Nach dem deutschen WM-Debakel kritisiert Matthias Sammer die DFB-Elf scharf für fehlenden Siegeswille und mangelnde Mentaltät. Gleichzeitig liefert er sich einen öffentlichen Schlagabtausch mit Oliver Bierhoff über die Verantwortung für flache Hierarchien, während er dem künftigen Bundestrainer Jürgen Klopp volle Unterstützung anbietet.
Die deutsche Nationalmannschaft leidet nach Ansicht von Matthias Sammer unter grundlegenden Defiziten in Sport und Einstellung. In einem Interview der „Zeit“ übte der 58-jährige Fußball-Europameister von 1996 heftige Kritik an den jüngsten Auftritten der DFB-Auswahl.
Man hat versucht, nach den Regeln möglichst großer Bequemlichkeit und Zufriedenheit etwas Außergewöhnliches zu erreichen. Das kann im Sport und im Leben nicht funktionieren
, sagte der 58-jährige Fußball-Europameister von 1996 der „Zeit“ zum deutschen WM-Debakel.
Bei der DFB-Elf könne er gar nichts mehr erkennen, weder sportlich noch mental
, sagte Sammer über die Mannschaft, die Anlass gebe, den Begriff Hilflosigkeit neu zu definieren
. Besonders schwer wiege bei ihm der Eindruck, dass unserer Mannschaft der unbedingte Siegeswille fehlt
. Eher hätte er sich eine Herangehensweise wie jene der Argentinier gewünscht, deren Spielweise ihm lieber sei als das, was er im Moment bei der deutschen Mannschaft sehe.
Sammers Abrechnung mit flachen Hierarchien im DFB
Die Debatte um den Zustand des deutschen Fußballs führte zu einer direkten Auseinandersetzung mit dem ehemaligen DFB-Direktor Oliver Bierhoff. Zuvor hatte der 58-jährige Oliver Bierhoff den Mangel an Persönlichkeiten und Charakter in der Nationalmannschaft kritisiert, was Matthias Sammer in der Sky-Show „Sammer&Basile – Der Hagedorn Talkauf die Frage von Moderator Riccardo Basile scharf erwiderte.
„Es ist nicht lange her, da hieß es auch von seiner Seite aus, wir brauchen in Deutschland flache Hierarchien. (…) Ich war immer ein Verfechter, dass es die Typen Leader, Teamplayer und Individualisten gibt und wenn du die alle auch in der Argumentation gleich behandeln willst und auch in der Stellung, in der Kabine auf dem Feld, dass die alle gleich sein sollen, dann brauchen wir uns doch heute nicht beschweren. Wir brauchen uns heute nicht zu beschweren, zu sagen, da fehlen uns ein paar Typen.“
Matthias Sammer, in der Sky-Show „Sammer&Basile – Der Hagedorn Talk“
Sammer bezeichnete flache Hierarchien im Leistungssport als einen der kapitalsten Fehler, die je begangen wurden
und nannte dies eine Katastrophe
. Auf die Nachfrage des 34-jährigen Moderators Riccardo Basile, ob Oliver Bierhoff dafür verantwortlich sei, antwortete Sammer: „Natürlich ist er ein Stück weit dafür verantwortlich.“ Er erinnerte daran, dass er 2006 in den Verband gekommen sei und sich 2007 gefragt habe, warum alle im Verband so lieb und nett seien: „Also das ist Leistungssport, da geht es auch mal rau zu, da muss es auch im Training mal scheppern, da muss es in der Kabine mal scheppern. Sammer war von 2006 bis 2012 Sportdirektor beim DFB, während Oliver Bierhoff von 2004 bis 2022 Direktor Nationalmannschaft und ab 2018 auch für die Nachwuchs-Akademie zuständig war.
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Oliver Bierhoff konterte die Vorwürfe gegenüber BILD und erklärte: „Die Spieler kommen aus einem bestimmten System. Er wie ich waren Teil des Systems. Also kann sich keiner von da herausstehlen.
Inhaltliche Hilfe und Unterstützung für Jürgen Klopp
Trotz der deutlichen Kritik bot Sammer den beiden wichtigsten Vertretern des DFB an, inhaltlich bei aus seiner Sicht notwendigen Veränderungen mitzuwirken, um unter anderem eine neue Leistungskultur und eine neue Ausbildung junger Spieler zu fördern. „Aber es geht nicht um eine Funktion oder einen Posten für Matthias Sammer, sondern um Inhalte. Da kenne ich mich aus, weil ich die schon einmal sechseinhalb Jahre lang vermitteln durfte. Am Ende stand der WM-Titel 2014“, so Sammer.”
Volles Vertrauen setzt Sammer derweil in den künftigen Bundestrainer Jürgen Klopp. „Klopp ist genau der Richtige für diese Position“, sagte er. Der frühere Trainer von Borussia Dortmund und des FC Liverpool stehe für etwas Physisches, hohes Tempo sowie eine klare Spielidee mit und gegen den Ball. Er besitze Aura und Autorität und wisse auch, dass er als Bundestrainer künftig nicht mehr in der täglichen Trainingsarbeit stecke, sondern auf das angewiesen sei, was in der Pyramide und in der Nachwuchsarbeit unter ihm geschehe.”
| Akteur | Funktion im DFB-Zeitraum | Kernposition zur Nationalmannschaft |
|---|---|---|
| Matthias Sammer | Sportdirektor (2006–2012) | Kritisiert fehlenden Siegeswille, fordert klare Hierarchien und will inhaltlich helfen. |
| Oliver Bierhoff | Direktor Nationalmannschaft (2004–2022) | Kritisierte den Mangel an Persönlichkeiten; verweist darauf, dass beide Teil des früheren Systems waren. |
| Jürgen Klopp | Künftiger Bundestrainer | Wird von Sammer als idealer Kandidat mit klarer Spielidee und hoher Autorität bewertet. |
Obwohl er und der künftige Bundestrainer sich persönlich vielleicht „nicht immer grün“ gewesen seien, betonte Sammer, dass es jetzt „nicht um Klopp oder Sammer oder irgendwelche Eitelkeitengehe. „Jetzt geht es um den deutschen Fußball!
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