Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat nach Verzögerungen das Bestellverfahren für aktualisierte COVID-19-Impfstoffe im Rahmen des Bundesprogramms für Kinder freigegeben. Landesweite Gesundheitsbehörden hatten zuvor kritisiert, dass der fehlende Zugang für einkommensschwache Familien ein gefährliches Zwei-Klassen-System bei der Immunisierung schaffe.
Gesundheitsämter in den Vereinigten Staaten warteten auf grünes Licht aus Washington. Während der Zugang zu den angepassten COVID-19-Vakzinen über den privaten Markt bereits funktionierte, blieb das staatliche Bestellverfahren für das Bundesprogramm blockiert. Nach Angaben aus dem Bundesgesundheitsministerium HHS ist die Blockade inzwischen behoben und die Online-Bestellplattform für die Bundesstaaten geöffnet.
Verzögerter Start im Programm für Kinder
Das sogenannte Vaccines for Children-Programm deckt mehr als die Hälfte aller Kinder in den USA ab. Dazu zählen Jungen und Mädchen ohne Krankenversicherung, unterversicherte Minderjährige, Medicaid-Berechtigte sowie American Indians oder Alaska Natives. Die betroffenen Familien erhalten durch die Initiative kostenlose Schutzimpfungen. Obwohl die CDC die aktualisierten Vakzine im August freigegeben hatte und Hersteller die Dosen seit mindestens September auslieferten, standen die kostenlosen Bestände für die Bundesstaaten zunächst nicht bereit.
In Kalifornien, Georgia, New York, Pennsylvania und South Carolina bestätigten die örtlichen Gesundheitsbehörden den Mangel an öffentlich finanzierten Impfstoffen. Beth Deines, Sprecherin des kalifornischen Gesundheitsministeriums, erklärte gegenüber dem Fachportal CIDRAP News, dass Arztpraxen im Bundesstaat zwar privat gekaufte Dosen erhalten hätten, die Kontingente für das staatliche VFC-Programm jedoch fehlten. Ebenso blieben Bestellungen über das Bundesprogramm 317 für unterversicherte Erwachsene vorerst blockiert.
Kritik an drohender Zweiklassenmedizin
Führende Vertreter von Impforganisationen warnten vor den ethischen und organisatorischen Konflikten, in die Mediziner durch den verspäteten Start gerieten. Claire Hannan, Geschäftsführerin der Vereinigung der Impf-Manager AIM, betonte, dass der gleichzeitige Zugang für alle Bevölkerungsschichten oberste Priorität haben müsse.

Ähnlich äußerte sich Dr. Michelle Fiscus, die leitende Medizinerin der AIM. Sie verwies darauf, dass Familien bereits im Vorjahr ähnliche zeitliche Hürden hinnehmen mussten, als staatlich finanzierte Impfstoffe erst am 6. Oktober, also 40 Tage nach der Zulassung, eintrafen. Diese zeitliche Verschiebung benachteilige einkommensschwache Haushalte.
Für Kinderärzte bedeute dies eine erhebliche Belastung. Praxen stünden vor dem Dilemma, entweder ausschließlich privat versicherte Patienten zu impfen und bedürftige Familien abzuweisen oder die Impfungen für alle Patienten zurückzuhalten, bis die Bundeslieferungen eintreffen.
Hintergrund der Verzögerung und aktuelle Empfehlungen
Konkrete Gründe für die Verzögerung nannte das Bundesgesundheitsministerium HHS auf konkrete Anfragen nicht. Emily Hilliard, Sprecherin der Behörde, verwies stattdessen auf die saisonalen Besonderheiten des Coronavirus. Das SARS-CoV-2-Virus folge keinem starren Infektionsmuster wie die Influenza, sondern zirkuliere das ganze Jahr über. Ein willkürlicher Termin im September tauge daher nicht als fixer Stichtag für die Beschaffung, so das Ministerium.

Die Verteilung der Impfstoffe erfolgt zudem vor dem Hintergrund politischer und regulatorischer Reibungen. Nach früheren Kontroversen um die Empfehlungspraxis der Behörden wurden die Vorgaben modifiziert. Laut den offiziellen Richtlinien, die durch eine Entscheidung eines Bundesrichters im März in ihrer Form vom Juli 2025 bestätigt wurden, gilt für den Zeitraum 2026 bis 2027 ein differenzierter Ansatz. Demnach wird die Impfung für Minderjährige zwischen sechs Monaten und 17 Jahren bei moderater bis schwerer Immunsuppression empfohlen, während für gesunde Kinder eine individuelle ärztliche Beratung im Vordergrund steht.
Unabhängige medizinische Fachgesellschaften wie die American Academy of Pediatrics bewerten den Bedarf teilweise breiter und raten zu einer Absicherung für Kleinkinder und Risikogruppen. Mit der nun freigegebenen staatlichen Online-Bestellung können die Bundesstaaten die logistischen Rückstände aufarbeiten.
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