Großbritanniens Verteidigungsministerium verzeichnete im Jahr bis August 2026 insgesamt 340 Sicherheitsvorfälle mit Drohnen über oder nahe militärischer Anlagen. Die zunehmenden Zwischenfälle ereignen sich vor dem Hintergrund wachsender Spannungen mit Russland und Iran, während die Regierung betont, die Bedrohung ernst zu nehmen und Millionenbeträge in die Abwehr zu investieren.
Sicherheitsdaten zeigen eine drastische Zunahme von unbemannten Flugobjekten im Luftraum sensibler Einrichtungen. Allein in den zwölf Monaten bis August 2026 wurden 340 Vorfälle registriert, wie aus Unterlagen hervorgeht, die über eine Informationsfreiheitsanfrage eingeholt wurden. Zum Vergleich: Im Jahr 2025 waren es 250 gemeldete Fälle gewesen, was damals bereits fast einer Verdopplung gegenüber den 126 Vorfällen des Vorjahres entsprach.
Reaktionen und politische Warnungen im britischen Parlament
Der ehemalige konservative Verteidigungsminister und Armeeveteran Tobias Ellwood erklärte gegenüber The Independent, dass die britische Militärinfrastruktur zunehmend als Ziel wahrgenommen werde. Er warnte davor, dass gegenwärtig passive Beobachtungsdrohnen leicht mit einer kinetischen Komponente versehen werden könnten, um tödliche Angriffe auszuführen.
Ellwood kritisierte zudem das Tempo der Maßnahmen: All this points to the fact that we are not taking the rise in threat levels that our European cousins are addressing seriously at all
, mahnte er an. Die britische Staatssekretärin für Verteidigung, Louise Sandher-Jones, hielt dem entgegen, dass die Regierung die Bedrohung durch feindliche Drohnen über militärischen Einrichtungen sehr ernst
nehme.
Millioneninvestitionen und neue Luftraumbeschränkungen
Um dem steigenden Risiko zu begegnen, hat das Verteidigungsministerium (MoD) Luftraumbeschränkungen veranlasst. Im vergangenen Februar wurden entsprechende Regeln über 44 strategischen Militärstandorten in Kraft gesetzt; für weitere 160 Standorte ist ein Inkrafttreten im Herbst vorgesehen. Nach Regierungsangaben stützt sich die Luftverteidigung des Landes auf Einheiten der Royal Navy, der Army und der Royal Air Force. Für die Bekämpfung von Drohnen- und Raketenbedrohungen im Inland sowie an nahegelegenen Überseestützpunkten wurden 790 Millionen Pfund bereitgestellt.
Das Verteidigungsministerium betonte, die nationale Sicherheit bleibe die oberste Pflicht der Regierung. Ein Regierungssprecher erklärte: The public should be reassured that the UK and its allies remain vigilant against potential threats and adversaries should be in no doubt about this Government’s resolve to stand against aggression towards the UK and our allies
, und fügte hinzu, Russland teste die britischen Verteidigungslagen kontinuierlich aus, auch wenn man derzeit nicht davon ausgehe, dass der Kreml eine direkte Konfrontation mit der NATO suche.
Moskaus Warnungen und britische Rüstungslieferungen an die Ukraine
Die sicherheitspolitische Lage ist eng mit dem Krieg in der Ukraine verknüpft. Das russische Außenministerium bestellte die britische Vize-Missionschefin in Moskau, Danae Dholakia, ein, um offiziell gegen die Lieferung von Drohnen und anderen Waffen an Kiew zu protestieren. Moskau drohte mit Gegenmaßnahmen und erklärte laut LBC, dass britische Einrichtungen in der Ukraine, die für Angriffe auf russisches Territorium genutzt werden, als legitimate targets
angesehen würden.

Das Foreign Office wies diese Darstellung entschieden zurück und warf Moskau vor, von dem im Februar 2022 begonnenen Einmarsch in die Ukraine ablenken zu wollen. London bekräftigte seine Unterstützung für Kiew: We are committed to providing the equipment Ukraine needs to defend itself and will not let up on our support to secure a just and lasting peace
, so ein Sprecher des Außenministeriums.
Parallel dazu treibt Großbritannien seine Rüstungshilfen voran. Bis zum Jahresende sollen mehr als 120.000 Drohnen an die Ukraine geliefert werden, von denen bereits 25.000 übergeben wurden. Darunter befinden sich sowohl Abfangdrohnen zur Zerstörung unbemannter Aufklärungsflugzeuge als auch Angriffssysteme. Zudem hat London dem Rüstungsunternehmen MBDA gestattet, klassifizierte Informationen über Komponenten der Marschflugkörper vom Typ Storm Shadow freizugeben, um eine lokale Fertigung dieser bereits gegen russische Ziele eingesetzten Waffe in der Ukraine zu ermöglichen.
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