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Welt

Tunesien: Hitzewelle führt zu Stromausfällen und Wassermangel

Eine extreme Hitzewelle führt in Tunesien zu massiven Stromausfällen, schränken Trinkwasserpumpen ein und belasten die Notaufnahmen schwer. Präsident Kais Saied macht dafür am 6.

Tunesien erlebt derzeit eine drastische Belastungsprobe seiner Infrastruktur. Rekordtemperaturen von bis zu 49,8 Grad Celsius, gemessen am 27. August in der zentralen Stadt Kairouan, treiben den Strombedarf durch den massiven Einsatz von Klimaanlagen in astronomische Höhen. Tunis ist von diesen extremen Bedingungen stark betroffen, und laut dem tunesischen Wetter- und Klimaobservatorium war Kairouan die zweitwärmste Station weltweit an jenem Tag, hinter Mehran im Iran, wo 50°C erreicht wurden. Die staatliche Elektrizitätsgesellschaft STEG rief daraufhin rotierende Abschaltungen ins Leben, um den Zusammenbruch des gesamten Netzes zu verhindern. Die staatliche Elektrizitätsgesellschaft schafft es nicht, den kleinen Maghrebstaat im Sommer flächendeckend zu versorgen, da die Klimaanlagen zu viel Strom fressen. Um das Netz vor dem Zusammenbruch zu schützen, wird im Turnus der Strom abgeschaltet, manchmal für Stunden, manchmal für halbe Tage, und in einigen Bereichen dauern die Stromausfälle mehr als 10 Stunden an, wie unter anderem in der Hauptstadt. Die Lesung lag zudem nahe an Tunesiens nationalem Temperaturrekord von 50,3°C, der am 11. August 2021 verzeichnet wurde. Im Landesinneren wurden auch diese Woche noch gegen 40 Grad gemessen, während im Juli und August meist über 45 Grad erreicht wurden. Im Netz kursieren Videos von verzweifelten Menschen: Ein Bauer zeigt auf hunderte verendete Hühner, deren Ventilation im Stall so lange stillstand, bis die Tiere dahingerafft waren, und ein Metzger verliert seine Einkünfte, da Rindfleisch in der Hitze verdorben ist und weggeworfen werden muss.

Tunesien leidet unter Wassermangel und Stromausfällen

Wasserkrise und Stromausfälle treffen die Grundversorgung

Supporters of the Nafas movement take part in a protest against Tunisian President Kais Saied, chanting and calling for
Photo: al-monitor.com

Die elektrischen Netzausfälle haben eine verhängnisvolle Kettenreaktion ausgelöst. Da zahlreiche Pumpstationen für die Wasserversorgung im Land mit Strom betrieben werden, führen die Abschaltungen unmittelbar zu leeren Leitungen. Wegen der Stromknknappheit versagten im Juli und August vielerorts die Grundversorgungsstrukturen, und mancherorts ist sogar das Trinkwasser knapp geworden. Vor Einkaufszentren stehen die Menschen Schlange, und selbst der Verkauf von Mineralwasser ist rationiert.

Tunisia swelters as power cuts disrupt water supplies

Präsident Saied warnt vor Sabotage und verschärftem Druck

Tunisian President Kais Saied
Photo: newarab.com

Angesichts des wachsenden Unmuts hat Präsident Kais Saied, der seit 2021 mit nahezu vollständiger Macht regiert, eine radikale Erklärung für die Versorgungskrise abgegeben. Nach Beratungen mit Premierministerin Sarra Zaafrani, anderen Ministern und den Leitern der staatlichen Strom- und Wasserunternehmen STEG und SONEDE erklärte der Staatschef am Donnerstag, dass premeditated acts (vorsätzliche Handlungen) hinter den lang anhaltenden Wasser- und Stromausfällen stecken. Saied erklärte, die Ausfälle seien not simply temporary or isolated cases und did not result from ordinary breakdowns, sondern stammten von premeditated acts aimed at inflaming the situation by all means and spreading lies and rumours to sow confusion. Saied sagte nicht, wer hinter solchen Handlungen stecken könnte, die er als mistreating citizens even through the most basic services bezeichnete. STEG veröffentlicht weiterhin Pläne für Stromabschaltungen, die als Lastausgleich dienen sollen, um den Druck auf das Netz zu verringern, wobei die Bekanntmachungen betroffene Städte und Stadtteile einschließlich des Großraums Tunis auflisten, der fast 3 Millionen Menschen beheimatet.

Tunisia's Saied blames 'premeditated acts' for water, power cuts

Proteste auf den Straßen von Tunis und Warnung der Ärzte

Tunisia swelters as power cuts disrupt water supplies
Photo: aljazeera.com

Die Regierungserklärungen konnten die Bevölkerung kaum beruhigen. Die Wut über fehlendes Wasser und dunkle Wohnungen entlud sich in Demonstrationen. Am Donnerstagabend, dem 20. August beziehungsweise an dem Donnerstag, versammelten sich hunderte Menschen im Zentrum von Tunis, um den Rücktritt von Präsident Kais Saied zu fordern und für bessere Basisdienste wie eine verlässliche Wasser- und Stromversorgung zu demonstrieren. Organisiert wurde der Protest von der neu gegründeten Nafas-Bewegung, die im Mai mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, politische Parteien und unabhängige Persönlichkeiten zusammenzubringen, die zuvor Schwierigkeiten hatten, in der Opposition gegen Saied zusammenzuarbeiten. Der Protest am Donnerstag gehörte zu den größten dieses Sommers und spiegelte den wachsenden Frust über die Verschlechterung der Lebensbedingungen wider, während längere Hitzewellen die tunesischen Strom- und Wassersysteme belasteten und die breitere Wut auf die Regierung verschärften; er zog auch einige Tunesier an, die zuvor noch nie an politischen Demonstrationen teilgenommen hatten.

Tunesien kämpft inmitten der Hitzewelle mit Stromausfällen
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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