Die britische Neobank Revolut hat bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma eine Schweizer Banklizenz beantragt und plant Investitionen von über 150 Millionen Franken in den kommenden fünf Jahren. Das Unternehmen bedient in der Schweiz bereits rund 1,3 Millionen Kundinnen und Kunden, will mit dem Vorstoss jedoch vom reinen Zahlungsdienstleister zur etablierten Vollbank aufsteigen.
Der britische Finanzdienstleister treibt seine Expansion auf dem Schweizer Markt vorangetrieben. Neben dem bei der Finma eingereichten Lizenzgesuch kündigte die Neobank an, in den kommenden fünf Jahren mehr als 150 Millionen Franken in den Ausbau der lokalen Präsenz zu stecken. Das Kapital soll in die Entwicklung neuer Produkte sowie in die Schaffung regionaler Arbeitsplätze fliessen.
Einreichung des Lizenzantrags bei der Finma im Sommer
Mit der Erteilung einer Schweizer Banklizenz durch die Finma würde der Weg frei für ein umfassendes Finanzangebot, das über die bisherigen Funktionen als günstige Reisezahlungs-App hinausgeht. Bislang nutzt die Kundschaft die Anwendung hierzulande überwiegend für Transaktionen im Ausland oder als unkomplizierte Zusatzkarte. Da eine lokale Lizenz bislang fehlte, konnte das Unternehmen keine herkömmlichen Lohnkonten mit eigener Schweizer IBAN oder inländische Einlagensicherung anbieten.
Mit einer vollwertigen Banklizenz ändert sich diese Ausgangslage grundlegend. Das Unternehmen plant nach eigenen Angaben die Einführung von hiesigen Lohnkonten, E-Bill-Verfahren, Lastschriftmandaten, Twint-Integrationen sowie Produkten für die Säule 3a zur privaten Altersvorsorge. Zudem steht eine eigene Zahlungsabwicklung für den Detailhandel auf der Agenda. Gemäss den Ausführungen von Verkaufschef David Tirado will der Konzern von massiven Skaleneffekten profitieren, um wettbewerbsfähige Preise und ein überzeugendes digitales Erlebnis zu bieten.
Herausforderung im Schweizer Neobanking und Datenleck-Vorfall
Mit 1,3 Millionen registrierten Konten führt das Unternehmen das Segment der digitalen Finanz-Apps in der Schweiz deutlich an. Zum Vergleich: Konkurrenten wie Yuh verzeichnet rund 400.000 und Neon etwa 250.000 Kundinnen und Kunden. Dennoch fällt der Zeitpunkt des Lizenzvorstosses mit sicherheitspolitischen Negativschlagzeilen zusammen. So wurde bekannt, dass das Unternehmen Opfer eines gezielten Angriffs geworden ist.

Wie Recherchen der Financial Times aufzeigen, gaben Kriminelle über das sichere E-Mail-Netzwerk PEC vor, italienische Strafverfolgungsbehörden zu sein. Die Angreifer hatten sich zuvor Zugang zu einem behördlichen Postfach verschafft. Die Bank reagierte auf die gefälschten Auskunftsersuchen und lieferte daraufhin sensible Passdaten, Kontonummern sowie Adressen von insgesamt 680 Kontoinhabern aus. Laut Angaben der Hacker betrifft dieser Vorfall vor allem Personen mit umfangreichen Kryptowährungsbeständen in der Schweiz und in Frankreich.
Kompromittiert wurden demnach neben Kontaktdaten auch Geburtsdaten, Kopien von Ausweisdokumenten sowie möglicherweise Verifizierungs-Selfies und Transaktionsverläufe. Die Handelsplattform und die Kundengelder selbst blieben von dem Vorfall nach Unternehmensangaben unberührt.
Wettbewerb auf dem Schweizer Finanzmarkt und internationale Expansion
Wirtschaftsexperten weisen darauf hin, dass die geplante Lizenz vor allem etablierte Schweizer Neobanken unter Druck setzen könnte, während traditionelle Geldhäuser wie die Grossbank UBS oder Raiffeisen primär in anderen Segmenten wie der klassischen Vermögensverwaltung, Hypotheken oder Firmenkundenberatung agieren. Dennoch bringt der Schritt regulatorische Hürden mit sich.

Global gesehen agiert die Muttergesellschaft in einer anderen Gewichtsklasse. In Europa besitzt das Fintech bereits Banklizenzen in Grossbritannien, Litauen und Frankreich. Ob und wann die Finma grünes Licht für den Schweizer Markt gibt, bleibt vorerst offen.
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