Schlaf gilt in der modernen Neurologie zunehmend als zentraler Baustein für die Hirngesundheit. Laut dem Neurologen Claudio Bassetti liegt die empfohlene Nachtruhe für Erwachsene bei sieben bis neun Stunden. Ein chronischer Mangel oder unregelmäßiger Schlaf erhöhen nachweislich das Risiko für schwerwiegende Erkrankungen.
Neurologische Erkrankungen werden im Alltag häufig als plötzlicher Schicksalsschlag wahrgenommen. Die jüngere Forschung zeichnet laut dem Neurologen Claudio Bassetti jedoch ein ganz anderes Bild, das den Fokus stärker auf beeinflussbare Faktoren lenkt.
Bedeutung von Schlaf und Alltagsfaktoren für das Gehirn
Im Rahmen einer von Die Welt publizierten Bestandsaufnahme erläuterte Claudio Bassetti die Faktoren, die man als Individuum selbst in der Hand hat, um die Gesundheit des Gehirns rechtzeitig zu schützen. Neben ausreichender und regelmäßiger Bewegung, der Pflege sozialer Kontakte sowie geistiger und körperlicher Aktivität nimmt der Schlaf eine Schlüsselstellung ein.
Auf die Frage, wie viel Nachtruhe ein gesundes Gehirn benötigt, erklärte Claudio Bassetti, dass Schlaf zunehmend als zentraler Baustein für die Hirngesundheit anerkannt wird. Die Empfehlung für Erwachsene liegt bei insgesamt sieben bis neun Stunden
, so der Neurologe. Nur in seltenen Ausnahmefällen sei deutlich mehr oder weniger Schlaf erforderlich.
Neben der reinen Dauer spielt auch die Beständigkeit eine wichtige Rolle. Claudio Bassetti warnt davor, die Schlafenszeiten pro Tag um mehr als eine Stunde zu verschieben. Ein chronischer Mangel oder ein unregelmäßiger Rhythmus erhöhen nachweislich das Risiko für Demenz, Schlaganfall und psychische Erkrankungen.
Auswirkungen auf Demenz, Schlaganfall und psychische Erkrankungen
Die Dimension neurologischer und psychischer Erkrankungen zeigt sich in den Gesundheitsausgaben. Rund 20 Prozent der Gesundheitsausgaben entfalten sich in diesem Bereich. Dazu zählen laut Claudio Bassetti konkret Demenzen, Schlaganfälle oder Parkinson sowie Migräne und Schlafstörungen. Hinzu kommen psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen, die mengenmäßig mehr als die Hälfte aller Hirnerkrankungen ausmachen. Der Experte betont die Wichtigkeit, den Austausch zwischen Neurologie und Psychiatrie zu fördern, da das Gehirn nicht danach unterscheidet, ob eine Erkrankung von einem Psychiater oder einer Neurologin behandelt wird.
Zu den weiteren zentralen Schutzfaktoren gehört alles, was dem Herz-Kreislauf-System nutzt. Dazu zählen insbesondere der Verzicht auf das Rauchen sowie die gezielte Prävention und Behandlung von hohen Blutdruck-, Blutfett- und Blutzuckerwerten. Ebenfalls von Bedeutung sind ein mäßiger Alkoholkonsum oder vollkommene Abstinenz, der Schutz vor Kopfverletzungen sowie im Alter der Einsatz von Hörhilfen und die Behandlung von grauem Star. Umwelteinflüsse, das Klima oder eine genetische Vorbelastung lassen sich von Einzelpersonen hingegen nicht steuern.
Risiken digitaler Medien und Abgrenzung zu kommerziellen Check-ups
Mit Blick auf die Digitalisierung und Social Media, die besonders bei jüngeren Menschen ein Dauerthema sind, verweist Claudio Bassetti auf wachsende Daten im Kindesalter. Demnach zeigen diese Auswertungen, dass zu viel Bildschirmzeit schädlich für die Hirnentwicklung und die Psyche ist.
Kritisch bewertet der Neurologe zudem teure Check-up-Kliniken, die umfassende Messungen durchführen und zahlreiche Zusatzpräparate verkaufen wollen, deren Nutzen wissenschaftlich oft gar nicht belegt ist. Zwar existieren Studien zu Vitaminen oder Omega-3-Fettsäuren, doch deren Effekte sind laut Claudio Bassetti im Vergleich zu grundlegenden Verhaltensmaßnahmen wie Bewegung, Schlaf oder Ernährung meist vernachlässigbar klein.
Erkennung von Demenzsymptomen und persönlicher Umgang
Angesichts weitverbreiteter Sorgen vor einer Demenz stellt sich für viele Menschen die Frage, ab welchem Punkt Vergesslichkeit Anlass zur Sorge gibt. Demnach gehört es zum normalen Leben, dass der Mensch mit dem Alter bei mentalen Aufgaben etwas langsamer wird. Kritisch wird es jedoch, wenn Betroffene zunehmend Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis entwickeln oder sich zeitlich und örtlich wiederholt nicht mehr richtig orientieren können. Das Gleiche gilt, wenn das persönliche Umfeld oder die Familie bemerkt, dass gewohnte Alltagsaufgaben nicht mehr bewältigt werden.
Auch bei Kopfschmerzen und Migräne, die aufgrund ihrer Häufigkeit und den damit verbundenen Kosten oft schon Kinder und Jugendliche über ein ganzes Leben begleiten, spielen Schlafmangel, Stress, körperliche Inaktivität und Umwelteinflüsse eine Rolle. Dank moderner Medizin stehen heute jedoch sehr effiziente Behandlungsmethoden sowie präventive Maßnahmen zur Verfügung, wie etwa die Gestaltung eines migränefreundlichen Arbeitsplatzes mit Rückzugsorten.
Claudio Bassetti räumt ein, dass die Umsetzung dieser Empfehlungen im eigenen Alltag nicht immer leichtfällt. Bei der Schlafdauer sei er selbst manchmal knapp unterwegs, was zu Hause gelegentlich Kritik einbringe, und auch die körperliche Betätigung falle phasenweise geringer aus als ideal. Dennoch legt er großen Wert auf soziale Kontakte, hält sich durch berufliche Herausforderungen kognitiv sowie emotional aktiv und schätzt den Austausch mit der Familie als extrem wichtig für das Gehirn und die psychische Gesundheit ein.
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