Mädchen, deren Mütter während der Schwangerschaft Paracetamol einnahmen, zeigten im Säuglingsalter laut einer neuen Studie kleinere Eierstöcke und Fortpflanzungsorgane.
Die Anwendung von Schmerzmitteln während einer Schwangerschaft steht erneut im Fokus der medizinischen Forschung. Eine aktuelle Untersuchung, die im Fachjournal Human Reproduction Open veröffentlicht wurde, analysierte die gesundheitlichen Daten von Kindern, deren Mütter in der Schwangerschaft Paracetamol verwendet hatten. Dabei zeigte sich, dass die weiblichen Nachkommen im Alter von drei Monaten messbare anatomische Unterschiede aufwiesen.
Unterschiede bei Eierstöcken und Gebärmutter im Säuglingsalter
Das Forschungsteam unter der Leitung von Margit Bistrup Fischer vom Rigshospitalet in Kopenhagen untersuchte die Daten von 685 Frauen im ersten Schwangerschaftsdrittel. Die werdenden Mütter dokumentierten ihre Medikamenteneinnahme im Zwei-Wochen-Rhythmus, ergänzt durch regelmäßige Urinproben. Nach der Geburt wurden insgesamt 302 Töchter im Durchschnittsalter von 106 Tagen medizinisch untersucht.
Die Auswertung ergab, dass eine frühe Einnahme von Paracetamol vor der 17. Schwangerschaftswoche mit einem um rund 40 Prozent geringeren Eierstockvolumen und einem um 13 Prozent kleineren Gebärmuttervolumen bei den Säuglingen einherging. Zudem wiesen Mädchen aus einer Untergruppe mit ausschließlich früher Exposition niedrigere Werte des Hormons AMH auf, welches als Marker für die Eizellreserve gilt. Eine Einnahme nach der 17. Schwangerschaftswoche war demgegenüber mit einer um 23 Prozent geringeren Anzahl an Eibläschen verbunden, die unreife Eizellen enthalten.
Daten zur langfristigen Entwicklung und Einordnung der Ergebnisse
Um festzustellen, ob diese anatomischen Abweichungen über die frühe Kindheit hinaus Bestand haben, wertete die Arbeitsgruppe zusätzlich Daten einer separaten Gruppe von 1.210 Mädchen aus, die von ihrer Säuglingszeit bis in die Jugend begleitet worden waren. Dabei zeigte sich eine kleinere Gebärmutter der Töchter in der Pubertät sowie ein kleineres Eierstockvolumen in der Adoleszenz.

Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonen jedoch ausdrücklich den beobachtenden Charakter der Untersuchung. Ein direkter Kausalnachweis lasse sich aus den Daten nicht ableiten. Die teilnehmenden Frauen hatten nach Angaben des Forschungsteams vergleichsweise geringe Mengen des Schmerzmittels eingenommen und keine überschritt die empfohlene Höchstdosis von 4.000 Milligramm pro Tag. Am häufigsten gaben die Schwangeren Kopf- oder Migräneschmerzen als Grund an, gefolgt von Beschwerden des Bewegungsapparates.
„Frauen, die während der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen haben, sollten sich durch unsere Ergebnisse nicht beunruhigen lassen. Unsere Studie untersuchte Zusammenhänge auf Populationsebene und kann keine Vorhersagen für einzelne Frauen oder Kinder treffen. Viele Frauen, die während der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hatten, hatten Töchter, deren Eierstockmaße denen von Töchtern ähnelten, deren Mütter kein Paracetamol eingenommen hatten.“
Margit Bistrup Fischer, Rigshospitalet Kopenhagen
Diskussion um Empfehlungen und internationale Reaktionen
In einem begleitenden Kommentar im selben Fachjournal hob Christian De Geyter vom Universitätsspital Basel die Bedeutung der neuen Befunde hervor und vertrat die Auffassung, dass die bisherigen Empfehlungen zur Anwendung von Paracetamol in der Schwangerschaft überarbeitet werden müssten. Paracetamol gilt in vielen Ländern, darunter auch in Deutschland und in der Europäischen Union, als das am häufigsten genutzte Schmerzmittel während der Schwangerschaft.

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA betonte bereits zuvor, dass sich die hiesigen Verwendungsempfehlungen nicht ändern werden. Hintergrund waren auch politische Debatten in den Vereinigten Staaten, wo die dortige Administration im vergangenen Herbst vor angeblichen Risiken wie Autismus gewarnt hatte. Eine im Fachjournal The Lancet Obstetrics, Gynaecology & Women’s Health erschienene systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse kam jedoch zu dem Ergebnis, dass Paracetamol das Risiko für Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS oder geistige Behinderungen bei Kindern nicht signifikant erhöht, insbesondere wenn Geschwister-kontrollierte Studien als methodischer Maßstab herangezogen werden.
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