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Welt

Ig-Nobelpreis für Studie zu unethischem Verhalten reicher Menschen

Reiche Menschen verhalten sich im Alltag häufig unethischer, wie eine nun ausgezeichnete Studie des Sozialpsychologen Paul Piff und seinem Team belegt. Die im Fachblatt Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichten Experimente zeigen, dass Angehörige höherer sozialer Klassen an Kreuzungen öfter die Vorfahrt missachten und Kinder-Süßigkeiten nehmen.

Was wie eine Ansammlung von Klischees klingen mag, ist nun offiziell gewürdigt worden. Mit dem Preis wird kuriose Forschung geehrt, die zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken anregt.

Sieben Experimente von Paul Piff und seinem Team

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Der Sozialpsychologe Paul Piff und sein Team führten insgesamt sieben verschiedene Experimente zur Beobachtung des menschlichen Verhaltens im Alltag durch. Der Hypothese zufolge sollten reiche Menschen ein höheres Maß an unethischem Verhalten an den Tag legen, da sie positivere Einstellungen gegenüber Gier besitzen, welche in der psychologischen Forschung als Treiber für unethisches Handeln gilt. Die Ergebnisse dieser Beobachtungen wurden in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.

Zu den konkreten Beobachtungen im Straßenverkehr gehörte, dass reiche Autofahrer an vielbefahrenen Kreuzungen anderen Verkehrsteilnehmern öfter die Vorfahrt nahmen und Fußgänger regelmäßig nicht über die Straße ließen. In einem anderen Versuchsaufbau nahmen wohlhabende Probanden deutlich mehr aus einem Glas voller Süßigkeiten, das eigentlich für Kinder gedacht war. Zudem täuschten sie in einem Spiel eine höhere Punktzahl vor, um ihre eigenen Gewinnchancen zu steigern.

Strukturelle und psychologische Ursachen für egozentrische Tendenzen

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Die Forscherinnen und Forscher führen das beobachtete unethische Verhalten auf sowohl strukturelle als auch psychologische Faktoren zurück. Mit steigendem finanziellem Wohlstand und wachsender Macht vergrößert sich die persönliche Unabhängigkeit des Einzelnen. Dieser Umstand führt laut den Untersuchungen jedoch gleichzeitig dazu, dass die Bedürfnisse anderer Menschen stärker vernachlässigt werden.

Egozentrische Tendenzen, wie etwa das ständige Überhöhen der eigenen Interessen, begünstigen dieses Handeln im Alltag zusätzlich. Obwohl sich die Experimente vordergründig auf Süßigkeiten oder Verkehrsdelikte beschränkten, besitzen diese Beobachtungen weitreichende Konsequenzen für das gesamte gesellschaftliche Zusammenleben.

Gier als gesellschaftliches Phänomen nach Piff

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Die verteilten Süßigkeiten stehen dabei symbolisch für eine breitere Entwicklung in der Gesellschaft, bei der die eigenen Bedürfnisse konsequent über die der Mitmenschen gestellt werden, wie der Psychologe Paul Piff erklärt. Die Untersuchungen verdeutlichen zudem, dass Gier keineswegs in allen gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen stark ausgeprägt ist.

Ig-Nobelpreis für Studie zu unethischem Verhalten reicher Menschen

Gleichzeitig betonen die Autorinnen und Autoren der Studie, dass der Zusammenhang zwischen sozialer Klasse und Verhalten keineswegs kategorisch vorgegeben ist. Vielmehr handelt es sich um ein Resultat der Gesellschaft, in der wir leben. Weil es sich um ein gesellschaftliches Produkt handelt, lässt sich dieser Zustand nach Ansicht der Forschenden auch verändern.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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