Der Leichnam des verstorbenen Kriegsverbrechers Ratko Mladić ist am Donnerstag mit einer Regierungsmaschine in Belgrad eingetroffen. Während serbische Offizielle ein Staatsbegräbnis mit militärischen Ehren in Aussicht stellen, warnt die Europäische Union den Beitrittskandidaten scharf vor jeglicher Glorifizierung des wegen Völkermords verurteilten Ex-Generals.
August 2026 im Alter von 84 Jahren in einer Hafteinrichtung der Vereinten Nationen in den Niederlanden. Dort verbüßte er eine lebenslange Haftstrafe, die das UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) gegen ihn verhängt hatte. Der Ex-General war 2017 wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und schwerster Kriegsverbrechen im Bosnienkrieg 1992–1995 verurteilt worden. Sein Name steht insbesondere für das Massaker von Srebrenica im Juli 1995, bei dem Truppen unter seinem Kommando rund 8.000 bosnisch-muslimische Männer und Jungen ermordeten, sowie für die jahrelange Belagerung von Sarajevo.
Die Überführung nach Belgrad und die Rolle der Regierung
Am Donnerstag landete eine serbische Regierungsmaschine auf dem Flughafen von Belgrad und brachte den Sarg des ehemaligen Armeechefs in seine Heimat zurück. Auf dem Rollfeld, das live von pro-regierungsnahen Medien übertragen wurde, trugen serbische Soldaten den mit der Nationalflagge bedeckten Sarg zu einem roten Transporter. Unter den Anwesenden an Bord befanden sich neben Mladićs Sohn und seiner Enkelin auch der serbische Justizminister Nenad Vujić.
Der Leichnam wurde zunächst in ein Belgrader Militärkrankenhaus gebracht, wo über das Wochenende eine Autopsie stattfinden soll. Die Umstände seines Todes im Gefängnis in Den Haag werden derweil von dem zuständigen UN-Restmechanismus überprüft, was bei Todesfällen von Häftlingen ein standardmäßiges Verfahren darstellt.
Debatte um das Staatsbegräbnis und scharfe EU-Warnungen
Unmittelbar nach Bekanntwerden von Mladićs Tod hatten serbische Offizielle erklärt, dem verurteilten Kriegsverbrecher ein Begräbnis mit staatlichen und militärischen Ehren ausrichten zu wollen. Justizminister Nenad Vujić begründete diesen Schritt mit den geltenden Protokollen für einen ehemaligen General. Präsident Aleksandar Vučić erklärte, er erwarte, dass zehntausende Menschen zu der Beerdigung kommen werden, betonte jedoch gleichzeitig, dass die Familie über die genauen Details und den Ort der Beisetzung entscheide. Serbischen Medienberichten zufolge ist am Samstag eine Gedenkveranstaltung in einem Armeesaal in Belgrad geplant, gefolgt von einer Beisetzung am Montag in einem Vorort der Hauptstadt.

„Die Glorifizierung von Kriegsverbrechern hat weder in EU-Mitgliedsländern noch in Kandidatenländern Platz. Ich hoffe, die Regierung in Belgrad ist sich im Klaren darüber, was auf dem Spiel steht.“
Noch deutlicher äußerte sich der kroatische Premierminister Andrej Plenković, der erklärte, dass Serbien im Falle eines Staatsbegräbnisses die Tür zur Europäischen Union schließen würde.
Tiefe Spaltungen und Spannungen in Bosnien und Serbien
Der Tod des Ex-Generals reißt die Gräben auf dem Balkan weiter auf. Während Opferverbände und Überlebende entsetzt auf die Ehrungen reagieren und an den Gräueltaten gemessene Schmerzen betonen, wird Mladić in Teilen Serbiens und der bosnischen Republika Srpska von Nationalisten als Held gefeiert. In Banja Luka luden führende Politiker wie Milorad Dodik zu Gedenkfeiern ein, während in Städten der Region junge Männer skandierende Märsche abhielten.

In Srebrenica selbst untersagten die Behörden jegliche Versammlungen mit Verweis auf Sicherheitsrisiken, nachdem Anhänger des Verstorbenen eigene Märsche angekündigt hatten.
Präsident Vučić lehnte die Kritik aus dem Ausland ab und warf dem UN-Gericht vor, durch die Verweigerung einer Haftentlassung auf humanitäre Gründe antizivilisatorisches Verhalten
gezeigt zu haben. Angesichts der für Montag erwarteten Beisetzung stehen die Sicherheitskräfte in Belgrad vor einer immensen logistischen und politischen Herausforderung, während die internationale Gemeinschaft den Umgang Belgrads mit dem Erbe des verurteilten Massenmörders genau beobachtet.
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