Nach dem Wahlsieg der Linken bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl geraten die Pläne zur Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen in die Kritik. Während Spitzenkandidatin Elif Eralp enteignungsbasierte Koalitionsverhandlungen anstrebt, warnen Wirtschaftsvertreter wie der ehemalige Trigema-Chef Wolfgang Grupp vor den wirtschaftlichen Folgen.
Der unerwartete Wahlerfolg der Linken in der Hauptstadt schlägt hohe Wellen weit über die Landesgrenzen hinaus. Mit einem starken Ergebnis von 25,7 Prozent der Stimmen wurde die Partei bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am Sonntag stärkste Kraft und schnitt damit doppelt so stark ab wie bei der vorherigen Wahl im Jahr 2023, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete. Hinter der Linken folgen die CDU mit 18,8 Prozent, die AfD mit 16,3 Prozent, die Grünen mit 14,3 Prozent und die SPD mit 12,1 Prozent.
Im Zentrum der politischen Debatte stehen nun die Regierungsoptionen und vor allem die Vorhaben der Linken im Bereich der Wohnungspolitik. Spitzenkandidatin Elif Eralp, die als erste Regierende Bürgermeisterin ihrer Partei das Rote Rathaus ansteuern könnte, plant, die Vergesellschaftung von Wohnungen großer Konzerne gegen Entschädigung in den Mittelpunkt möglicher Koalitionsverhandlungen zu stellen. Sie stützt sich dabei auf den erfolgreichen Volksentscheid aus dem Jahr 2021.
Wolfgang Grupp kritisiert Enteignungspläne scharf
Prominenter Widerspruch kam umgehend aus der deutschen Wirtschaft. Der langjährige Trigema-Chef Wolfgang Grupp äußerte sich in der Bild-Zeitung äußerst kritisch zu den Plänen der Linken in der Hauptstadt.
„Wohnungsunternehmen einfach zu enteignen, kann nicht sein. In einer Marktwirtschaft kann man niemanden enteignen, nur weil sein Unternehmen gut läuft.“
Wolfgang Grupp, ehem. Trigema-Chef
Gleichzeitig forderte der 84-jährige Unternehmer jedoch auch mehr Verantwortung von der Immobilienwirtschaft ein. Großkonzerne müssten für ihr Handeln geradestehen und haften. Zudem betonte er mit Blick auf die Preisentwicklung, dass beim Wohnungsbau und bei den Mieten nicht alles immer teurer werden dürfe und es gerecht zugehen müsse, wie die Südwest Presse darlegte.
Warnungen aus der Immobilienwirtschaft und von Wirtschaftsverbänden
Die Reaktionen aus der Bau- und Immobilienbranche fielen alarmiert aus. Vertreter verschiedener Verbände und Unternehmen befürchten gravierende Rückwirkungen auf den Wohnungsmarkt und den Investitionsstandort Deutschland.
Dirk Salewski, Präsident des Immobilienverbandes BFW, berichtete gegenüber dem Münchner Merkur von einem bereits beobachteten Kapitalabzug. Investitionen würden zunehmend in andere europäische Metropolen wie Warschau fließen statt nach Berlin.
Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes HDB, bemängelte zudem die finanziellen Folgen von Entschädigungszahlungen, da dieses Kapital letztlich für den dringend benötigten Neubau von Wohnungen fehle. Ähnlich äußerte sich Vonovia-Chef Luka Mucic in der Bild, der betonte, dass eine Vergesellschaftung keine einzige neue Wohnung schaffe.
Forderungen nach Reformen und rechtlichen Schritten auf Bundesebene
Die Wahlergebnisse und die politischen Verschiebungen in Berlin erhöhen auch den Druck auf die Bundesregierung. Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), rief die Bundespolitik zu einer entschlossenen Reformoffensive auf. Wer sich vor notwendigen Schritten wegducke, stärke am Ende nur die politischen Ränder, erklärte sie gegenüber Bild.
Auf Bundesebene plant die Union unterdessen, den Plänen per Gesetz einen Riegel vorzuschieben. CSU-Generalsekretär Martin Huber bezeichnete die Vorhaben als ein sozialistisches Himmelfahrtskommando
und forderte die rasche Umsetzung eines Beschlusses des Koalitionsausschusses vom Juli, der Immobilien-Enteignungen per Bundesgesetz ausschließen soll, um das Eigentum zu schützen. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte an, diese gesetzlichen Schritte zügig voranzutreiben, um internationalen Investoren die nötige Planungssicherheit zu geben.
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