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Wiener ÖVP fordert im Offenen Brief Stopp der Ticketabgabe

Die von der Wiener Stadtregierung ins Auge gefasste Ticketabgabe von 12,5 Prozent stößt auf heftigen Widerstand. Am Dienstag, dem 15. Kritiker warnen vor massiven Besucherrückgängen und einer Belastung für die gesamte Kulturszene.

ÖVP Wien fordert in Offenem Brief die Rücknahme der Pläne

Die Diskussion um eine zusätzliche Ticketabgabe für Kulturevents in der Bundeshauptstadt heizt sich rasant auf. Nachdem gescheiterte Pläne für eine Tourismusabgabe im Raum standen, rückt nun ein sogenannter Kultureuro in den Fokus der Stadtpolitik. Anders als der Name vermuten lässt, soll es sich dabei laut Berichten der Lokalmedien nicht um einen fixen Euro handeln, sondern um einen Aufschlag von 12,5 Prozent des Kaufpreises.

Als Reaktion darauf wandte sich die Wiener Volkspartei am Dienstag mit einem Offenen Brief an Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Die Partei fordert darin den sofortigen Stopp der Vorhaben. Landesparteiobmann Markus Figl fand in einer Aussendung deutliche Worte zur neuen Belastung.

SPÖ und Neos verkaufen mit der neuen Kultursteuer ein Stück weit die kulturelle Seele Wiens, nur um die finanziellen Löcher der Stadt zu stopfen.

Markus Figl, Landesparteiobmann der Wiener ÖVP

Zudem kritisierte die Partei den kleinen Koalitionspartner scharf. Die Neos würden als ehemalige Reformkraft eine derartige Zusatzbelastung widerspruchslos mittragen, statt für Entlastung zu sorgen. Neben dem Unterschriftenaufruf kündigte die ÖVP an, das Thema am Montag, dem 21. September 2026, in der Aktuellen Stunde des Wiener Landtags zu thematisieren.

Stadt Wien verweist auf laufende Ausarbeitung und will Kultur absichern

Im Rathaus zeigt man sich derweil zugeknöpft. Das Büro von Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) bestätigte auf Anfrage Gespräche zwischen der Stadt und dem Bund, blieb bezüglich konkreter Details jedoch vage.

Zugleich betonte das zuständige Ressort, dass sämtliche Einnahmen aus dieser Maßnahme zweckgebunden direkt in den Kulturbereich fließen sollen. Ziel sei es, die vielfältige Wiener Kulturlandschaft nachhaltig abzusichern. Als Argument führt die Stadtseite an, dass öffentliche Gelder jene Kunstformen stützen müssten, die sich nicht komplett selbst tragen können – darunter Nischen, Avantgarde und der Nachwuchs. Als Vorbild dient dabei laut den Verantwortlichen das Sportsystem der Stadt, wo ein ähnliches Modell die Sportverbände unterstützt.

Kritik aus der Veranstaltungsbranche und Berechnungen der IGÖV

Der Widerstand beschränkt sich indes nicht auf die Opposition. Die Interessensgemeinschaft Österreichische Veranstaltungswirtschaft (IGÖV) schlug bereits zu Wochenbeginn Alarm und bezeichnete die geplante Maßnahme als fahrlässige Strafsteuer. Branchenvertreter rechnen vor, dass das Modell rund 120 Millionen Euro einbringen könnte. Davon würden schätzungsweise 67 Millionen Euro auf private Veranstalter und die freie Szene entfallen, während für Bundesinstitutionen wie Museen und Theater mit rund 40 Millionen Euro gerechnet wird.

Wiener ÖVP fordert im Offenen Brief Stopp der Ticketabgabe
Photo: meinbezirk.at

Von den Abgaben wären nach Schätzungen etwa 30 Millionen Besucherinnen und Besucher betroffen. Branchensprecher warnen vor spürbaren Teuerungsfolgen, die zu Besucherrückgängen führen könnten.

Unterstützung erhalten die Veranstalter von prominenten Stimmen der Szene. Der Schauspieler und Kabarettist Robert Palfrader sowie Konzertveranstalter Ewald Tatar von Baracuda Music warnten im Gespräch mit dem Kurier süffisant vor einer Abwanderung von Produktionen in benachbarte Bundesländer wie Niederösterreich oder das Burgenland. Auch Live-Nation-Veranstalter Matthias Rotermund betonte, dass weder Publikum noch Agenturen oder Künstler eine solche Ticketsteuer einfach absorbieren könnten.

Gespräche mit Bundeskulturminister Andreas Babler

Da die geplante Abgabe aufgrund der Einbindung zahlreicher Bundesinstitutionen in Wien auch den Bund betrifft, schaltet sich nun die Bundespolitik ein. Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) hat Vertreter der Stadt Wien zu einem Gespräch gebeten, um die offenen Fragen rund um die fiskalischen Auswirkungen zu klären. Das Treffen wurde vom Büro der Wiener Kulturstadträtin offiziell bestätigt.

Wiener ÖVP fordert im Offenen Brief Stopp der Ticketabgabe
Photo: w24.at
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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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