 2024 habe die DDSG ihren Fahrplan angepasst, um Ankünfte besser zu verteilen.

Zudem verwies ein Diskussionsteilnehmer aus dem Publikum auf den wachsenden E-Bike-Tourismus, bei dem Radfahrende, Fußgänger und Reisegruppen in der Altstadt auf engem Raum aufeinandertreffen.

Zählsystem und die Debatte um Eintrittsgelder

Bürgermeister Johann Riesenhuber kündigte an, dass Dürnstein künftig ein Zählsystem mit Lichtschranken und verpixelten Kameras erhalten soll, um die Besucherströme exakt zu erfassen. Wir werden keine Überwachungsgemeinde, erklärte Riesenhuber, man wolle jedoch genau wissen, wie viele Personen sich an welchen Standorten aufhalten, um geführte Gruppen bei Bedarf auf andere Wege leiten oder in der Hauptsaison Slots einführen zu können.

Wir werden keine Überwachungsgemeinde.

Johann Riesenhuber (ÖVP), Bürgermeister von Dürnstein

Aus dem Publikum kam der Vorschlag, Kreuzfahrtgäste über eine Abgabe an den Infrastrukturkosten zu beteiligen. Cornelia Dlabaja, Professorin für nachhaltige Stadt- und Tourismusentwicklung an der Fachhochschule der WK Wien, warnte jedoch vor Eintrittsgeldern als vermeintlicher Universallösung. Sie verwies auf Vergleiche mit Hallstatt und Venedig, wo sich Bewohner wegen solcher Maßnahmen oft wie Insassen eines Zoos oder wie ein Disneyland fühlen würden. Stattdessen sprach sie sich dafür aus, die Folgekosten stärker bei großen touristischen Anbietern einzuheben. Auch Manfred Traunmüller, Geschäftsführer der Donau Touristik GmbH, lehnte direkte Eintrittsgelder für Gäste ab.

Wie viel Tourismus verträgt Österreich? | Fokus Europa
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.