Ein halbes Jahr nach Beginn der US-israelischen Militäroperation im Iran warnt der ehemalige US-Verteidigungsminister Leon Panetta vor einem langwierigen Konflikt ohne Ausweg. Mitten in anhaltenden Spannungen, neuen Wirtschaftssanktionen und einer Seeblockade in der Straße von Hormus steuert die Region auf eine dauerhafte Pattsituation zu.
US-Präsident Donald Trump und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hatten anfangs auf einen schnellen Durchmarsch gesetzt, wie die ARD aus Istanbul berichtet. Doch die militärische Realität sieht anders aus: Zentrale Kriegsziele, darunter die vollständige Zerstörung des iranischen Raketenprogramms oder ein erzwungener Regimewechsel, sind nach einem halben Jahr in weiter Ferne.
Leon Panetta warnt vor langjährigem Dauerkonflikt im Nahen Osten
Der frühere US-Verteidigungsminister und ehemalige CIA-Direktor Leon Panetta hat scharfe Kritik am Verlauf des Einsatzes geübt. In Interviews erklärte er, der Konflikt drohe zu einem ewigen Krieg im Nahen Osten zu werden.
Leon Panetta, ehemaliger US-Verteidigungsminister, erklärte zudem, es sei kein Geheimnis, dass die Vereinigten Staaten und der Iran in einer schrecklichen Pattsituation feststeckten, in der es in Wirklichkeit kaum Optionen gebe, diesen Krieg zu einem Ende zu bringen.
Panetta zog Parallelen zu früheren Konflikten und nannte den Krieg another failed war
nach dem Muster von Einsätzen im Irak und in Afghanistan. Zudem betonte er, dass die anhaltenden Turbulenzen im Pentagon – zuletzt überschattet vom Rücktritt des US-Heeressekretärs Dan Driscoll infolge von Reibereien mit Verteidigungsminister Pete Hegseth – das Bild einer führungslosen US-Militärführung vermitteln. Das Pentagon wies diese Darstellung entschieden zurück. Der leitende Sprecher Sean Parnell betonte, das Ministerium laufe unter Hegseth firing on all cylinders
und die Kritik sei völlig unbegründet.
Politische Verhärtung in Teheran und neue Sanktionen der US-Regierung
Während das US-Militär mit seiner Marine die Seeblockade iranischer Häfen aufrechterhält und Tankern bei der Passage durch die Straße von Hormus hilft, hat sich die innenpolitische Lage im Iran verschärft. Die Tötung hochrangiger Generäle und des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei am ersten Kriegstag hat keinen Regimewechsel im Sinne Washingtons bewirkt, sondern radikale Kräfte im Staatsapparat gestärkt.

Die iranische Führung wirft Washington vor, kein eignes Interesse an der Einhaltung des im Juni vereinbarten Rahmenabkommens zu haben. Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges treffen vor allem die Zivilbevölkerung hart. Die iranische Währung, der Rial, fiel im Verlauf der Woche auf ein Rekordtief, und die Lebenshaltungskosten in den Großstädten sind massiv gestiegen. Als Reaktion plant die US-Regierung einen verschärften Wirtschaftskrieg mit neuen Sanktionen, um das Land noch weiter vom internationalen Finanzsystem abzuschneiden.
Die Straße von Hormus als globaler Hebel und neue Allianzen
Ein zentraler Streitpunkt bleibt die Kontrolle über die Straße von Hormus. Teheran nutzt den wichtigen Seeweg für den Ölexport als strategisches Druckmittel. Während die direkten Kampfhandlungen derzeit ruhen, spürt die Weltwirtschaft die Folgen durch angespannte Energiemärkte, was wiederum die Kraftstoffpreise in den USA und in Europa antreibt.

Unterdessen orientieren sich die Anrainerstaaten im Nahen Osten geopolitisch neu, da das Vertrauen in die USA als stabiler Sicherheitsgarant gelitten hat. Der Politikwissenschaftler Karabekir Akkoyunlu verweist auf entstehende Blöcke wie das sogenannte Mekka-Bündnis aus Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan. Zugleich könnten ältere Partnerschaften unter Einbeziehung von Indien, Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten wiederbelebt werden, um neue Handels- und Energiewege zu sichern.
Für die US-Regierung unter Präsident Trump kommt die Krise zu einem hochsensiblen Zeitpunkt. Am 3. November finden in den Vereinigten Staaten die Kongresswahlen statt, bei denen das gesamte Repräsentantenhaus und rund ein Drittel des Senats neu gewählt werden. Sollten die Republikaner ihre Mehrheiten verlieren, droht der politische Spielraum der Regierung drastisch zu schrumpfen – während der Krieg im Nahen Osten ohne absehbare Friedensperspektive weiter andauert.