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Parmelin wirft Initiantinnen in SRF-Arena Täuschung vor

In einer emotionalen SRF-«Abstimmungsarena» am Freitagabend gerieten Bundespräsident Guy Parmelin und die Initiantinnen der Ernährungs-Initiative heftig aneinander. Parmelin warf den Befürwortern vor, die Bevölkerung zu täuschen. Über das Volksbegehren stimmt die Schweiz am 27. September ab.

Die Debatte um die eidgenössische Ernährungs-Initiative hat in der Fernsehsendung des Schweizer Radios und Fernsehens (SRF) scharfe Kontroversen ausgelöst. Im Zentrum der Auseinandersetzung standen Fragen zur künftigen Lebensmittelproduktion, zum Selbstversorgungsgrad der Schweiz und zu möglichen Konsumeinschränkungen. Die Emotionen im Studio kochten dabei hoch, und der Begriff der Lüge fiel mehrfach von beiden Seiten der politischen Fronten.

Konfrontation um Selbstversorgung und den Vorwurf der Täuschung

Die Situation eskalierte, als Bundespräsident Guy Parmelin direkt auf Kritik der Initiantinnen reagierte. Die Mitinitiantin Franziska Herren hatte dem Wirtschaftsminister vorgeworfen, die bestehende Agrarpolitik begünstige einseitig die Tierproduktion. Diese Darstellung wies Parmelin entschieden zurück.

Moderator Sandro Brotz versuchte wiederholt, die Kontrahenten zur sachlichen Deeskalation aufzurufen und forderte dazu auf, den Lügenvorwurf defensiv zu handhaben – allerdings ohne nennenswerten Erfolg.

Ziele der Initiative und die Reaktionen der Agrarverbände

Die Ernährungs-Initiative verlangt, dass die Schweiz innert zehn Jahren einen Netto-Selbstversorgungsgrad von mindestens 70 Prozent anstrebt. Aktuell liegt dieser Wert bei rund 42 Prozent. Um dieses Ziel zu erreichen, soll die Landwirtschaft nach dem Willen der Befürworter vermehrt Lebensmittel direkt für den menschlichen Verzehr anbauen und weniger Futtermittel für Tiere produzieren. Zudem sollen Belastungen von Böden und Trinkwasser durch Dünger und Pestizide reduziert werden.

Die Initianten warnen vor einer gefährlichen Abhängigkeit vom Ausland im Krisenfall. Franziska Herren betonte im Studio, dass der Futtermittelanbau aktuell fast 60 Prozent der wertvollen Ackerfläche beanspruche, während die Schweiz gleichzeitig 88 Prozent der verzehrten Hülsenfrüchte importieren müsse. Diese Verteilung sei ein kompletter Widerspruch zu einer nachhaltigen Ernährungssicherheit.

Regierungsvertreter und Verbände bewerten die Vorgaben als unrealistisch. Bundespräsident Parmelin bezeichnete die geforderten Ziele als fast unmöglich umsetzbar. Zwar unterstütze der Bundesrat grundsätzlich eine Erhöhung der Selbstversorgung auf 50 Prozent, dies müsse jedoch schrittweise geschehen, damit die Bauern ihre Investitionen amortisieren könnten. Zudem biete die geografische Beschaffenheit der Schweiz nur begrenzten Raum für Ackerbau.

Streitpunkt Konsumsteuerung und der Vergleich zum Zweiten Weltkrieg

Bauernpräsident Markus Ritter lehnte die Initiative ebenfalls ab und warnte vor vorgeschriebenen Verhaltensweisen für die Bevölkerung. Er erklärte, das 70-Prozent-Ziel sei utopisch und nur durch eine strikte Steuerung des Konsums erreichbar. Die Schweiz habe einen solchen Selbstversorgungsgrad zuletzt während des Zweiten Weltkriegs erreicht – damals jedoch bei einer halb so grossen Bevölkerung und deutlich grösseren Kulturlandreserven.

Dieser Argumentation widersprachen die Befürworter scharf. Die anwesende Biolandwirtin und Agronomin Regula Züger bezeichnete die Aussagen des Bauernpräsidenten als Mumpitz und warf ebenfalls Falschaussagen vor. Sie bekräftigte, dass Schweizer Landwirte die derzeit importierten Hülsenfrüchte problemlos selbst anbauen könnten, statt sie einzuführen.

Ausblick auf die Volksabstimmung Ende September

Gegen Ende der Sendung sprach Moderator Sandro Brotz die Initianten auf Umfragen an, die derzeit auf ein Scheitern des Volksbegehrens an der Urne hindeuten. Regula Züger zeigte sich davon unbeeindruckt und erklärte, es gebe Anliegen, für die man unabhängig von den Umfragewerten kämpfen müsse. Franziska Herren bekräftigte abschliessend, dass es in der aktuellen politischen Landschaft nichts Wichtigeres gebe als die langfristige Sicherung von Ernährung und Trinkwasser. Die Stimmbevölkerung entscheidet am 27. September 2026 über das eidgenössische Volksbegehren.

«Abstimmungsarena»: Parmelin wirft Initiantinnen Lügen vor
Photo: Blick
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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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