Astronomer haben auf aktuellen Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble einen zehneckigen Sturm am Südpol des Saturn entdeckt. Die rätselhafte atmosphärische Welle unterscheidet sich deutlich von dem seit Jahrzehnten bekannten Hexagon am Nordpol des Ringplaneten und wirft bei Forschern neue Fragen zur Dynamik von Gasriesen auf.
Wissenschaftler haben auf dem Saturn eine bizarre und unerwartete Wetterstruktur entdeckt. Wie aktuelle Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble zeigen, umgibt den Südpol des Ringplaneten ein zehneckiger Sturm, der am 2. September in Science Advances vorgestellt wurde. Diese Formation markiert eine markante atmosphärische Welle, die in dem mächtigen Jetstream sitzt und sich über verschiedene Bereiche der Atmosphäre erstreckt.
Entdeckung durch Agustín Sánchez-Lavega und das Hubble-Weltraumteleskop
Entdeckt wurde das Phänomen von einem Forschungsteam um Agustín Sánchez-Lavega von der Universität des Baskenlandes im spanischen Bilbao. Den ersten Hinweis lieferte dabei eine amateurastronomische Aufnahme, die im Rahmen des Programms Planetary Virtual Observatory and Laboratory eingereicht worden war. Auf diesen Aufnahmen hat Sánchez-Lavega mit zwei Amateurastronomen „ein kaum wahrnehmbares, wellenförmiges Band entlang des Südpolsentdeckt, wie die NASA erklärt. Eine abschließende Bestätigung sowie die besten Bilder lieferte schließlich das Hubble-Weltraumteleskop, weil es aus der Erdumlaufbahn eine ganze Rotation des Ringplaneten abbilden kann.
Ein antiker Nordpol und ein unerwarteter Südpol
Vergleich zwischen Nord- und Südpol des Saturn
Die Entdeckung des Dekagons wirft bei Planetenforschern Fragen auf, weil sie im Kontrast zum bekannten Hexagon am Nordpol des Saturn steht. Das dortige Sechseck ist seit mindestens 45 Jahren bekannt; Wissenschaftler haben es erstmals entdeckt, als NASA’s Voyager-Sonden den Ringplaneten 1980 und 1981 passierten. Im Gegensatz dazu hat die NASA-Mission Cassini den Planeten mehr als 13 Jahre lang im Detail studiert und nie etwas Ähnliches in der südlichen Hemisphäre gesehen.
Der Grund für die späte Entdeckung liegt auch in der Ausrichtung des Planeten. Da der Südpol des Saturn im Jahr 2012 von der Erde wegzeigte und erst im Jahr 2023 wieder in unser Blickfeld rückte, war das Gebiet jahrelang nicht einsehbar. Das Dekagon wurde in Hubble-Bildern sichtbar, die im vergangenen Herbst gesammelt wurden; Astronomen überprüften daraufhin Beobachtungen aus dem Jahr 2023 und bestätigten, dass es damals ebenfalls sichtbar war, wenngleich weniger scharf definiert. Zu der Entdeckung sagt Agustín Sánchez-Lavega von der Universität des Baskenlandes: „This discovery suggests that the hexagon [at the north pole] is not as extraordinary as previously thought.
Verhalten im Vergleich: Langlebiges Hexagon versus dynamisches Dekagon
Einschätzungen von Amy Simon und Wanying Kang
In den wenigen Beobachtungen, die Wissenschaftler haben, scheint sich das Dekagon stärker zu verändern als der beständige hexagonale Jet. Das erklärt die NASA-Forscherin Amy Simon vom Goddard Space Flight Center in Greenbelt, Maryland. Sie bleibt deshalb vorsichtig mit der Hypothese, wie lange das neu identifizierte Merkmal auf dem Gasriesen bestehen bleiben könnte. Gasriesen „look nice and serene, but they’re very windy, sagt Amy Simon, und während atmosphärische Merkmale wie das Hexagon jahrzehntelang überdauern können, können sich Dinge andererseits auch sehr schnell ändern.

Zu dem Phänomen äußerte sich auch die MIT-Planetenforscherin Wanying Kang, die nicht an der neuen Forschung beteiligt war. Sie erklärt, dass das Sehen eines Jets auf dem Saturn vollkommen normal ist, was an der Kombination aus der großen Grösse des Planeten und der superschnellen Rotation liegt – ein Tag auf dem Saturn dauert nur etwa 10,7 Stunden. Gas möchte natürlicherweise vom wärmeren Äquator zu den kühleren Polen fließen, doch die schnelle Rotation bedeutet, dass es nicht weit reisen kann, bevor es in einen Pfad um den Planeten gepeitscht wird.
Agustín Sánchez-Lavega, planetary scientist at the University of the Basque Country
Beobachtung des Dekagons mit dem James-Webb-Weltraumteleskop
Die Forscher können das Merkmal nicht richtig erklären, schlagen jedoch vor, dass Störungen durch einen nahegelegenen Sturm es ausgelöst haben könnten. Sie hoffen, dass der Einsatz weiterer Observatorien, einschließlich des James-Webb-Weltraumteleskops, und die Beobachtung des Merkmals im Laufe der Zeit helfen werden zu enthüllen, was das Dekagon erzeugt. Hubble war praktischerweise bereits dafür vorgesehen, Saturn in jenem Monat erneut zu überprüfen, und Amy Simon bekräftigt: „We’ll be watching it, and we’ll go from there.
Auch interessant