Der von US-Geheimdienstlern gegründete Risikokapitalgeber In-Q-Tel investiert verstärkt in europäische Technologie-Startups wie Quantum Systems und Stark.
Der Einstieg des mit der US-Zentralgeheimdienst CIA verbundenen Risikokapitalgebers In-Q-Tel (IQT) bei europäischen Technologie-Unternehmen wirft Fragen nach den strategischen Absichten Washingtons auf dem Kontinent auf. Bekannt geworden durch Erfolgsgeschichten wie Palantir und Anduril, richtet der Fonds sein Augenmerk zunehmend auf europäische Firmen. Darunter befinden sich der Münchner Drohnenspezialist Quantum Systems und das Berliner Kampfdrohnen-Startup Stark, wie aus aktuellen Berichten hervorgeht.
Die Motive hinter den Minibeteiligungen von In-Q-Tel
Obwohl die finanziellen Zuwendungen des CIA-Fonds oft verhältnismäßig klein ausfallen und meist unter drei Millionen Dollar liegen, entfalten sie eine erhebliche Wirkung. Die Investitionen zielen darauf ab, zukunftsweisende Technologien weltweit frühzeitig zu identifizieren und für das US-Ökosystem zu erschließen. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern fungiert ein Investment als Frühindikator für jene Technologien, welche die amerikanischen Sicherheitsbehörden als relevant erachten.
Thomas Oehl, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des in München ansässigen Frühphasen-Investors Vsquared Ventures, betont die besondere Schnittstellenfunktion des Fonds. Demnach liegt der wahre Wert für Startups weniger im bereitgestellten Kapital als in der Vernetzung mit dem US-Sicherheitsapparat und potenziellen Rüstungskäufern in den Vereinigten Staaten.
Einfluss auf die strategische Ausrichtung europäischer Startups
Die Sorge vor einem schleichenden Abfluss strategischer Schlüsseltechnologien nach Washington begleitet die Expansion des Fonds in Europa. Dennoch stellen Experten klar, dass kleine Minderheitsbeteiligungen nicht ausreichen, um einem Unternehmen die strategische Richtung direkt vorzugeben oder die Kontrolle zu übernehmen.
Zwar eröffnet der Investor Wege zu relevanten Kunden und Institutionen, doch bleibt die Entscheidung über den Aufbau von Standorten oder die Verlagerung der Entwicklung eine rein unternehmerische Angelegenheit der Gründer. Eine Investition von IQT führt demnach nicht zwangsläufig zu einer Abwanderung des Hauptsitzes in die USA.
Herausforderungen für das europäische Wagniskapital
Die Präsenz des US-Fonds wirft auch ein Schlaglicht auf strukturelle Schwächen des europäischen Risikokapitalmarktes. Während Europa durchaus in der Lage ist, junge Unternehmen in frühen Phasen zu finanzieren, fehlt oft die Kombination aus agilem Kapital, tiefem Technologieverständnis und institutionellem Zugang, wie sie von staatsnahen Organisationen in den USA bereitgestellt wird.
Zusätzliche Hürden entstehen durch strenge ethische Vorgaben wie ESG-Regularien, die Rüstungsinvestitionen bei vielen europäischen Fonds traditionell ausschließen.