September 2026 erstmals in Kanada eingesetzt. Das neue Verfahren zur Behandlung von Vorhofflimmern verspricht präzisere Energieabgabe und reduzierte Strahlenbelastung bei minimalinvasiven Eingriffen.
Vorhofflimmern zählt zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen und betrifft allein in Kanada zwischen 500,000 und nahezu einer Million Menschen, wie Berichte zeigen. Unbehandelt birgt die Erkrankung ernsthafte Risiken. Menschen mit Vorhofflimmern haben ein 3- bis 5-mal höheres Risiko für einen ischämischen Schlaganfall, da der unregelmässige Herzschlag die Blutgerinnung im Vorhof begünstigt. Auch das Risiko für Herzinsuffizienz steigt bei chronischem Verlauf deutlich an.
Premiere am McGill University Health Centre mit dem Volt PFA System
Am 15. September 2026 kam Abbotts Volt™ Pulsed Field Ablation System in Montreal zum ersten Mal zum klinischen Einsatz in Kanada. Die Technologie basiert auf einer charakteristischen Ballon-in-Korb-Konstruktion. Sie nutzt gepulste elektrische Hochfrequenzfelder, um zielgenau jene Herzbereiche zu veröden, die die Fehlstromsignale auslösen.
Dr. Atul Verma, M.D., director of cardiology at the McGill University Health Centre in Montreal, betonte den zeitlichen Faktor bei der Behandlung: "Atrial fibrillation doesn’t stand still–earlier intervention means we have a better chance of improving long-term outcomes for our patients. In practice, we’re looking for technologies that are not only safe, but that can help make procedures more consistent and efficient. Innovations like Volt are notable for combining real-time feedback with a distinctive catheter design, which may help optimize contact and energy delivery during procedures." Er verwies zudem darauf, dass die Kombination aus Echtzeit-Feedback und neuartigem Katheterdesign helfe, den Gewebekontakt während des Eingriffs zu optimieren.
Klinische Evidenz und weitere Verfahren
Die Zulassung des Systems stützt sich auf klinische Studien. Parallel dazu liefern internationale Fachpublikationen neue Einblicke in die Nachsorge und verschiedene Ablationstechniken. Nach Angaben von Oberarzt Dr. Robert Schönbauer von der MedUni Wien liegt die Prävalenz der Rhythmusstörung derzeit bei zwei bis vier Prozent, wobei eine Erhöhung um das 2,3-Fache erwartet werde. Jede dritte Person in Europa ab 55 Jahren werde im Laufe des weiteren Lebens betroffen sein, während betroffene Patienten unter Pulswerten von bis zu 200 Schlägen pro Minute leiden können.
Neue Daten der im Fachjournal Lancet veröffentlichten PVI-SHAM-AF-Studie (Registrierungsnummer NCT05119231) liefern zudem Erkenntnisse zur Katheterablation. Die von Helios Gesundheit finanzierte randomisierte Untersuchung schloss 262 Patienten mit symptomatischem paroxysmalem oder persistierendem Vorhofflimmern ein. Das Medianalter der Kohorte lag bei 67 Jahren (Interquartilsabstand 62 bis 73 Jahre), 51 Prozent der Teilnehmenden waren weiblich. Dabei erhielten 173 Patienten eine Katheterablation und 89 eine Scheinprozedur (Sham). Nach sechs Monaten zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied bei der krankheitsspezifischen Lebensqualität, gemessen mit dem AFEQT-Score (Hodges-Lehmann-Schätzer 2,6; 95%-Konfidenzintervall -2,7 bis 8,0; p=0,36).
Gleichzeitig verzeichnen neue technische Verfahren Fortschritte. Field Medical veröffentlichte in JACC: Clinical Electrophysiology (DOI: 10.1016/j.jacep.2026.09.001) die bei der Konferenz HRX Live 2026 vorgestellten Zwölf-Monats-Ergebnisse der First-in-Human-Studie Field PULSE zur hochvolt-fokalen Pulsfeldablation (PFA). Das Verfahren erzielte mit einer optimierten Wellenform eine Per-Vein-PVI-Durabilität von 94,2 Prozent. Nach zwölf Monaten lag die Freiheit von Vorhofarrhythmien bei 80 Prozent, primäre Sicherheitsereignisse traten nicht auf.
Antikoagulation nach dem Eingriff: Die ALONE-AF-Studie
Aktuelle Leitlinien empfehlen die Fortführung einer oralen Antikoagulation nach einer Ablation von Vorhofflimmern entsprechend dem Schlaganfallrisiko des Patienten und nicht nach dem wahrgenommenen Erfolg des Eingriffs. In der ALONE-AF-Studie führte das Absetzen der oralen Antikoagulation bei Patienten ohne dokumentierte Rückfälle von Vorhofarrhythmien für mindestens 12 Monate nach der Ablation zu einem geringeren Risiko für Schlaganfälle, systemische Embolien oder schwerwiegende Blutungen als die Fortführung der Therapie.
Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Hot-Line-Sitzung auf dem ESC Congress 2025 vorgestellt und gleichzeitig in The Journal of the American Medical Association veröffentlicht. Dazu erklärte der Studienleiter (Principal Investigator), Professor Boyoung Joung von der Yonsei University in Seoul, Südkorea:
"Many patients who have had a successful ablation and have stroke risk factors remain on OAC for the rest of their lives, although there is no evidence from randomised trials to indicate that this is necessary. We compared direct OAC therapy with no OAC therapy among patients 1 year after successful AF ablation who had at least one risk factor for stroke."
Die offene, randomisierte Überlegenheitsstudie wurde an 18 Zentren in Südkorea durchgeführt. Die teilnehmenden Patienten hatten nicht-valvuläres Vorhofflimmern, sich einer ersten katheterbasierten Ablation unterzogen, zeigten für mindestens 12 Monate post-ablation keine Rezidive von Vorhofarrhythmien und wiesen mindestens einen Schlaganfallrisikofaktor auf der Grundlage des CHA2DS2-VASc-Scores auf (CHA2DS2-VASc ≥1 für Männer oder ≥2 für Frauen). Die Patienten wurden im Verhältnis 1:1 entweder direkt auf eine Therapie mit oralen Antikoagulanzien oder auf keine Antikoagulation randomisiert. Die Gruppe mit Antikoagulation erhielt Standarddosen von Apixaban, Rivaroxaban oder Edoxaban, sofern keine Dosisreduktionskriterien vorlagen.
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