Der österreichische Fahrradhersteller Simplon steht beim Landesgericht Feldkirch erneut vor einer Insolvenz. Nur zwei Jahre nach der ersten Sanierung hat die Nachfolgegesellschaft 2Rad Produktions GmbH ein Verfahren ohne Eigenverwaltung beantragt. Die Gesamtverbindlichkeiten belaufen sich auf rund 33,4 Millionen Euro, wovon der Großteil aus dem gescheiterten Restrukturierungsplan von 2024 stammt.
Knapp zwei Jahre nach der ersten Pleite steckt der traditionsreiche Fahrradbauer aus dem Vorarlberger Hard am Bodensee wieder tief in den roten Zahlen. Betroffen von der aktuellen Zahlungsunfähigkeit sind 54 Mitarbeiter sowie rund 150 Gläubiger.
2Rad Produktions GmbH beantragt Verfahren ohne Eigenverwaltung
Die vormals als Simplon Fahrrad GmbH firmierende 2Rad Produktions GmbH hat am Mittwoch beim Landesgericht Feldkirch ein Sanierungsverfahren beantragt. Im Gegensatz zum ersten Neustart im September 2024 erfolgt dieser Schritt diesmal jedoch ohne Eigenverwaltung. Damit entzieht das Gericht der Geschäftsführung die alleinige Kontrolle und überträgt die Überwachung des Vermögens sowie des Verfahrens an einen gerichtlich bestellten Insolvenzverwalter.
Die Gesamtsumme der Verbindlichkeiten beläuft sich auf 33,4 Millionen Euro. Ein massiver Teil dieser Last – konkret rund 28,3 Millionen Euro – stammt direkt aus dem vorangegangenen Verfahren. Diese Altlasten waren durch den Bruch des Ende 2024 vereinbarten Sanierungsplans in voller Höhe wieder aufgelebt, nachdem das Unternehmen eine fällige Rate nicht mehr bedienen konnte. Davon entfällt laut Angaben des Kreditschutzverbands KSV1870 ein Betrag von rund 26 Millionen Euro auf eine einzige Hauptgläubigerin, während sich die restlichen 2,3 Millionen Euro auf übrige Gläubiger verteilen.
Lieferprobleme und Unstimmigkeiten bei der früheren Betriebsübernahme
Als wesentliche Auslöser für den erneuten Zusammenbruch nennt die Unternehmensleitung gravierende Probleme bei der damaligen Übernahme des Geschäftsbetriebs. Wie T-Online darlegt, erklärte die Geschäftsführung gegenüber dem KSV1870, dass die Kommunikation vor der Anteilsübernahme nicht zur Gänze nachvollziehbar beziehungsweise korrekt gewesen
sei.

Zudem erwiesen sich die aus der ersten Insolvenz übernommenen Warenbestände als unvollständig und unzureichend. Wichtige Bauteile und Komponenten fehlten, was eine zügige Bearbeitung des vorhandenen Auftragsbestands unmöglich machte. In der Konsequenz kam es zu massiven Lieferverzögerungen, ausbleibenden Folgeaufträgen und drastischen Liquiditätsengpässen. Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) verweist ergänzend auf anhaltende Schwierigkeiten mit einem wichtigen Outsourcing-Partner sowie auf ein generell schwieriges Marktumfeld für die europäische Fahrradbranche, die besonders bei Mountainbikes, Rennrädern und E-Bikes unter Druck steht.
Standort in Hard soll erhalten bleiben
Trotz der erneuten Krise soll der operative Betrieb vorerst weiterlaufen. Unter der Leitung von Christoph Mannel – einem ehemaligen Manager des Fahrradkonzerns Accell, der nach dem ersten Verfahren als Investor und Geschäftsführer eingestiegen war – strebt das Management den Erhalt des Hauptsitzes im Vorarlberger Hard an. Wie in weiteren Berichten hervorgehoben wird, sieht das Konzept vor, den Gläubigern einen neuen Sanierungsplan mit einer Quote von 20 Prozent anzubieten, die innerhalb von zwei Jahren beglichen werden soll. Zum Vergleich: Beim ersten Sanierungsplan im Jahr 2024 hatten Gläubiger noch eine Quote von 30 Prozent zugesagt bekommen.

Parallel dazu läuft die Suche nach frischen Investoren, um das Traditionsunternehmen, das im Jahr 1961 als Familienbetrieb gegründet wurde, auf eine tragfähige wirtschaftliche Basis zu stellen. Ob diese Restrukturierung unter Aufsicht des Insolvenzverwalters gelingt, bleibt vorerst offen.
Rechtslage für Kundinnen und Kunden
Für Kundinnen und Kundinnen wirft die erneute Insolvenz drängende Fragen auf. Da im laufenden Verfahren ausschließlich die Produktionsgesellschaft betroffen ist und die eigenständige Simplon Bike GmbH als Gesellschafterin agiert, wird die Abwicklung über die Simplon-Gruppe vorerst fortgeführt, sofern der Betrieb aufrechterhalten bleibt.
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