Iran hat einen schwedischen Diplomaten am 18. September 2026 zu einer Frist von 48 Stunden zum Verlassen des Landes aufgefordert.
Die diplomatischen Spannungen zwischen Stockholm und Teheran haben sich nach einer gegenseitigen Ausweisung von Diplomaten drastisch verschärft. Nur einen Tag nachdem die schwedische Regierung einen iranischen Botschaftsbeamten zum Verlassen des Landes aufgefordert hatte, zog das Außenministerium in Teheran nach. Die schwedische Maßnahme wurde von den iranischen Behörden als unbegründet kritisiert.
Das Treffen im Außenministerium und der iranische Gegenschlag
Alireza Yousefi, der Leiter der Abteilung für Westeuropa im iranischen Außenministerium, bestellte den schwedischen Botschafter in Teheran ein, um den offiziellen Protest zu übermitteln. Nach Angaben der Nachrichtenagentur IRNA warf das Ministerium der Regierung in Stockholm vor, zerstörerische Maßnahmen zu ergreifen und anti-iranische Gruppierungen zu beherbergen.
In dem Gespräch wurde dem schwedischen Diplomaten eine Frist von 48 Stunden gesetzt, um das iranische Staatsgebiet zu verlassen. Teheran begründete den Schritt als notwendige und gegenseitige Maßnahme zum Schutz der eigenen nationalen Interessen.
Das iranische Außenministerium erklärte, dass die Aktion der schwedischen Regierung das Ergebnis des Einflusses des zionistischen Regimes sei und einen Versuch darstelle, die normalen Aktivitäten der Botschaft der Islamischen Republik Iran in Stockholm zu stören. Außenministerium, Teheran, via Al Jazeera
Zudem verwies Teheran auf das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen aus dem Jahr 1961 und warnte davor, dass eine Beeinträchtigung der Botschaftsarbeit völkerrechtliche Konsequenzen für Stockholm nach sich ziehen werde.
Stockholms Beweggründe und die Rolle krimineller Netzwerke
Die schwedische Seite hatte ihrerseits am Mittwoch den iranischen Botschafter einberufen. Das schwedische Außenministerium begründete die Ausweisung des Diplomaten mit Aktivitäten, die nicht mit den Bestimmungen des Wiener Übereinkommens vereinbar seien.
Die schwedische Außenministerin Maria Malmer Stenergard betonte, dass der Entschluss zum Schutz der Bürger und Interessen des Landes getroffen wurde. Deutlicher wurde der schwedische Justizminister Gunnar Strommer, der im schwedischen Fernsehen erklärte, dass die Aktivitäten des betroffenen Diplomaten in direktem Zusammenhang mit Bedrohungen gegen jüdische und israelische Interessen stünden.
Wir wissen, dass Iran über einen langen Zeitraum Aktivitäten durchgeführt hat, die die Sicherheit in und gegen Schweden bedrohen. Gunnar Strommer, Justizminister Schwedens, via Al Jazeera
Er fügte hinzu, dass der iranische Staat für diese Zwecke auch auf kriminelle Netzwerke zurückgreift, um seine Ziele auf schwedischem Boden zu erreichen.
Vorgeschichte der diplomatischen Konfrontationen
Der aktuelle Eklat reiht sich in eine Serie schwerer diplomatischer Konflikte zwischen den beiden Staaten ein.

Ein markanter Wendepunkt ereignete sich im Juni 2024, als die schwedischen Staatsbürger Johan Floderus und Saeed Azizi im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassen wurden. Im Gegenzug kehrte Hamid Nouri nach Iran zurück, ein früherer iranischer Gefängnisbeamter, der in Schweden zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden war.
Nouri war im November 2019 am Flughafen Stockholm festgenommen worden. Die schwedischen Behörden hatten ihn auf Grundlage des Universalitätsprinzips wegen seiner Verwicklung in Massenhinrichtungen politischer Gefangener in Iran aus dem Jahr 1988 vor Gericht gestellt und verurteilt.
Die Spannungen vertieften sich im Juli 2025 weiter, als Schweden gemeinsam mit mehreren europäischen Staaten, den USA und Kanada den iranischen Staat öffentlich beschuldigte, gezielte Komplotte zur Einschüchterung, Entführung und Belästigung von Dissidenten, Journalisten und Aktivisten im Ausland zu steuern.
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