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Technik und Wissenschaft

Bolt und Lucid planen Autonome Flotte von bis zu 100.000 Fahrzeugen

Der US-Elektroautobauer Lucid Group und die europäische Mobilitätsplattform Bolt haben am 17. September 2026 eine strategische Partnerschaft angekündigt. Bolt plant den Einsatz von mindestens 25.000 autonomen Lucid-Fahrzeugen in europäischen Großstädten. Das Vorhaben ist Teil eines langfristigen Ausbaus der autonomen Flotte auf 100.000 Fahrzeuge bis 2035.

Die strategische Partnerschaft zwischen der Lucid Group, Inc. (NASDAQ: LCID) und der estnischen Mobilitätsplattform Bolt markiert einen bedeutenden Schritt für den Markt der geteilten Mobilität in Europa. Bolt kündigte an, im Rahmen der Kooperation mindestens 25.000 vollautonome Fahrzeuge in mehreren europäischen Metropolen und Ländern einzusetzen. Das Projekt stützt sich auf die nächste Fahrzeugplattform des Herstellers, die Plattform Midsize, und soll das Unternehmen seinem Ziel näherbringen, bis 2035 insgesamt 100.000 autonome Fahrzeuge auf der Bolt-Plattform zu betreiben.

Die Kombination von Lucids softwaredefinierter Fahrzeugplattform und Bolts Erkenntnissen aus europäischen Daten, der Betriebsinfrastruktur sowie der Mobilitätsexpertise ermöglicht beiden Unternehmen die Entwicklung und Einführung autonomer Mobitätsdienste in großem Maßstab.

Technologische Basis und NVIDIA Hyperion

Das autonome Fahrsystem der geplanten Flotte baut auf einer serienreife Referenzarchitektur auf. Wie die Unternehmen mitteilten, setzen die Fahrzeuge auf NVIDIA Hyperion: eine serienreife Referenzarchitektur und Entwicklungsplattform für autonome Fahrzeuge, die leistungsstarke Rechensysteme mit einer standardisierten Sensorik verbindet. Die gemeinsame Produktentwicklung zielt auf eine für autonome Fahrsysteme (ADS) ausgelegte Fahrzeugplattform nach SAE Level 4 ab.

Auf Seiten des US-Elektroautobauers leitet die neu gegründete Einheit Lucid Technologies die Arbeiten, in der das Unternehmen seine Kompetenzen in den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI), Fahrerassistenz (ADAS), Autonomes Fahren und weitere digitale Technologien bündelt. Lucid Technologies soll die unternehmenseigenen Lösungen weiterentwickeln und deren Kommerzialisierung vorantreiben.

Bolt verantwortet das Projekt über seine auf autonomes Fahren spezialisierte Einheit Bolt Autonomous Driving Solutions. Diese entwickelt gemeinsam mit Partnern autonome Mobilitätslösungen für Europa, integriert die dafür erforderlichen Technologien und bringt sie in den kommerziellen Betrieb. Bolts Rolle reicht dabei von der Produktentwicklung bis zum späteren Betrieb der Fahrzeuge, wobei das Unternehmen Anforderungen an die Fahrzeuge sowie Vorgaben für Software, Sicherheit und Fahrgasterlebnis mitentwickelt. Darüber hinaus wird Bolt die für den großflächigen Einsatz erforderliche Flotteninfrastruktur und die entsprechenden Betriebssysteme aufbauen sowie Partnerschaften mit Städten etablieren, während das Unternehmen beabsichtigt, die Flotte selbst zu besitzen und zu betreiben.

Marktstrategie und europäische Regulierungen

Die Automobilindustrie sieht sich in Europa einem wachsenden Wettbewerb aus den USA und China gegenüber, während Europa daran arbeitet, eigene Kompetenzen beim autonomen Fahren aufzubauen. Bolt-CEO Markus Villig betonte die besonderen Herausforderungen auf dem europäischen Markt im Gespräch mit Reuters.

Bolt und Lucid planen Autonome Flotte von bis zu 100.000 Fahrzeugen
Photo: ch.marketscreener.com

„Wir glauben, dass es auf Dauer Platz für Mio. Robotaxis in Europa geben wird

Markus Villig, Gründer und CEO von Bolt, gegenüber Reuters

Gleichzeitig verwies Villig darauf, dass das größte Hindernis dabei die im Vergleich zu den USA und China deutlich strengere Sicherheitsregulierung in der Region sei. Europa habe „absolut das Potenzial“, die dafür notwendige Technologie zu entwickeln. Zugleich warnte Villig, eine langfristige Abhängigkeit von Importen aus konkurrierenden Märkten berge ein erhebliches strategisches Risiko. „Langfristig müssen wir diese Technologie innerhalb der EU für EU-Anforderungen nach lokalen Standards entwickeln, sagte Villig. „Es gibt in dieser Hinsicht schlicht niemanden, mit dem wir kooperieren könnten.

Lucid und Bolt werden mit weiteren Technologiepartnern für Autonomes Fahren sowie mit europäischen Regulierungsbehörden und politischen Entscheidungsträgern zusammenarbeiten, um die sichere und skalierbare Einführung autonomer Mobilitätsangebote in Europa voranzutreiben.

Unternehmensziele und Marktreaktion

Die Ankündigung sorgte unmittelbar für Bewegung an den Börsen. Die Aktien von Lucid stiegen im vorbörslichen US-Handel um 5,5 Prozent. Die Fahrzeuge sollen nach Angaben aus den Berichten in Lucids neuer Fabrik in Saudi-Arabien produziert werden, die Anfang nächsten Jahres den Betrieb aufnehmen soll.

Einblicke in Bolts autonome Strategie: 100.000 Robotaxis für Europas Straßen

Die Spitzenmanager beider Unternehmen unterstrichen die Bedeutung der Kooperation für ihre langfristige Ausrichtung.

„Autonome Shared Mobility bietet uns die ideale Möglichkeit unsere Technologie über das Privatkundengeschäft hinaus einzusetzen

Silvio Napoli, CEO Lucid

„Mit seiner Reichweite und operativen Erfahrung ist Bolt der ideale Partner, um autonome Mobilität in Europa in die Breite zu bringen. Gemeinsam wollen wir unseren Kundinnen und Kunden ein außergewöhnliches Mobilitätserlebnis bieten.

Bolt und Lucid planen Autonome Flotte von bis zu 100.000 Fahrzeugen
Photo: derstandard.at

Silvio Napoli, CEO Lucid

„Autonomes Fahren in Europa setzt voraus, dass Daten, Software, Fahrzeuge und Betrieb als ein Gesamtsystem zusammenspielen – zugeschnitten auf europäische Straßen und regulatorische Anforderungen

Markus Villig, Gründer und CEO von Bolt

„Lucid bringt dafür eine erstklassige technologische Plattform mit. Gemeinsam werden wir Fahrzeug und Software auf Grundlage unserer Daten und unserer mehr als zehnjährigen Erfahrung aus über 850 Städten entwickeln. Niemand verfügt über bessere Voraussetzungen, um autonome Mobilitätsangebote effizient und in großem Maßstab zu betreiben.

Markus Villig, Gründer und CEO von Bolt

Die Lucid Group, Inc. (NASDAQ: LCID) ist ein Technologieunternehmen, das durch Innovation außergewöhnliche Mobilitätserlebnisse schafft, um die Welt voranzubringen. Basierend auf Lucids firmeneigener Technologie und softwaredefinierten Fahrzeugarchitekturen bringt die Produktpalette des Unternehmens mit ihren preisgekrönten Fahrzeugen den Ansatz „Compromise Nothing™von Lucid in die Premium-Segmente des globalen Automobilmarktes.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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