Zum Inhalt springen
Welt

AfD könnte bei Landtagswahl in Sachsen-Anhalt historische Mehrheit erringen

Am 6. September 2026 wählt das Bundesland Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Umfragen sehen die rechtspopulistische Alternative für Deutschland bei über 40 Prozent. Ein historischer Sieg könnte die erste rechtsextrem geführte Landesregierung seit dem Zweiten Weltkrieg ermöglichen und die politische Brandmauer der etablierten Parteien erschüttern.

Die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt markiert einen potenziellen Wendepunkt in der bundesdeutschen Politik. Mit Zustimmungswerten von mehr als 40 Prozent liegt die Alternative für Deutschland in den aktuellen Umfragen rund 20 Punkte vor der Christlich Demokratischen Union, die das ostdeutsche Bundesland seit 2002 angeführt hat. Ein absoluter Wahlsieg würde es der Partei erlauben, alleine zu regieren und den AfD-Politiker Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten zu machen. Ein Sieg würde die erste rechtsextreme Regierung eines deutschen Bundesland seit dem Zweiten Weltkrieg bedeuten. Die Mainstream-Parteien haben sich geweigert, mit der AfD zusammenzuarbeiten, und sie seit ihrer Gründung im Jahr 2013 aus Bundes- und Landesregierungen ausgeschlossen. Die AfD hat eine umfassende nationalistische Agenda vorgeschlagen, die die Ausweitung von Abschiebungen und die Unterbringung von Flüchtlingen in Sammelunterkünften, die Einstellung der Unterstützung für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten, die Streichung von Geldern für antideutsche Kunst und eine geringere Vermittlung der Nazi-Vergangenheit an Kinder vorsieht.

Ulrich Siegmund und der professionelle TikTok-Wahlkampf

Im Zentrum der Landtagskampagne steht der 35-jährige Ulrich Siegmund. Überall dort, wo Ulrich Siegmund auftaucht, folgt ihm ein Influencer, der live vom Wahlkampf berichtet. Siegmund braucht weder Influencer noch Journalisten, da der ehemalige Marketingmann selbst ein TikTok-Star ist und seine Partei vor der Landtagswahl am Sonntag komfortabel in den Umfragen führt. Siegmund hat auf der Plattform fast halb so viele Follower wie es Wahlberechtigte in diesem kleinen Bundesland gibt. Er legt Wert darauf, sich Zeit zu nehmen, um ihre Fragen persönlich zu beantworten, oft bequem von seiner Hinterveranda aus. In jedem Video trägt er ein makellos gebügeltes weißes Poloshirt oder ein gestärktes weißes Hemd – die Uniform der neu professionalisierten Rechten in Deutschland. Sein sorgfältig frisiertes Seitenscheitel ist so makellos wie sein Lächeln, was ihn vom Rest seiner Partei unterscheidet, deren Mitglieder eher zu Grimassen als zu einem Grinsen neigen. Siegmunds breites Lächeln wankt selten, selbst wenn er seine Meinung zum größten Thema der Partei äußert: Einwanderung und die Massendeportation von Migranten. Der polierte, gewinnende Politiker ist zudem Befürworter einer der rechtsextremeren Positionen in der zeitgenössischen europäischen Politik. In einem kürzlichen TikTok-Post erklärte Siegmund, es sei inakzeptabel, dass unsere Ärzte in die Schweiz, nach Norwegen oder anderswohin abwanderten, weil sie die Zustände hier nicht ertragen könnten, während wir Ärzte aus Indien oder anderen Orten holten, um sie zu ersetzen. Das Programm der AfD besagt, dass kulturfremdes Gesundheitspersonal oft die deutschen medizinischen Standards nicht erfülle und das Patientenwohl gefährde. Siegmund verzichtet vor der Kamera auf solche Details und hält seine Wahlkampfreden kurz – voller Motivationsreden statt konkreter politischer Inhalte.

Hannes Kreschel und die Realität der AfD-Wahlkampfstände

Über die eigentlichen Details spricht stattdessen der ehemalige AfD-Unterstützer Hannes Kreschel. Der 23-jährige Jurastudent besucht AfD-Wahlkampfveranstaltungen, um vor der Kamera mit Wählern zu sprechen. Bei einem Bier und einer Bratwurst weist er auf die Diskrepanzen zwischen dem sorgfältig inszenierten Wahlkampf der AfD und ihrer tatsächlichen Politik hin, insbesondere auf ihre Wirtschaftspolitik, die seiner Meinung nach nur für finanziell Gutgesitete aufgeht. Einige Gespräche seien konstruktiver als andere, sagt er. Kreschel berichtete, sie versuchten, das Mikrofon und ihn zu schlagen. Er fügte hinzu, natürlich konfrontiere man sie mit Fakten, aber er versuche nett zu bleiben, da man seiner Meinung nach die Menschen von ihren Parolen trennen müsse.

The logo of the AfD parliamentary group in the Bundestag
Photo: dw.com

Lars Rensmann und der Bericht zum Antisemitismus in der AfD

Lars Rensmann, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Passau in Bayern, verfasste für das American Jewish Committee einen Bericht über Antisemitismus in der AfD. Er sagte, dass die Partei nicht auf offen antisemitische Rhetorik setze; stattdessen beziehen sich AfD-Führer auf codierte antisemitische Stereotype von Globalisten, kosmopolitischen Eliten und zwielichtigen Finanzmächten. Diese Mächte werden zusammen mit Migranten als Teil einer feindseligen externen Kraft dargestellt, die die nationale Identität Deutschlands zerstören könnte. Wie Rennsmann ausführte, mobilisiere die AfD auf offizieller Ebene zwar nur gelegentlich einen offenen Antisemitismus, bediene jedoch auf verschiedenen Ebenen antisemitische Motive und Ideen sowie den Antisemitismus als Teil eines größeren Weltbildes. Die AfD hat sich offiziell von Neonazi-Gruppen distanziert und weist Vorwürfe des Extremismus zurück. Dennoch haben Parteiführer wiederholt Nazi-Slogans verwendet, die in Deutschland verboten sind, wie Alles für Deutschland. Björn Höcke, der AfD-Vorsitzende im an Sachsen-Anhalt grenzenden Thüringen, hat sich für ein großangelegtes Remigrationsprojekt ausgesprochen, um Einwanderer auszuweisen und unseren bevorstehenden Volkstod zu verhindern – ein Begriff, der in der Nazi-Propaganda eine bedeutende Rolle spielte. Die Sachsen-Anhaltener Landesgruppe der AfD hat ihr Programm zudem darauf ausgerichtet, Deutschlands „Schuldkonplex“ über den Holocaust zu überwinden. Das Manifest der Partei besagt, dass die Kultur des Gedenkens an Nazi-Verbrechen hat dazu geführt, dass Nationalstolz im Allgemeinen als verpönt gilt und die Verteidigung der eigenen

Ulrich Siegmund, the far-right Alternative for Germany's candidate in Saxony-Anhalt, speaks at the Generation Germany youth
Photo: kuow.org
State elections in Germany: Far-right AFD party expected to win in Saxony-Anhalt
Far-right AfD becomes Germany's strongest party shock polls show | DW News
Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.