Lidl Schweiz hat im Frühling 2026 das automatische Rappen-Abrunden bei bargeldlosen Zahlungen abgeschafft. Kunden entrichten seither den exakten Rechnungsbetrag, nachdem Konkurrent Aldi Suisse Ende 2025 einen ähnlichen Schritt ging. Parallel dazu schalten die SBB wegen Vandalismus an Billettautomaten rund 10 Prozent der Geräte vorübergehend von Bargeld auf Kartenzahlung um.
Lidl Schweiz beendet das Abrunden bei Kartenzahlungen
Als die deutschen Discounter Aldi und Lidl vor rund 20 Jahren die ersten Filialen in der Schweiz eröffneten, brachten sie auch eine andere Art der Preisgestaltung mit: Wo die Schweizer Konkurrenz beispielsweise 2.50 Franken verlangt hätte, setzten sie den Preis bei 2.49 Franken fest. Und sofern der Gesamtbetrag des Einkaufs mit einem Rappenbetrag schloss, der nicht auf eine Null oder auf eine Fünf endete, wurde abgerundet. Von der Öffentlichkeit bislang unbeachtet, hat Lidl Schweiz die langjährige Praxis im Frühling dieses Jahres stillschweigend eingestellt.
Seither wird bei allen Einkäufen, die die Kunden in den rund 200 Schweizer Lidl-Filialen bargeldlos bezahlen, kein abgerundeter Betrag mehr, sondern der exakter Rappenbetrag abgebucht. Lidl argumentiert mit «heutigem Marktstandard» und begründet die Umstellung gegenüber Blick damit, dass eine exakte Abrechnung bei elektronischen Transaktionen technisch problemlos möglich sei. Zudem schaffe dies Transparenz: «Die Kundinnen und Kunden bezahlen auf den Rappen genau den Gegenwert der Artikel, die sie tatsächlich im Einkaufskorb haben.»
Für die Konsumenten hat diese Transparenz allerdings einen Nachteil: Sie bezahlen mehr als beim vorherigen System. Wie hoch die Mehreinnahmen sind, die man durch die Änderung on Kosten der Kundschaft erzielt, sagt Lidl nicht. Hinweise darauf hat der Discounter im Jahr 2020 jedoch in einer Medienmitteilung gegeben. Damals feierte der Schweizer Ableger des deutschen Discounters seine Praxis des Abrundens auf den nächsten Fünferwert und schrieb: «Über ein Jahr betrachtet, sammelt sich durch dieses System ein beträchtlicher Betrag an. Im vergangenen Jahr wurde die Millionenmarke erstmals überschritten und Lidl Schweiz hat über 1,1 Millionen Franken verschenkt.»
Aldi Suisse ging vorangegangene Schritte im Herbst 2025
Solche Geschenke macht Lidl den Schweizer Kundinnen und Kunden jetzt nicht mehr – und folgt damit dem Beispiel der Konkurrenz: Aldi Suisse hat die Praxis des Abrundens bereits Ende Oktober 2025 bei digitalen Zahlungen abgeschafft. Für besonders Preisbewusste gibt es jedoch einen einfachen Trick, Aldi oder Lidl ein Schnippchen zu schlagen: Sie müssen beim Bezahlen lediglich zu Bargeld greifen. Da der Fünfräppler die kleinste Münze im Schweizer Zahlungsverkehr ist, bleibt den Discountern nichts anderes übrig, als weiter abzurunden, sobald mit Noten oder Münzen bezahlt wird. Das Aufrunden von Endbeträgen verbietet das Staatssekretariat für Wirtschaft dem Detailhandel.
Obwohl sie beim Zahlen mit Bargeld ein paar Rappen sparen könnten, begleichen bei Lidl Schweiz mittlerweile drei von vier Kunden die Rechnung per Karte, Smartphone oder Twint. Auch bei Aldi Suisse heisst es, die Mehrheit der Zahlungen würde digital abgewickelt.
SBB reagiert auf Vandalismus mit Bargeld-Stopp an Automaten
Nicht nur im Detailhandel verändert sich der Umgang mit Bargeld, sondern auch an den Bahnhöfen. Rund 100 SBB-Billettautomaten – jeder zehnte – nehmen seit Mai 2026 kein Bargeld mehr an. Grund sind vermehrte Aufbrüche der Münz- und Notenfächer, die mehrere Geräte so stark beschädigten, dass sie ersetzt werden mussten.

Wie Sabrina Schellenberg auf Anfrage schreibt, verzeichnet die SBB derzeit vermehrt Fälle von Aufbrüchen an Billettautomaten. «Mehrere Geräte wurden so stark beschädigt, dass sie ersetzt werden mussten, bei weiteren Geräten wurde die Bargeldannahme präventiv deaktiviert», so die SBB-Sprecherin. Betroffen seien aber nicht gleich mehrere Hundert, sondern total rund 100 Geräte, so Schellenberg zu 20 Minuten. Damit würde der Bargeldstopp etwa jeden zehnten SBB-Automaten betreffen – wie blue news berichtet, gibt es in der Schweiz derzeit noch gut 1000 Billettautomaten. Bis jetzt habe man die Bargeldfunktion noch an keinem Automaten reaktiviert, schreibt die SBB-Sprecherin weiter.
Notlösungen für barzahlende Reisende im Bahnverkehr
Für Reisende, die Bargeld bevorzugen, gibt es aber eine Notlösung: «Kundinnen und Kunden, die mit Bargeld bezahlen möchten, können in einem SBB-Reisezentrum eine übertragbare Prepaid-Card beziehen und mit Bargeld aufladen», so Schellenberg. Denn die Automaten selbst sind weiterhin in Betrieb – mit der Karte erhalten Kundinnen und Kunden also weiterhin Billette, ohne auf elektronische Zahlungen setzen zu müssen.
