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Technik und Wissenschaft

Ada Yonath gestorben: Nobelpreisträgerin und Biologin stirbt mit 87 Jahren

Ada Yonath, die wegweisende israelische Strukturbiologin und erste Nobelpreisträgerin ihres Landes, ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Sie klärte den Bau des Ribosoms auf, revolutionierte das Verständnis von Proteinen und legte den Grundstein für neuartige Antibiotika. Ihre Arbeit veränderte die moderne Wissenschaft nachhaltig.

Die Nachricht von ihrem Tod am Montag, dem 31. August, in Tel Aviv erschütterte die internationale Forschungsgemeinschaften. Das Weizmann-Institut in Rechovot, an dem Yonath den Großteil ihrer jahrzehntelangen Karriere verbracht und bis zuletzt gearbeitet hatte, bestätigte ihren Tod im Alter von 87 Jahren. Die am 22. Juni 1939 in Jerusalem geborene Wissenschafterin hinterlässt ein monumentales wissenschaftliches Erbe, das die Grenzen des menschlichen Wissens physisch und methodisch verschob.

Ein Leben für das unlösbare Molekül am Weizmann-Institut

Yonath studierte Chemie an der Hebräischen Universität in Jerusalem, wo sie im Jahr 1962 graduierte und sich im Anschluss der Biochemie widmete. Im Jahr 1968 promovierte sie am Weizmann-Institut auf dem Gebiet der Röntgenkristallographie. Nach Forschungsaufenthalten in den Vereinigten Staaten — am Mellon Institute in Pittsburgh und am Massachusetts Institute of Technology in Boston — kehrte sie an das israelische Forschungsinstitut zurück. Dort gründete sie im Jahr 1970 das erste Labor für Proteinkristallographie in Israel.

In diesem Labor widmete sie sich einer Aufgabe, die Fachkollegen damals für schlicht unmöglich hielten: der Entschlüsselung der Struktur des Ribosoms. Das Ribosom ist eine komplexe Maschinerie aus Ribonukleinsäure (RNA) und Proteinen, die in jeder lebenden Zelle genetische Informationen in Proteine übersetzt. Die Herausforderung schien unüberwindbar, da niemand wusste, wie man stabile und geordnete Kristalle einer derartig massiven und komplexen biologischen Struktur züchten konnte. Dennoch setzte Yonath ihre Forschungen fort. Nach Tausenden von Fehlversuchen gelang es ihr und ihren Mitarbeitern im Jahr 1980, die ersten Ribosomenkristalle zu erzeugen.

Wegbereiterin der modernen Strukturbiologie und des Chemieprieses 2009

Um die extrem empfindlichen Kristalle vor den zerstörerischen Röntgenstrahlen zu schützen, entwickelte Yonath innovative Methoden weiter. Dazu gehörte die Kryobiocrystallography, bei der die biologischen Proben schlagartig bei extrem niedrigen Temperaturen eingefroren werden. Dieser methodische Durchbruch gipfelte um die Jahrtausendwende in weltberühmten Erfolgen. Arbeitsgruppen unter Yonaths Leitung am Weizmann-Institut sowie an einer Einrichtung der Max-Planck-Gesellschaft in Hamburg schafften es im Jahr 2000, die vollständigen dreidimensionalen Strukturen beider Untereinheiten eines bakteriellen Ribosoms auf fast atomarer Ebene zu bestimmen.

Dieser Triumph öffnete die Tür zu medizinischen Anwendungen von globaler Tragweite. Im Jahr 2001 analysierten Yonaths Forschergruppen, wie verschiedene Antibiotika an bakterielle Ribosomen binden und dort die lebensnotwendige Proteinproduktion blockieren. Diese Erkenntnisse halfen der Medizin, Wirkmechanismen besser zu verstehen und den Weg für den Kampf gegen zunehmende Antibiotikaresistenzen zu ebnen.

„Ihre jahrzehntelange wissenschaftliche Arbeit trug wesentlich zum Verständnis der Wirkungsweise verschiedener Antibiotika bei und half damit, den Weg für die Entwicklung neuer Antibiotika und den Kampf gegen antibiotikaresistente Bakterien zu ebnen.“

Mitteilung des Weizmann-Instituts, via News.at

Für diese revolutionären Entdeckungen wurde Yonath im Jahr 2009 mit dem Chemie-Nobelpreis ausgezeichnet. Sie teilte sich die Ehrung mit Thomas A. Steitz und Venkatraman Ramakrishnan. Mit dieser Verleihung schrieb sie Geschichte: Sie war die erste israelische Wissenschafterin, die einen Nobelpreis erhielt, die erste Frau aus dem Nahen Osten in dieser Kategorie und die erste Frau seit 45 Jahren, der der Nobelpreis für Chemie zuuerkannt wurde. Zugleich erhielt das Weizmann-Institut durch ihre Auszeichnung seinen allerersten Nobelpreis.

Würdigung und akademische Spuren hinterlassen

Im Laufe ihres Lebens erhielt Yonath zahlreiche weitere internationale Auszeichnungen. Darunter befanden sich der Israel-Preis für Chemie, der Wolf-Preis für Chemie, die Röntgen-Medaille sowie der L’Oréal-UNESCO-Preis für Frauen in der Wissenschaft. Zudem war sie Mitglied in renommierten internationalen Akademien und hielt Ehrendoktortitel von rund 40 Universitäten weltweit.

Ada Yonath gestorben: Nobelpreisträgerin und Biologin stirbt mit 87 Jahren
Photo: Derstandard

Alon Chen, der Präsident des Weizmann-Instituts, würdigte die Verstorbene als eine Forscherin, die einen Weg wählte, den andere für unmöglich hielten. Ada Yonath hinterlässt eine Tochter und eine Enkelin. Bis zuletzt blieb sie wissenschaftlich aktiv und prägte die Strukturbiologie über Generationen hinweg.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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