Ein dreister Raub im Wiener Museum für angewandte Kunst hat ein millionenschweres Diamantencollier aus dem Jahr 1939 betroffen. Die österreichische Polizei stuft den Blitzcoup von Tätern mit Hammer und Pistole als den bislang spektakulärsten Kunstdiebstahl seit dem berüchtigten Saliera-Raub im Jahr 2003 ein.
Im Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien kam es zu einem spektakulären Überfall, der die Ermittlungsbehörden alarmiert hat. Zwei Täter verschafften sich während der regulären Öffnungszeiten Zugang zu den Ausstellungsräumen und erbeuteten ein Diamantencollier im Wert von mehreren Millionen Euro. Die Tat ereignete sich im Rahmen der Ausstellung Glanzstücke
.
Bewaffneter Blitzcoup während der Öffnungszeiten im MAK
Das Vorgehen der Täter unterschied sich gravierend von nächtlichen Einbrüchen. Ausgestattet mit einem Hammer und einer Pistole, erbeutete das Männerduo das Schmuckstück binnen weniger Minuten. Nach Angaben der Landespolizeidirektion wird wegen räuberischen Diebstahls ermittelt. Das geraubte Collier stammt aus dem Jahr 1939 und wurde von dem Pariser Luxusjuwelier Van Cleef & Arpels im Art-déco-Stil gefertigt. Dass ein Museum während des Publikumsverkehrs überfallen wird, verleiht dem Verbrechen eine völlig neue Dimension.
Für die Ermittler steht der Fall in einer Reihe mit den spektakulärsten Kriminalfällen der österreichischen Museumsgeschichte.
Vergleich mit dem Saliera-Raub aus dem Jahr 2003
Die zuständigen Behörden im Bundeskriminalamt sehen in dem Verbrechen wohl der größte und spektakulärste Kunstdiebstahl seit dem Saliera-Fall 2003
. Damals war das goldene Salzfass des Künstlers Benvenuto Cellini aus dem Wiener Kunsthistorischen Museum (KHM) entwendet worden, was international für großes Aufsehen sorgte. Ähnlich wie damals ist die Verbreitung von Fahndungsfotos im Internet im aktuellen MAK-Fall problemlos, da das öffentliche Interesse und der Bekanntheitsgrad des Objekts enorm sind.

Fahndungsarbeit und der Verzicht auf künstliche Intelligenz
Die Abteilung für Kulturgutfahndung verzeichnet im langjährigen Schnitt etwa jeden dritten Tag einen neuen Fall. Die Kriminalstatistik des Jahres 2025 wies insgesamt 105 Anzeigen von Kunst- oder Kulturgutdiebstählen in Österreich aus. Zwar ist die Gesamtzahl über die Jahre hinweg nahezu konstant geblieben, doch zeigt sich ein leichter Rückgang im langfristigen Trend. Anfang der 2000er-Jahre verzeichneten die Ermittler noch vermehrt gestohlene Statuen aus Kirchen, was mittlerweile seltener vorkommt.

Online-Kataloge von Auktionshäusern, Kunstportale und die Datenbanken von Interpol sowie Europol werden täglich durchforstet. Auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird dabei weitgehend verzichtet.
Ein ausgeprägtes visuelles Gespür bleibt für alle Mitarbeiter unerlässlich, um Fehlinformationen bei der Fahndung zu vermeiden. Die Aufklärungsquote bei Kulturgutdiebstählen liegt bei rund 20 Prozent. Bis zur erfolgreichen Rückgabe vergehen oft Jahre. So konnten im vergangenen Jahr nach Ermittlungen des Landeskriminalamts Tirol und der Staatsanwaltschaft Innsbruck zwei Statuen aus einer Kirche in einem italienischen Dorf 56 Jahre nach ihrem Diebstahl zurückgebracht werden.